Die Ankündigung des Heiligen Geistes

„Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote“ (V. 15).

Es ist sehr deutlich, dass jetzt mit Vers 15 ein weiterer Gegenstand vor uns kommt. Bisher hatten wir von unseren Vorrechten gehört, diesen himmlischen Beziehungen, in die wir eingeführt worden sind. Vers 15 zeigt uns jetzt eine gewisse Verantwortung auf unserer Seite, wie wir diese himmlischen Beziehungen auch verstehen und genießen können. Eine große Hilfe dazu ist uns der Heilige Geist, der uns dann in den nächsten Versen vorgestellt wird. Er gibt uns das Verständnis für diese Beziehungen und die Kraft, sie zu genießen, während auf unserer Seite unser Gehorsam und unsere Liebe unabdingbar sind, diese himmlischen Beziehungen auch genießen zu können. Es kommt unbedingt darauf an, ob wir bereit sind zu gehorchen. Nur auf dem Weg des Gehorsams erleben wir diese Freude, diese Beziehung zum Vater zu haben. Liebe und Gehorsam sind die großen Voraussetzungen für einen Gott wohlgefälligen Dienst in der Kraft des Heiligen Geistes.

Jetzt kommt ein drittes Merkmal wahren Christentums vor uns: Liebe. Wir hatten in den ersten Versen des Kapitels von der christlichen Hoffnung gehört, in dem vorangegangenen Abschnitt stand schwerpunktmäßig der christliche Glaube vor uns, und jetzt geht es um die Liebe. Vers 15 zeigt, dass die Liebe die Quelle oder die Triebfeder für unseren Gehorsam ist, und in Vers 21 wird der Gedanke andersherum dargestellt, dort finden wir, dass der Gehorsam der Beweis unserer Liebe zu Ihm ist.

Liebe ist ein Kennzeichen derer, die Ihm angehören, die der Herr hier zurücklässt, also auch von uns. Die an Ihn glauben sind solche, die Ihn lieben. Es sind Menschen, deren Herzensgegenstand, deren Herzensanziehungspunkt der Herr Jesus ist. Ihre Herzen sind zu Ihm gezogen und sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Ihn lieben und Ihm gehorsam sind. Diese Liebe ist die Quelle, nicht eines sklavischen Gehorsams, sondern eines Gehorsams aus Liebe. Zu dieser Person, die in ihrer ganzen Herrlichkeit vorgestellt wird, haben wir eine Beziehung der Liebe, und aus dieser Beziehung heraus halten wir seine Gebote. So kommt auch der Genuss dieser Beziehung nur aus unserem Gehorsam heraus. Auch in seinem ersten Brief stellt Johannes den Gehorsam als den ersten Charakterzug des neuen Lebens vor (1. Joh 2,3), und in 1. Joh 2,5 sagt er dann, dass die Liebe Gottes vollendet ist in dem, der sein Wort hält. Die Verbindung dieser Segnung mit den sichtbaren Kennzeichen bei dem Gläubigen – sei es in Joh 14 die Gabe des Heiligen Geistes oder in 1. Joh 2 der Besitz des ewigen Lebens – ist also Gehorsam und Liebe, und die Liebe ist dabei die Quelle, aus der der Gehorsam hervorkommt.

Der Herr Jesus spricht jetzt von seinen Geboten. Das sind seine Worte, die Er bei dem Vater gehört und den Menschen offenbart hatte, aber es sind mit Autorität bekleidete Worte. Im Halten seiner Gebote können wir unsere Liebe zu Ihm recht ausdrücken. Der Glaubende, der jetzt mit dem verherrlichten Christus verbunden ist, erkennt das, was der Herr Jesus sagt, als Gebote an. Das neue Leben in einem Glaubenden will gar nichts anderes, als diese Gebote zu halten oder zu tun. Seine Gebote sind nicht schwer, sagt Johannes in 1. Joh 5,3; sie sind das, was das neue Leben will, was der Geist Gottes in dem Glaubenden bewirkt. Dann ist der Weg frei, dass der Geist Gottes uns nicht mit uns selbst beschäftigen muss wegen verkehrten Handelns, wegen Sünde, sondern dass Er uns mit der ganzen Segnung und der Herrlichkeit der Person des Herrn Jesus und damit des Vaters beschäftigen kann. Das ist sein Ziel.

