Kindheit und Jugend
Helena Voorhoeve, genannt Heleen, wurde 1912 in Den Haag geboren – in einer Zeit voller Spannungen in Europa. Sie war das sechste Kind einer gläubigen Familie, die durch Bibellesen, Gebet und tätige Nächstenliebe geprägt war. Schon als Kind war Heleen lebhaft, wissbegierig und voller Energie, lernte von ihren Geschwistern praktische und kreative Fertigkeiten, litt jedoch unter einer schwächlichen Gesundheit.
Mit 12 Jahren bekehrte sie sich bewusst zum Glauben an Jesus Christus. Von da an prägten Gebet und Bibelstudium ihren Alltag. Sie übernahm früh Verantwortung: unterrichtete Kinder in der Sonntagsschule, organisierte ein Mädchen-Zeltlager und zeigte eine erstaunliche Reife im Glauben. Besonders die Berichte aus der weltweiten Mission bewegten sie – Ägypten wurde zu ihrem Sehnsuchtsland.
Berufung und Ausbildung
1929 hörte Heleen den Bericht des Missionars Otto Blaedel, der junge Mitarbeiter für Ägypten suchte. Tief berührt erklärte sie ihren Eltern: „Gott hat mich berufen.“ Ihr Vater stimmte zu, verlangte jedoch Ausbildung und Reife. Geduldig folgte Heleen diesem Weg: Sie wurde Lehrerin, arbeitete in Deutschland und England, erwarb medizinische Kenntnisse und lernte mehrere Sprachen. In der Schweiz besuchte sie eine Bibelschule für Missionare.
Start in Ägypten
1937, mit 25 Jahren, reiste sie nach Ägypten. Nach ersten Jahren in Kairo führte ihr Weg nach Tema in Oberägypten. Dort übernahm sie eine kleine, ärmliche Schule. Trotz widriger Umstände und Widerstände wuchs das Werk: Während des Krieges betreute sie Hunderte von Schülerinnen, organisierte Nähkurse für Frauen und gründete die „Tabitha-Treffen“.
Aufbaujahre
Als die Behörden einen Neubau verlangten, sammelte Heleen trotz Krankheit und persönlicher Verluste unermüdlich Spenden. 1951 wurde der Grundstein gelegt, 1954 die neue Schule „Bethel – Haus Gottes“ eröffnet.
Um 1955 ereignete sich eine Episode, die viel über Heleen verrät: Sie erhielt eine Einladung nach Kairo zu einem festlichen Anlass, sagte jedoch ab, weil ihre Schüler mitten in den Prüfungen steckten. Erst später erfuhr sie, dass sie dort mit dem Ritterkreuzorden der niederländischen Krone ausgezeichnet werden sollte. Der Botschafter kam schließlich heimlich nach Tema, um ihr die Ehrung zu überreichen. Heleen erzählte niemandem davon und forderte niemals die Vorzugsbehandlung ein, die mit dem Orden verbunden war. Erst durch einen Zufall kam die Geschichte ans Licht – ein stilles Zeugnis ihrer Bescheidenheit.
Später entstand das „Haus des Lichts“. Unter ihrer Leitung wuchs die Schule auf über tausend Schüler.
Späte Jahre
1966 übergab Heleen die Leitung an ägyptische Christen, blieb aber selbst in Tema. 1970 sollte sie das Land verlassen, doch ihr mutiges Gespräch mit dem Innenminister bewirkte ihre Rückkehr. Die Menschen nannten sie nur „El Sett“ – die Frau.
Heleen blieb bis ins hohe Alter in Ägypten, kaufte sich dort sogar ein Grab. Sie starb 2014 im Alter von 101 Jahren – nach einem langen Leben voller Hingabe, Glauben und Liebe zu den Menschen.
Zu Heleen Voorhoeve gibt es eine Biografie: „100 Jahre – Ein Leben für IHN“. Das Buch kann hier bestellt werden: Biografie Voorhoeve
