Nur im Johannesevangelium erfahren wir etwas über den Jünger Philippus. Was wir über ihn lesen, ist instruktiv und eindrucksvoll:

Jesus findet Philippus (Joh 1,44–46)

  • Philippus begibt sich sofort in die Nachfolge, nachdem Jesus ihn gerufen hat.
  • Philippus begibt sich unmittelbar auf die Suche nach Nathanael, der auf den Messias wartet.
  • Philippus weiß sich mit anderen Gläubigen verbunden, denn er spricht von „wir“.
  • Philippus kennt das Gesetz und die Propheten und sieht die Erfüllung messianischer Prophetie in Christus.
  • Philippus erkennt jedoch in Jesus zunächst nur den Sohn Josephs und nicht den Sohn Gottes.
  • Philippus lässt sich durch Einwände (von Nathanael) nicht entmutigen.
  • Philippus lässt sich nicht auf Diskussionen ein, sondern ist von der Strahlkraft Jesu gänzlich überzeugt und sagt einfach: „Komm und sieh.“

Philippus und das Brotwunder (Joh 6,5–7)

  • Philippus hat in Jesus zwar den Messias erkannt, er ist aber nicht damit vertraut, dass der Messias seinem Volk Brot zu geben vermag, obwohl es verheißen war (Ps 132,15).
  • Philippus ist bereit, die finanziellen Ressourcen (die vermutlich aus der Spendenkasse stammen) für die Volksmenge zu investieren.
  • Philippus hat jedoch nur die materiellen Ressourcen vor Augen (200 Denare) und nicht die göttliche Fülle in Jesus, die er bei der Hochzeit zu Kana und anderen Gelegenheiten eindrücklich gesehen hatte.

Philippus und die Griechen (Joh 12,21.22)

  • Philippus ist als Jünger Jesu bekannt und ist zugänglich für Menschen, die mehr am Rand des Geschehens stehen.
  • Philippus ist zögerlich, die Griechen mit Jesus in Verbindung zu bringen, weil er mehr mit der Herrlichkeit des Königs Israels als mit der Herrlichkeit des Sohnes des Menschen beschäftigt ist.
  • Philippus sucht hier Hilfe bei Andreas, es fehlt ihm am vertrauten Umgang mit dem Meister und an der vollen Freimütigkeit.
  • Philippus handelt aber auch in Gemeinschaft mit seinem Glaubensbruder und sieht in Andreas keine Konkurrenz, er ist abhängig vom Meister.

Philippus und der Vater (Joh 14,7.8)

  • Philippus will mehr über den Vater erfahren, von dem der Herr Jesus so viel geredet hat (er schließt in seiner Frage übrigens wieder andere mit ein).
  • Philippus versteht nicht, dass es keine Offenbarung des Vaters losgelöst vom Sohn geben kann. Der Vater ist im Sohn und der Sohn ist im Vater![1]

Philipper ist ein Jünger, bei dem es Licht und Schatten gab. Es ist beides geschrieben zu unserer Unterweisung. In jedem Detail finden wir etwas, was auch für uns eine Botschaft hat.


Fußnoten:

  1. Wir sehen eine Steigerung der Erkenntnis bei Philippus: In Johannes 6 lernt er, dass der Messias sein irdisches Volk versorgt. In Johannes 12 lernt er, dass Jesus auch der Retter für die aus den Nationen ist. In Johannes 14 schließlich lernt er, dass Jesus den Vater offenbart hat und uns in eine wunderbare Gemeinschaft führt.