Es ist auffallend, dass dieser Gehorsam, das Halten der Gebote und seines Wortes hier und in diesen nächsten Versen fast bis zum Ende des Kapitels sehr eng verknüpft wird mit der Gabe des Heiligen Geistes. Der Herr beginnt dieses Thema hier in Vers 15: „Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote“. Er knüpft dann in den Versen 21 bis 24 wieder daran an und spricht dazwischen über den Heiligen Geist. In Vers 26 spricht Er wieder von dem Heiligen Geist und beendet den Abschnitt in den Versen 30 und 31 mit dem vollkommenen Vorbild seiner selbst, der Gehorsam aus Liebe vollkommen gezeigt hat. Wir sehen also eine sehr enge Verknüpfung zwischen dem Gehorsam aus Liebe und der Gabe des Heiligen Geistes. Das zeigt uns einen wichtigen Zusammenhang: Wenn wir richtigen Nutzen von der Gabe des Heiligen Geistes haben wollen, müssen wir unbedingt den Wunsch zum Gehorsam in unseren Herzen haben als eine Antwort auf seine große Liebe. Dann kann der Heilige Geist uns den Herrn Jesus groß machen und uns auch in den Genuss dieser himmlischen Beziehungen recht einführen.

„… und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit …“ (V. 16).

Wenn der Herr Jesus hier die Person des Heiligen Geistes ankündigt, nennt Er Ihn einen anderen Sachwalter. Das bedeutet, dass es noch einen weiteren Sachwalter geben muss. Der Herr Jesus selbst wird in 1. Joh 2,1 als unser Sachwalter bei dem Vater bezeichnet. Sachwalter bedeutet so viel wie Fürsprecher oder Tröster, und das war der Herr Jesus als Mensch auf der Erde für die Seinen immer gewesen. Aber jetzt würde Er weggehen und als Sachwalter bei dem Vater weiter für die Seinen tätig sein. Von dort würde Er den Heiligen Geist als den anderen Sachwalter auf die Erde senden. Das Weggehen des Herrn Jesus würde für die Jünger also die positive Auswirkung haben, dass sie nicht nur einen, sondern zwei Sachwalter haben. Der Herr Jesus blieb ihr Sachwalter bei dem Vater. Und zusätzlich bekamen sie einen anderen Sachwalter, nämlich den Heiligen Geist, der hier auf der Erde in ihnen wohnen würde. Der griechische Ausdruck für „anderer“ Helfer oder Sachwalter bedeutet, „ein anderer derselben Art“. Das bedeutet unter anderem, dass Er sein wird wie der Herr Jesus, in dem Sinn, dass Er dieselben Ziele verfolgt wie der Herr Jesus.

Von diesem anderen Sachwalter werden dann noch zwei Dinge genannt, die auf den Herrn Jesus, solange Er bei ihnen war, nicht zutrafen. Der Heilige Geist würde bei ihnen sein in Ewigkeit; das konnte von dem Herrn Jesus nicht gesagt werden, Er sagte ihnen ja gerade in diesem Kapitel, dass Er weggehen würde. Der Heilige Geist dagegen wird nicht weggehen und uns alleinlassen. Solange wir hier auf der Erde sind, wird Er derjenige sein, der bei uns ist, um uns auf das Vaterhaus vorzubereiten. In Vers 17 sagt Er von dem Heiligen Geist sogar, dass dieser in ihnen sein würde; auch das traf auf den Herrn Jesus nicht zu. Der Weggang des Herrn Jesus würde also keine Verschlechterung für die Jünger bedeuten, sondern eine Verbesserung.

Der Herr Jesus würde den Vater bitten, dass dieser den Heiligen Geist sendet. Hier wird im griechischen Text ein Ausdruck gebraucht, der nicht ein demütiges Bittgesuch meint, sondern ein vertrautes Bitten zwischen ebenbürtigen Personen, die auf gleicher Ebene stehen. Wenn wir dagegen den Herrn um etwas bitten, wird ein Ausdruck benutzt, der ein untergeordnetes Bitten gegenüber einer Person in einer höheren Position meint. Aber wenn es heißt, dass der Herr Jesus oder der Sohn den Vater um etwas bitten wird, dann wird eben dieser Ausdruck benutzt, der ein Bitten unter ebenbürtigen, gleichgestellten Parteien meint. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, damit wir sehen, wie genau die Heilige Schrift ist, wenn es darum geht, uns die Größe dessen zu zeigen, der sich so erniedrigt hat.

