Unter den Philippern waren böse Arbeiter aktiv, die Gesetz und Gnade miteinander vermischten (Phil 3,1–4). Sie behaupteten, die Beschneidung sei notwendig, um gerettet zu werden. Die Rechtfertigung allein aus Glauben lehnten diese jüdischen Arbeiter ab.
Sieben Privilegien
Paulus zeigt, dass er selbst früher ein strengreligiöser Jude war. Er nennt in Philipper 3,5.6 dazu sieben Punkte:
- „Beschnitten am achten Tag“ – er war vorschriftsgemäß nach dem Gesetz Moses beschnitten worden.
- „Vom Geschlecht Israel“ – er gehörte zum Bundesvolk Gottes und war kein Heide.
- „Vom Stamm Benjamin“ – er gehörte zu einem der beiden Stämme Israels, die nach der Gefangenschaft wieder in das verheißene Land zurückgekehrt waren.
- „Hebräer von Hebräern“ – er hatte eine unvermischte Abstammungslinie und war tief im traditionellen Judentum verwurzelt.
- „Was das Gesetz betrifft, ein Pharisäer“ – er nahm es sehr genau mit dem Gesetz und war Teil der strengsten Sekte im Judentum.
- „Was den Eifer betrifft, ein Verfolger der Versammlung“ – sein Eifer gegenüber „ketzerischen Gedanken“ war so groß, dass er die kräftezehrende Aufgabe der Verfolgung auf sich nahm.
- „Was die Gerechtigkeit betrifft, die im Gesetz ist, für untadelig befunden“ – man konnte ihm keine Gesetzesübertretung nachweisen.
Vier Erkenntnisse
Diese Vorzüge waren sein „Gewinn“, darauf war er stolz. Doch dann begegnete ihm Jesus auf einer Reise nach Damaskus. Saulus wusste sofort, dass er diesem Herrn im Himmel dienen musste. Seine Einstellung veränderte sich radikal (Phil 3,7.8):
- „Was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet“ – Paulus sah seinen Gewinn plötzlich als Verlust an.
- „Ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn“ – er blieb dauerhaft bei der negativen Einschätzung seiner religiösen Vorzüge.
- „Um dessentwillen ich alles eingebüßt habe“ – der Verlust war nicht nur theoretisch, sondern Paulus erlebte ihn auch konkret.
- „Und es für Dreck achte“ – er trauerte seinem Ansehen in der religiösen Welt nicht nach, denn das war für ihn nur noch Dreck.
Sieben Wünsche
Paulus hatte als Christ nun ganz neue Wertvorstellungen und Wünsche (Phil 3,8–11):
- „Christus gewinnen“ – er wollte Christus gewinnen und sich an Ihm erfreuen.
- „In ihm gefunden werden“ – er wollte verwirklichen, was es heißt, „in Christus“ zu sein.
- „Die Gerechtigkeit aus Gott durch den Glauben“ – er hielt an der Wahrheit fest, dass Gott ihn aufgrund seines Glaubens gerechtfertigt hatte. Seine eigene Gerechtigkeit kam gar nicht mehr in Frage.
- „Ihn erkennen“ – Paulus strebte danach, seinen Herrn immer mehr zu erkennen.
- „Und die Kraft seiner Auferstehung“ – er wollte die göttliche Kraft, die bei der Auferstehung des Herrn Jesus wirksam war (Eph 1,19), in seinem Leben und Dienst erfahren.
- „Und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde“ – ausgerüstet mit göttlicher Kraft wünschte er, wie sein Meister den Weg der Leiden bis zum Tod zu gehen.
- „Auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten“ – es war sein Wunsch, die Heraus-Auferstehung aus den Toten zu erleben (wenn der Tag dafür gekommen ist).
Sieben Entscheidungen
Die Ziele von Paulus führten zu einem konsequenten Leben (Phil 3,12–14):
- „Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet sei“ – er machte sich bewusst, dass er noch keine vollkommene Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus genoss; er war noch nicht vollendet.
- „Ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge“ – er setzte seine ganze Energie ein, um so viel wie möglich von Christus zu haben.
- „Indem ich auch von Christus Jesus ergriffen bin“ – ihm war klar, dass er nur deshalb zielorientiert lebte, weil Christus ihn ergriffen hatte.
- „Eins aber tue ich: Vergessend, was dahinten“ – er dachte nicht mehr an seine religiöse Karriere mit all ihren angenehmen Begleiterscheinungen.
- „Und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist“ – er streckte sich nach dem aus, was vor ihm lag, wo die vollendete Freude an Jesus auf ihn wartete.
- „Jage ich, das Ziel anschauend“ – er blickte ständig auf das Ziel: den Himmel.
- „Zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ – Paulus ging freudig und entschlossen dem Kampfpreis entgegen: dem Genuss der Segnungen in Herrlichkeit.
Drei Gesinnungen
Nicht alle, die bekennen, dass sie Jesus Christus nachfolgen, leben so entschieden wie Paulus. Das Wort Gottes zeigt drei Gruppen (Phil 3,15–19):
- Die vollkommen Gesinnten: Sie haben, wie Paulus, nur den Herrn Jesus vor Augen. Sie sind Vorbilder für andere (Phil 3,15a.17).
- Die etwas anders Gesinnten: Sie sind geistlich noch nicht so weit. Sie sollen auf dem Weg des Glaubens entschieden weitergehen. Gott wird ihnen (noch mehr) klarmachen, worauf es im Christenleben ankommt (Phil 3,15b.16).
- Die irdisch Gesinnten: Sie leben völlig diesseitsbezogen. Ihr Leben steht konträr zu dem, was Christentum ausmacht. Das Ende dieser bloßen Bekenner ist Verderben (Phil 3,18.19).
Drei Hauptpunkte
Die letzten beiden Verse bilden den Höhepunkt dieses Kapitels (Phil 3,20.21). Drei wichtige Punkte können wir herausstellen:
- „Unser Bürgertum ist in den Himmeln“ – hier wird uns gezeigt, wo unser Zuhause ist: Es ist der Himmel. Wir denken daran und freuen uns darauf.
- „Von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten“ – hier wird uns gezeigt, wer uns in den Himmel bringt: Der Herr Jesus rettet uns aus dieser Welt heraus. Wir erwarten sein Kommen.
- „Der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ – hier wird uns gezeigt, wie wir in den Himmel kommen: Wir erhalten einen neuen Körper, der zur Herrlichkeit passt.
Wir werden bald – in Ewigkeit – bei Christus im Himmel sein. Das sollte jetzt schon unser ganzes Denken und Handeln prägen. Wir sind Himmelsbürger!
[Aus: Folge mir nach]
