Joseph ist ein hervorragendes Vorausbild auf Christus. Schwachstellen finden sich kaum in seinem Glaubensleben. Die zwei Situationen, die eine gewisse Schwäche zeigen, sind jedoch sehr lehrreich. Einmal suchte er Hilfe beim Mundschenk des Pharao, als sein Ausharren im Gefängnis stark geprüft wurde (1. Mo 40,14). Doch seine Hilfe kam schließlich nicht von den „Bergen“ (Mächtigen), sondern „von dem HERRN“ (Ps 121,1.2), der Pharao träumen ließ. Ein anderes Mal korrigierte er zu Unrecht seinen Vater, als dieser seine beiden Söhne in der – wie er meinte – falschen Reihenfolge segnen wollte. Doch sein Vater hatte nicht falsch, sondern einsichtsvoll gehandelt: „Ich weiß es, mein Sohn, ich weiß es“ (1. Mo 48,17–19).

Lehren uns diese zwei Situationen im Leben eines ansonsten glaubensstarken Gottesmannes nicht, dass der rechte Umgang mit Schwierigkeiten im Leben eines Gläubigen wohl nicht zu den einfachsten Lektionen gehört? Wie oft haben wir uns auf Menschen verlassen wollen, statt bei dem HERRN Zuflucht zu suchen (Ps 118,8)?

Und wie schnell sind wir geneigt, wenn auch unbewusst, in dem Handeln unseres himmlischen Vaters einen Fehler zu finden. Jakob hatte seine Arme über Kreuz gelegt, sodass die Rechte auf Ephraim, dem Jüngeren, ruhte. Kommt uns nicht auch manches im Leben „über Kreuz“ vor? Wir erkennen keinen Sinn in den Schwierigkeiten und würden am liebsten, wie Joseph, sagen: „Nicht so, mein Vater!“ Doch Gottes Tun ist immer weise und einsichtsvoll. Man kann Ihn nicht korrigieren. Er sagt auch uns gleichsam: „Ich weiß es, mein Sohn, ich weiß es.“ „Euer himmlischer Vater weiß“ (Mt 6,32) – dieses Bewusstsein kann uns neuen Mut geben. Er macht keine Fehler. Aber Er weiß auch, wie uns zumute ist. Keine Regung unseres Herzens entgeht Ihm, keine Träne fällt unbeachtet zur Erde. Er wird uns sicher durch die Schwierigkeit hindurchbringen. Am Ende, im Rückblick, werden wir mit Mose sagen: „Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht“ (5. Mo 32,4). Auch diese Nöte gehörten zu Gottes weisem Plan.

Bei dem Herrn Jesus finden wir solche Schwächen nicht. Er suchte seine Hilfe nicht bei Petrus, der mit dem Schwert dreinschlagen wollte, und nicht bei Pilatus, der Ihm weismachen wollte, es stände in seiner Macht, Ihn freizulassen. Er stellte den HERRN stets vor sich; weil Er zu seiner Rechten war, wankte Er nicht (Ps 16,8).

Und gerade da, wo, menschlich gesprochen, alles „über Kreuz“ aussah, wo Johannes im Gefängnis war und sein Volk, das Er aus Liebe retten wollte, Ihn auf der ganzen Linie ablehnte, hören wir kein „Nicht so, mein Vater!“, sondern ein „Ja, Vater“ (Mt 11,26).