Hätte der Herr Jesus den Vater um etwas Größeres bitten können als um die Sendung des Heiligen Geistes? Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, wie gewaltig groß die Gabe des Heiligen Geistes ist! Das Weggehen des Herrn Jesus zu dem Vater war für die Glaubenden kein Verlust, sondern Gewinn, denn durch den Heiligen Geist mit einem verherrlichten Christus verbunden zu sein, ist weit mehr, als einen lebenden Christus in Niedrigkeit hier auf der Erde zu begleiten.

Bis Kapitel 16 spricht der Herr Jesus jetzt mehrfach von dem Heiligen Geist und führt dabei verschiedene Aspekte des Kommens dieser göttlichen Person an, die uns zeigen, wie eng der Vater, der Sohn und der Heilige Geist untereinander verbunden sind. Hier in Joh 14,16 wird betont, dass der Vater den Heiligen Geist senden würde; in Joh 15,26 sagt der Herr, dass Er den Geist der Wahrheit von dem Vater senden würde (auch in Joh 16,7); und in Joh 16,13 finden wir, dass der Heilige Geist gewissermaßen auch aus eigenem Antrieb kommen würde. Alles ist wahr. Der Vater sendet und gibt, der Sohn sendet Ihn und der Heilige Geist kommt in eigener Souveränität. Man könnte sagen, es kann ja nur eines davon zutreffen, aber es sind tatsächlich alle drei Aspekte dieser so bedeutenden Tatsache wahr.

Die Gegenwart des Heiligen Geistes auf der Erde ist also ein bedeutendes Kennzeichen des Christentums. Solange die Gläubigen auf der Erde sind, wird auch der Heilige Geist bei ihnen bleiben. Damit haben wir hier also einen ganz wichtigen Abschnitt in Bezug auf uns als Gläubige. Der Heilige Geist ist jetzt gegenwärtig auf der Erde als eine göttliche Person.

Wenn dann gesagt wird, dass Er bei uns sein wird in Ewigkeit, dürfen wir das nicht beschränken auf die Zeit, die wir hier auf der Erde leben werden, dass wir Ihn hier auf der Erde nie verlieren werden. Natürlich ist das auch wahr, aber „in Ewigkeit“ meint hier die Ewigkeit in ihrem absoluten Sinn. Der Heilige Geist bleibt bei uns, auch wenn wir durch den Tod zu gehen haben und über unsere Auferstehung hinaus. Wenn wir heimgehen, verlieren wir den Heiligen Geist nicht. Der Heilige Geist ist an die Person gebunden, denn wir werden auferweckt werden wegen des in uns wohnenden Geistes (Röm 8,11). Das heißt, dass der Heilige Geist, wenn wir sterben würden oder der Herr zur Entrückung wiederkommt, bei uns bleibt in absoluter Ewigkeit, auch selbst dann noch, wenn der Leib nicht mehr der Tempel ist. In der Person des Heiligen Geistes besitzen wir etwas Unverlierbares. Im Neuen Testament ist der Begriff Ewigkeit absolut zu verstehen, im Unterschied zu seiner Bedeutung im Alten Testament. Wenn es um Gott geht, meint er auch dort Ewigkeit im absoluten Sinn; aber wenn es um die Erde und um das Reich des Messias geht, dann ist dieser Begriff begrenzt und meint den Bereich der alten Schöpfung, in der wir uns jetzt noch bewegen. Aber hier ist gemeint, dass der Heilige Geist absolut und ohne Veränderung für immer bei uns sein wird.

