Zu wem sollen wir gehen?

Online seit dem 22.06.2020, Bibelstellen: Johannes 6,68-69

In Johannes 5 sehen wir, dass Jesus Sünder aus der Welt hinausführt. Wie Mose Israel aus Ägypten hinausführte. In Kapitel 6 sehen wir das Volk Gottes in der Wüste, das sich von Brot ernährt, das wertvoller ist als das Manna, das vom Himmel fiel; und in Kapitel 7 bietet Jesus dem Volk die Genüsse des verheißenen Landes an, beim Laubhüttenfest.

Das sechste Kapitel handelt von Gottes freigebiger Versorgung für Seine Heiligen auf ihrer Reise durch die Wüste dieser Welt. Wie Er damals Sein Volk mit dem Brot ernährte, das jeden Tag vom Himmel regnete, sättigt Er sie auch heute mit Christus, dem lebendigen Brot.

Als das Brot des Lebens wird Christus in diesem Kapitel in dreifacher Hinsicht vorgestellt:

1. als der, der vom Himmel kommt, um der Welt das Leben zu geben (Vers 33),

2. als der, der Sein Leben am Kreuz gibt, zu unserem Heil und Segen (Vers 51),

3. als der, der wieder zum Himmel auffahren wird, von wo Er kam (Vers 62).

Es ist bemerkenswert, dass jede dieser Wahrheiten die Kritik und den Widerspruch Seiner Zuhörer hervorrief. Wir lesen, dass die Juden murrten, weil Er sagte, dass Er vom Himmel herniederkam (Vers 47). Sie waren erneut aufgebracht, als Er von Seinem Opfertod sprach (Vers 53). Und in Vers 66 sehen wir, dass sich sogar Seine Jünger an der Wahrheit Seiner Himmelfahrt stießen. So brachten die drei Grundlagen des christlichen Glaubens – die Wahrheit Seiner Menschwerdung, Seiner Kreuzigung und Seiner Himmelfahrt – die Sünde und den Unglauben des menschlichen Herzens ans Licht, wie sie es auch heute noch tun.

In krassem Unglauben forderten die Juden Ihn heraus: „Was tust du nun für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste“ (Kap. 6,30–31). Diese Kinder waren genauso ungläubig wie ihre Väter es in der Wüste gewesen waren. Sie nennen die himmlische Speise „Manna“ (Was ist das?), genau wie ihre Väter das Brot, das Gott ihnen gesandt hatte, „Manna“ nannten. Gott nannte es immer „Brot.“ Nur als sie es verschmähten, nannten sie es Brot: „Unsere Seele ekelt vor dieser elenden Speise (o. Brot)“ (4. Mo 21,5).Gott nennt diese Speise im Alten Testament immer „Brot“, außer wenn Er über die bösen Wege Israels spricht wie in Psalm 78,24 oder wenn sie nach den Fleischtöpfen Ägyptens gierten wie in 4. Mose 11,7. Die Nation hat sich nicht verändert, denn noch immer verwirft sie den, der als das Brot Gottes vom Himmel kam. „Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben“, sagt der Herr (Vers 49), doch dann hören wir die erstaunliche Aussage: „Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brote isst, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“ (Vers 51). Kein Wunder, dass jene Menschen, durch ihren Unglauben und ihre Vorurteile geblendet, murrten: „Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ Jesus erklärt ihnen Seine Worte nicht, sondern wiederholt und betont sie lediglich: „Es sei denn, dass ihr das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst“ (Vers 53).

„Ich bin das lebendige Brot”, sagt Er. Das ist ein noch stärkerer Ausdruck als „das Brot des Lebens“ in Vers 35. Lebendiges Brot hat nicht nur Leben, sondern ist auch fähig, anderen Leben mitzuteilen. Es hat dieselbe herrliche Bedeutung wie der Ausdruck „lebendiges Wasser“ in Johannes 4. Es meint Brot, das getränkt ist mit dem Heiligen Geist, so wie das lebendige Wasser ein Wasser ist, dass durch den Geist belebt wird. Jesus ist das lebendige Brot. Er gibt Leben und erhält Leben in der Seele des Gläubigen. Diese doppelte Bedeutung wird in den Versen 54 und 56 festgestellt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben.“ Das ist das Mitteilen des ewigen Lebens, wenn die Seele Christus im Glauben annimmt. Dann haben wir in Vers 56 die Erhaltung dieses göttlichen Lebens, wenn der Gläubige sich von Christus als dem lebendigen Brot ernährt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm.“ Hier geht es nicht um sichtbares Leben, sondern um Gemeinschaft. Die gleiche Wahrheit ist auch in Vers 35 dieses Kapitels zu finden, wo der Herr sagt, dass der, der zu Ihm kommt, nicht hungern wird. Die Form des Verbs „kommt“ in diesem Vers deutet ein tägliches, beständiges Kommen an. Genauso wie wir unseren körperlichen Hunger stillen, indem wir regelmäßig zu unseren Mahlzeiten kommen, so werden wir auch niemals hungern, wenn wir täglich zu Christus kommen und uns von dem lebendigen Brot nähren. In Vers 63 dieses Kapitels sagt der Herr uns, dass die kostbaren Dinge, über die Er gesprochen hat, Geist und Leben sind.

