„In allem bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg“ (2. Kor 4,8). 

„Und Gott tat ihre Augen auf, und sie sah einen Wasserbrunnen; und sie ging hin und füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Knaben zu trinken“ (1. Mo 21,19). 

Abraham sollte auf die Stimme seiner Frau hören und Hagar mit ihrem Sohn Ismael hinaustreiben. Da es für ihn gewiss ungewöhnlich war, seiner Frau bei schwierigen Entscheidungen das letzte Wort zu überlassen, musste Gott ihn in diesem Fall extra dazu ermutigen, auf seine Frau zu hören, denn ihr Vorschlag entsprach dem Willen Gottes: „Denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohn, mit Isaak!“ (1. Mo 21,10). Isaak – und nicht Ismael – sollte der verheißene Erbe sein. In Isaak sollte Abraham eine Nachkommenschaft geschenkt werden (1. Mo 21,12).

Abraham war Gott gehorsam und tat, was Gott ihm gesagt hatte (1. Mo 21,14). Dabei ist die Art und Weise, wie er in dieser Situation gehorchte, bemerkenswert:

  • Er gehorchte sofort: Er stand früh am Morgen auf, um den Auftrag Gottes auszuführen. In aller Entschiedenheit und ohne Zeit zu verlieren, wollte er prompt tun, was Gott ihm gesagt hatte.
  • Er gehorchte ohne weitere Erklärung: Wenn er auch nicht verstand, wie es mit Hagar und Ismael weitergehen würde, gehorchte er ohne weitere Erklärung vonseiten Gottes und überließ Ihm alle offenen Fragen.
  • Er gehorchte wider die natürlichen Beziehungen: Er ließ sich in dieser Sache nicht von seiner natürlichen Liebe leiten, sondern stellte die Ansprüche Gottes vor die familiären Beziehungen (vgl. 3. Mo 2,11; Joh 2,4).

Abraham trieb Hagar schließlich fort, aber nicht, ohne ihr Proviant für sich und ihren Sohn mit auf den Weg zu geben. Das zeigt, dass er es auch nicht an der nötigen Liebe und Fürsorge fehlen ließ. Für die erste Zeit würden die beiden versorgt sein, bis Gott eingreifen und seine Verheißung wahr machen würde (1. Mo 21,13).

Nach einer gewissen Zeit ging das Wasser im Schlauch aus und Hagar wusste nicht mehr weiter (1. Mo 21,15). Menschlich gesprochen befand sie sich in einer hoffnungslosen Situation. Sie sah keinen Ausweg mehr, obwohl Gott ihn schon längst kannte: Der Wasserbrunnen stand nämlich schon die ganze Zeit bereit – Hagar sah ihn nur nicht. Erst als Gott ihre Augen auftat, konnte sie ihn sehen (1. Mo 21,19).

Auch Paulus kannte diese Erfahrung. Wie oft mag er sich in ausweglosen Situationen befunden haben – „keinen Ausweg sehend“ (2. Kor 4,8) – und doch war er nie ohne Ausweg, denn Gott würde ihm mit der Prüfung auch den Ausgang schaffen (1. Kor 10,13). Darauf dürfen auch wir vertrauen: Wenn wir in einer bestimmten Situation keinen Ausweg sehen – Gott ist nie ohne Ausweg und wird ihn uns zu seiner Zeit zeigen. Manchmal muss Er uns dafür auch die Augen öffnen.

Weil Abraham Gott gehorchte und bereit war, seinen Sohn Ismael herzugeben, konnte Gott ihn in 1. Mose 22 einer noch größeren Glaubensprüfung unterziehen. Abraham wuchs im Glauben und war schließlich sogar bereit, seinen verheißenen und geliebten Sohn Isaak herzugeben.