Was geschieht mit den entschlafenen Heiligen nach ihrem Tod? Sie sind im Paradies. Ihr Körper ruht im Grab, aber Geist und Seele sind im Paradies. Das bedeutet, dass das Innewohnen des Heiligen Geistes in dem Gläubigen nicht davon abhängig ist, ob er einen Körper hat oder nicht. Unsere Entschlafenen haben im Paradies keinen Körper, aber trotzdem sind sie Personen. Eine Person muss nicht einen Körper haben. Die Entschlafenen, die im Paradies sind, sind Personen, in denen der Heilige Geist auch in dieser Zeitepoche wohnt, weil sie eben eine Person sind, die den Heiligen Geist besitzt. Und das ist nicht abhängig davon, ob jemand einen Leib hat oder nicht. Daher wohnt Gott, der Heilige Geist, durchgängig in jedem Gläubigen, auch nach dem Tod als Entschlafener im Paradies und später beim Kommen des Herrn zur Entrückung auch wieder in einem Körper.

2. Kor 1,22 sagt, dass das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben worden ist. Hier wird das Innewohnen des Heiligen Geistes nicht mit dem Körper, sondern mit dem Herzen verbunden. Dadurch kann man vielleicht leichter verstehen, dass das etwas ist, was in Ewigkeit so bleibt.

Frage: Brauchen wir den Heiligen Geist auch nach dieser Zeit auf der Erde noch in seiner Aufgabe als Sachwalter? Vielleicht fragen wir uns, ob der Heilige Geist, der in Ewigkeit bei uns sein wird, auch in der Ewigkeit in diesem Amt als Sachwalter für uns tätig sein wird. Brauchen wir Ihn denn in dieser Funktion in der Ewigkeit noch?
Antwort: Der Heilige Geist ist heute natürlich bei uns mit vielen Dingen beschäftigt, die aus dem Fleisch kommen, wo Er korrigieren muss, wo Er trösten muss. Hier auf der Erde können wir durch den Geist die Wirkungen des Fleisches besiegen (Röm 8,13; Gal 5,16.17). Aber im Himmel werden wir von der Gegenwart der Sünde befreit sein, die Sünde hat keinen Zutritt zum Himmel. Und das wiederum bedeutet, dass der Heilige Geist dann auch nicht mehr die Aufgabe wahrnehmen wird, uns vor den bösen Früchten oder vor dem Fleisch, vor den Wirkungen des Fleisches zu bewahren. Das wird Er in dieser Art und Weise in der Ewigkeit nicht tun. Aber der Heilige Geist wird in uns ewig derjenige sein, der im Hinblick auf die Erkenntnis des Vaters und des Sohnes in uns diese Wirkung hat, dass wir in dieser Atmosphäre auch das geistlich wahrnehmen können, was das Haus des Vaters ausmacht. Sein alleiniger Dienst wird dann sein, uns Christus vorzustellen in seiner Schönheit und Vollkommenheit, und das wird uns zum Lob und zur Anbetung führen.

„… den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (V. 17).

In den Versen 16 und 17 zeigt der Herr Jesus zuerst etwas über die Person des Heiligen Geistes – Er ist der Sachwalter und Er ist der Geist der Wahrheit – und dann sagt Er etwas über die Art und Weise seines Hierseins – Er wird bei euch sein in Ewigkeit und Er bleibt bei euch und wird in euch sein. Sachwalter beschreibt das Amt des Heiligen Geistes in der Beziehung zu erlösten Menschen. Geist der Wahrheit beschreibt den Inhalt und Maßstab seines Dienstes.

Damit sind wichtige Gedanken über die Hoheit und Würde des Heiligen Geistes verbunden. Der Heilige Geist ist eine hochwürdige Person der Gottheit, das wollen wir nie vergessen! Denn wir haben uns fast eine Ausdrucksweise angewöhnt, die den Heiligen Geist als die dritte Person der Gottheit bezeichnet, als würde Er gewissermaßen an letzter Stelle stehen. Er ist auch nicht nur eine Kraft oder ein vager Einfluss, sondern eine göttliche Person! Der Heilige Geist als Person der Gottheit hat in der heutigen Zeit auf dieser Erde in der Tat eine Funktion des Dienens eingenommen, aber das schmälert überhaupt nicht seine Hoheit als göttliche Person, seine Macht und seine Anbetungswürdigkeit! Wir beten den Heiligen Geist nicht an, aber als Person der Gottheit ist Er wie der Vater und der Sohn in sich anbetungswürdig. Wir beten Ihn nicht an, weil Er selbst in unseren Herzen die Anbetung des Vaters und des Sohnes bewirkt. Und das hat eine gewaltige praktische Auswirkung. Wenn wir in das Haus des Vaters kommen werden, dann haben wir dort den Vater als die Quelle der Liebe zum Sohn, und der Sohn als wahrer Mensch dort ist die Reflektion der Liebe des Vaters – das können wir nur wahrnehmen und genießen durch den Heiligen Geist, der auch dann noch in uns sein wird. Deswegen muss Er bei uns bleiben in Ewigkeit.