Bis zu diesem Punkt hatten lediglich die Feinde des Herrn etwas an Seinen Offenbarungen über diese herrlichen Wahrheiten auszusetzen, doch jetzt beschweren sich auch noch Seine Jünger. Zumindest gingen viele von ihnen zurück und wandelten nicht mehr mit Ihm. Wenn sie sich schon an der Bemerkung über Sein Kommen vom Himmel auf die Erde zur Errettung von Menschen und an der Wahrheit Seines Sterbens für schuldige Sünder stießen, was ist dann, so fragt der Herr sie, „wenn ihr nun den Sohn des Menschen dahin auffahren seht, wo er zuvor war?“ Dass Er vom Sterben und Blutvergießen sprach und davon, dass Menschen Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken, war ihnen ein Rätsel, aber dass Er zum Himmel auffahren würde, von wo Er gekommen war, war zu viel für sie. Die Juden erwarteten, dass der Messias auf die Erde kommen würde, um sie zu befreien und um eine herrliche Regierung in Zion anzutreten. Die Jünger hatten geglaubt, dass Er wirklich der Messias war, und konnten daher diesen neuen Gedanken Seiner Himmelfahrt nicht verstehen. Diese Wahrheit der Himmelfahrt unseres Herrn war für die Versammlung bestimmt, und der Herr entfaltete sie später, als Er in der Nacht Seiner Überlieferung im Obersaal mit Seinen Jüngern allein war. Doch für den Moment war genug gesagt, um viele Seiner ehemaligen Jünger zu vergrämen und die, die blieben, völlig zu verwirren. Das gleiche gilt für heute. Für die Christenheit ist Christus nicht mehr als jemand, der kam, um aus dieser Welt einen angenehmeren Ort zu machen. Religion rechnet mit der Bekehrung dieser Welt durch die Verkündigung des Evangeliums. Der natürliche Mensch erkennt nicht die offensichtliche Wahrheit des Wortes, dass Christus nicht nur aus den Toten auferstanden ist, sondern auch aufgefahren ist zur Rechten des Thrones Gottes. Und Er ist dort, um die Herzen der Seinen dahin zu ziehen, wo Er ist (vgl. Kol 3,1), um ein Volk für Seinen Namen aus dieser Welt herauszurufen. Die Wahrheit von der Versammlung als einem himmlischen Leib, mit Christus als ihrem Haupt in der Herrlichkeit, ist in der „religiösen Welt“ praktisch unbekannt und auch nicht gewollt. So gingen sie zurück und wandelten nicht mehr mit Ihm.

Dann wendet sich Jesus an die Zwölf und sagt: „Wollt ihr etwa auch weggehen?“ Hört die inspirierte Antwort des Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist“ (Vers 68–69). Die Frage des Petrus: „Zu wem sollen wir gehen?“, bringt ein Prinzip von weitereichender Bedeutung zum Ausdruck. Damit sagt Petrus, dass der Mensch so beschaffen ist, dass er jemanden als Anziehungspunkt benötigt. Petrus sagt gleichsam: „Wenn Du nicht der bist, der unsere Herzen anzieht, dann müssen wir uns einen anderen suchen.“ Der Mensch huldigt entweder sich selbst als Mittelpunkt, um den sich alles dreht, oder einer anderen Person, oder er huldigt Gott – aber huldigen muss er. Später erinnert sich Petrus an diese Gelegenheit und schreibt im zweiten Kapitel seines ersten Briefes über die Sammlung der Gläubigen: „Zu ihm kommend, als zu einem lebendigen Stein … werdet auch ihr selbst, als lebendige Steine, aufgebaut … ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesus Christus“ (Vers 4–5). Der Herr ist unser Anziehungspunkt, wie Petrus es sowohl hier in Johannes 6 als auch in seinem Brief klarmacht. Auch wenn wir nicht alles verstehen, was Er sagt und tut, lieben wir Ihn dennoch; Er hat unsere Herzen gesättigt und wir möchten nahe bei Ihm sein. Petrus macht zwei herrliche Beteuerungen: „Du hast“ (Vers 68) und „Du bist“ (Vers 69). Kein Bedürfnis des Herzens bleibt unbefriedigt.

[Übersetzt aus „Meditations in John“]

August van Ryn