Judas zeichnet ein ausgesprochen düsteres Bild der letzten Tage der Christenheit vor dem Kommen des Herrn zur Entrückung. Diese Tage sind dadurch gekennzeichnet, dass sich die Masse der Christen von Christus abwendet, die Gnade Gottes in Ausschweifung verkehrt und den alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus verleugnet (Jud 4). In diesen Tagen kommt es daher mehr und mehr auf das Zeugnis des Einzelnen an, das vor dem dunklen Hintergrund des allgemeinen Niedergangs umso heller erstrahlt. Viermal spricht Judas die Gläubigen in seinem Brief als Geliebte an und verbindet damit einige zu Herzen gehende Ermahnungen.

Geliebte werden bewahrt

„Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus, den in Gott, dem Vater, geliebten und in Jesus Christus bewahrten Berufenen: Barmherzigkeit und Friede und Liebe sei euch vermehrt!“ (Jud 1.2). 

Zunächst erinnert Judas seine gläubigen Briefempfänger daran, dass sie in Gott, dem Vater, geliebte und in Jesus Christus bewahrte Berufene waren. Der große Gott im Himmel war ihr Vater geworden und liebte sie. Überdies waren sie nach seinem ewigen Ratschluss in die Nachfolge seines Sohnes Jesus Christus berufen worden, der sie in seiner liebenden Fürsorge vor jeder Gefahr bewahren würde. Das, was Judas seinen Briefempfängern schrieb, gilt auch uns:

  • Wir sind Geliebte. Wie großartig ist es, dass der große Gott unser Vater ist, der uns liebt! Wir sind in eine Familienbeziehung zu Ihm gebracht worden und sind seine Kinder und Söhne.
  • Wir sind auch Berufene, die von dem Herrn Jesus in seine Nachfolge berufen worden sind. Wir gehören Ihm und sollen in unserem Leben etwas von Ihm zum Ausdruck bringen.
  • Nicht zuletzt sind wir auch Bewahrte. Wer könnte uns auf unserem Weg über diese Erde etwas zuleide tun, wenn Jesus Christus selbst es übernommen hat, uns zu bewahren?

Geliebte kämpfen für den Glauben

Geliebte, während ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen“ (Jud 3). 

Judas hatte „allen Fleiß angewandt“, über das gemeinsame Heil der Gläubigen zu schreiben. Es war gewiss seine Liebe zu den Heiligen, die ihn dazu bewogen hatte, dieses wichtige, aber auch erbauliche Thema zu wählen. Doch der Herr hatte andere Absichten: Judas sollte seine Briefempfänger vielmehr ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen. Gerade in den letzten Tagen der Christenheit würde es wichtiger denn je sein, mutig für die im Wort Gottes enthaltenen Glaubenswahrheiten einzutreten. Für Judas war dieser erzwungene Themenwechsel sicherlich kein Problem: Seine Liebe zu den Gläubigen machte ihn zu einem willigen Instrument in der Hand seines Meisters, der ihn benutzen konnte, wie Er wollte. Sind wir das auch?

Geliebte hören auf die Worte der Apostel

„Ihr aber, Geliebte, erinnert euch an die von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus zuvor gesprochenen Worte, dass sie euch sagten: Am Ende der Zeit werden Spötter sein, die nach ihren eigenen Begierden der Gottlosigkeit wandeln“ (Jud 17.18). 

Ferner fordert Judas seine geliebten Briefempfänger – und damit auch uns – auf, sich an die Worte der Apostel zu erinnern. Sie haben vor Spöttern am Ende der Zeit gewarnt. Petrus tut dies in seinem zweiten Brief (2. Pet 3,3). Offensichtlich haben auch die anderen Apostel vor solchen bösen Menschen gewarnt. Diese Spötter sind natürliche Menschen, die ihren Lebensplan ohne Gott machen und nach ihren eigenen Begierden der Gottlosigkeit wandeln. Da ihnen nichts an der Einheit der Gläubigen liegt, stiften sie zu Trennungen unter ihnen an (Jud 19). Solchen Bibelkritikern dürfen wir kein Gehör schenken. Wenn wir anfangen, die göttliche Inspiration der Schrift infrage zu stellen, bleibt letztlich nichts mehr vom Wort Gottes übrig. Wir müssen das Wort als Ganzes festhalten. Dabei gilt: Nicht wir beurteilen Gottes Wort, sondern Gottes Wort beurteilt uns.

Geliebte erhalten sich selbst in der Liebe Gottes

„Ihr aber, Geliebte, euch selbst erbauend auf euren allerheiligsten Glauben, betend im Heiligen Geist, erhaltet euch selbst in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben“ (Jud 20.21). 

Schließlich fordert Judas uns zu vier wichtigen Tätigkeiten auf:

  • „Euch selbst erbauend auf euren allerheiligsten Glauben“: In dieser Welt gibt es nichts, was den neuen Menschen erbauen könnte. Alles in dieser Welt birgt die Gefahr in sich, uns nach unten zu ziehen und zu verunreinigen. Aber wenn wir uns mit den „allerheiligsten“ Glaubenswahrheiten der Schrift beschäftigen, wird das unweigerlich dazu führen, dass wir erbaut und gestärkt werden. Sind wir in der Lage, uns selbst zu erbauen?
  • „Betend im Heiligen Geist“: Um in den letzten Tagen der Christenheit nach Gottes Gedanken leben zu können, brauchen wir das Gebet, und zwar das Gebet im Heiligen Geist. Was ist ein Gebet im Heiligen Geist? Es ist ein Gebet, das in Übereinstimmung mit der biblischen Wahrheit ist und in der Kraft und unter der Leitung des Geistes geschieht. Kennen wir solche Gebete?
  • „Erhaltet euch selbst in der Liebe Gottes“: Die Liebe Gottes wird manchmal mit der Sonne verglichen. So wie die Sonne immer scheint, so ist auch die Liebe Gottes immer für uns da. Aber um die Sonnenstrahlen auch genießen zu können, müssen wir uns im Licht der Sonne aufhalten. Genauso ist es mit der Liebe Gottes. Um sie bewusst genießen zu können, müssen wir uns den Sonnenstrahlen der Liebe Gottes aussetzen. Erhalten wir uns täglich in der Liebe Gottes?
  • „Indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben“: Wenn der Herr Jesus wiederkommt, um uns aus den schwierigen Umständen des Lebens zu sich in die Herrlichkeit zu holen, dann wird dies ein Akt der Barmherzigkeit sein. Er wird uns dahin bringen, wo das ewige Leben schon immer zu Hause war und wo wir dieses Leben dann in vollen Zügen genießen werden. Erwarten wir täglich das Kommen des Herrn?

(Aus der Monatszeitschrift Halte fest)