Der Herr Jesus nennt den Heiligen Geist hier und an mehreren anderen Stellen den „Geist der Wahrheit“. Der Herr Jesus selbst ist die Wahrheit im Blick auf alle Dinge (Joh 14,6); Er stellt die Dinge so dar, wie sie wirklich sind vor Gott. Das ist die Wahrheit im absoluten oder auch objektiven Sinn. So wird auch der Heilige Geist selbst bezeichnet: Der Geist ist die Wahrheit (1. Joh 5,6). Wo können wir diese Wahrheit sehen? Wir können den Herrn Jesus ja nicht sehen, aber wir können diese Wahrheit, seine Person, in dem Wort Gottes sehen. Deshalb sagt der Herr Jesus in Joh 17,17: „Dein Wort ist Wahrheit“. In dem Wort Gottes und nirgendwo anders finden wir den objektiven Maßstab für alles. Damals konnten die Jünger das bei dem Herrn Jesus sehen, wir können es heute in dem Wort Gottes finden.

Im Neuen Testament lesen wir nie, dass Gott die Wahrheit ist, weil es bei Wahrheit immer um Offenbarung, um Sichtbarmachung von etwas geht. Zwar sagt Jer 10,10: „Aber der HERR ist Gott in Wahrheit“; aber dort müssen wir es so lesen, dass Gott wahrhaftig ist, dass nichts in seinem Handeln ist, was nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit wäre.

Was für ein Geschenk, dass dieser Heilige Geist, dieser Sachwalter, der bei uns ist, ein Geist der Wahrheit ist, der uns in die Lage versetzt, diese Wahrheit gewissermaßen subjektiv aufzunehmen. Durch Ihn können wir die Wahrheit wirklich erfassen; die Dinge auch wirklich so erkennen, wie sie objektiv von Christus dargestellt worden sind. Durch den Geist der Wahrheit wird Wahrheit sozusagen in unseren Herzen lebendig und erfassbar gemacht. Er bringt uns dazu, uns an der Wahrheit zu erfreuen, die Wahrheit zu erleben – und das in einer beständigen Weise. Denn Johannes schreibt in seinem zweiten Brief, dass die Wahrheit in uns bleibt und mit uns sein wird in Ewigkeit (2. Joh 2).

Ohne den Heiligen Geist würden wir von der offenbarten Wahrheit überhaupt nichts erfassen können. Durch eigenes Studium kann der Mensch das nicht erkennen. Deshalb ist der Segen, der mit der Sendung des Heiligen Geistes verbunden ist, in seiner Tiefe gar nicht recht auszuloten. Er ist es, durch den die Wahrheit lebendig vor uns kommt, durch den wir diese Wahrheit erfassen, sehen und genießen können, durch den sie uns wertvoll wird und unser Leben bestimmt.

Der Heilige Geist als der Geist der Wahrheit wird auch immer in Übereinstimmung mit der offenbarten Wahrheit handeln und führen. Wir können und dürfen die Wirksamkeit des Heiligen Geistes nie lösen von der offenbarten Wahrheit des Wortes Gottes. Das ist ein wichtiger Punkt für unsere Praxis. Wenn jemand vielleicht meint, losgelöst von dem Wort Gottes oder sogar im Widerspruch zum Wort Gottes einen Auftrag zu haben, eine Aufgabe erfüllen zu sollen, weil ihm das der Heilige Geist gezeigt hätte, dann haben wir mit dem Wort Gottes einen untrüglichen Prüfstein oder ein Korrektiv dazu.

Die Welt kann den Heiligen Geist nicht empfangen, weil diese Segnung mit dem Herrn Jesus in Verbindung steht. Die Welt glaubt nicht an Ihn, den ewigen Sohn des ewigen Vaters (Joh 14,12); sie hasst sowohl Ihn als auch seinen Vater (Joh 15,24). Deswegen kann die Welt den Heiligen Geist nicht empfangen; Er wird „die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht“ (Joh 16,8). Diese Welt steht unter dem Gerichtsurteil Gottes, da ist nichts mehr zu verbessern. Sie hat zuletzt durch die Kreuzigung des Herrn Jesus bewiesen, dass sie hoffnungslos verdorben ist. Sie steht im Widerspruch zu dem Vater (1. Joh 2,16.17) und kann deshalb auch nichts von den Segnungen empfangen, die mit dem Kommen des Heiligen Geistes verbunden sind. Für diese Welt ist alles, was mit dem Geist verbunden ist, Torheit. „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm Torheit“ (1. Kor 2,14). Das heißt, alles das, was mit dem Geist Gottes verbunden ist, ist für diese Welt und für die, die dazugehören, Torheit, es ist etwas, was sie ablehnen, womit sie nichts zu tun haben.

Die Welt hat noch nicht einmal die Fähigkeit, den Heiligen Geist zu empfangen, weil sie als System in einem völligen Gegensatz zu dem Vater und dem Sohn steht. Deshalb ist sie auch nicht in der Lage, Ihn zu sehen. Dabei geht es um geistliches Sehen, Sehen mit den Augen des Glaubens. Und sie kennt Ihn auch nicht, sie hat keinerlei Beziehung zu dem Heiligen Geist; sie hat nichts mit Ihm zu tun, und der Heilige Geist ist auch nicht mit ihr. Er ist der Geist der Wahrheit, und Wahrheit ist der Welt völlig fremd, sie liegt in dem Bösen (1. Joh 5,19) und wird gesteuert von dem Vater der Lüge (Joh 8,44) – deswegen kann sie den Heiligen Geist schon ihres Charakters wegen gar nicht annehmen.

Aber von uns, den Glaubenden, sagt der Herr Jesus, dass wir Ihn kennen; und wir kennen Ihn, weil wir nicht von der Welt sind (Joh 17,16). Wir kennen Ihn durch Erfahrung, durch seine Wirkungen. Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes ist durchaus etwas, was man erleben kann und wovon wir auch einmal sprechen können. Durch Ihn erkennen wir auch den Vater (Joh 14,7). Der Heilige Geist bleibt kollektiv bei uns, und Er wird auch in jedem Einzelnen ganz persönlich sein. Was für ein segensreicher Gegensatz zu der Welt!

Welche Bedeutung hat der Heilige Geist in der Praxis meines Lebens? Ist mir bewusst und lebe ich auch so, dass mein Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist und dass der Heilige Geist mich leiten kann als einen der Söhne Gottes? Das ist eine wichtige Verantwortung und wird vom Apostel Paulus in Röm 8,14 angesprochen.

Was unsere Zusammenkünfte und die Leitung des Heiligen Geistes dabei angeht, müssen wir unseren jüngeren Brüdern vielleicht ein wenig die Scheu oder Zurückhaltung nehmen, damit sie diese Wirklichkeit nicht als eine übertrieben hohe Hürde empfinden. Wir können ihnen vielleicht im persönlichen Gespräch aufzeigen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem einfachen täglichen Leben mit dem Herrn Jesus und den Stunden des Zusammenkommens gibt. Wenn ich im Alltag mit dem Herrn Jesus leben und mich vom Geist führen lassen möchte, wird Er mir auch in den Zusammenkünften etwas Passendes aufs Herz legen können, das ich dann mit Freimütigkeit vorbringen darf. Manche denken, dass die Leitung des Geistes kommt, wenn die Stunde anfängt. Nein, sie kommt überhaupt nicht, wenn wir sie nicht im Alltag kennen, beim Einkaufen, bei jeder unserer alltäglichen Entscheidungen. Unser Zustand in den Zusammenkünften ist nur das Produkt von dem, was wir alle einzeln unter der Woche mit dem Herrn und der Leitung des Geistes erlebt haben.