Achilles ist ein Held aus der griechischen Mythologie, der unbesiegbar zu sein scheint. Seine Mutter soll ihn als Baby in den Unterweltfluss Styx getaucht haben, um ihn auf diese Weise unverwundbar zu machen. Doch es gab eine kleine Problemzone, die am Ende alles zerstörte: Die Ferse, an der ihn seine Mutter festhielt, wurde vom Wasser nicht berührt. Sie blieb trocken – und deshalb verwundbar. Später traf ihn genau dort ein tödlicher Pfeil. Der große Held fiel wegen einer einzigen Schwachstelle, einer kleinen Problemzone. So weit die Mythologie.

Anatomisch ist die Achillesferse sogar die stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Im übertragenden Sinn bezeichnet die Achillesferse die größte Schwachstelle eines Menschen, also genau den Punkt, an dem wir besonders verletzlich sind. Deshalb sagen wir heute noch „Achillesferse“, wenn wir eine bestimmte Schwachstelle meinen – etwas, was für uns gefährlich ist, wenn wir nicht aufpassen und die Problemzone ignorieren. Manchmal sind es die großen und offensichtlichen Dinge, die uns aus der Bahn werfen. Manchmal sind es auch scheinbar kleine Dinge, die zu einem großen Problem werden können: ein Punkt vielleicht, den wir verdrängen; eine Haltung, mit der wir uns selbst belügen; eine Sünde, die wir nicht in Gottes Licht bringen wollen.

Das ist keine bloße Theorie – wir finden solche Beispiele auch in der Bibel. Und die sind erschreckend aktuell.

  • Herodes Antipas war ein einflussreicher Mann. Er wusste, dass Johannes der Täufer ein gerechter Mann war, den Gott gesandt hatte. Er hörte ihm sogar gern zu! Aber Herodes lebte in einer unmoralischen Beziehung. Und genau diese Frau forderte schließlich den Tod von Johannes. Herodes gab nach. Warum? Weil er seine dunkle Seite nicht aufgeben wollte. Seine Achillesferse: Lust und Menschenfurcht.

  • Pilatus war der römische Statthalter, der unseren Herrn zum Tod verurteilte. Er stand vor der vielleicht wichtigsten Entscheidung seines Lebens. Sollte er den Angeklagten freisprechen oder nicht? Er wusste, dass Jesus von Nazareth nichts Böses getan hatte. Dreimal bezeugte er öffentlich, dass Er unschuldig sei. Und doch übergibt er Ihn, um gekreuzigt zu werden. Warum? Weil er Angst hatte, seinen Posten zu verlieren. Die religiösen Führer drohten, ihn beim Kaiser zu melden. Pilatus’ Achillesferse war Karriereangst. Und dafür lieferte er den Sohn Gottes aus.

  • Simson war von Gott mit unglaublicher Körperkraft ausgestattet worden. Seine Berufung war klar: Er sollte Israel gegen die Philister helfen. Aber seine Schwäche für schöne Frauen brachte ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Besonders seine Beziehung zu Delila wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Sie nutzte sein sexuelles Verlangen aus, ihm das Geheimnis seiner Kraft zu entlocken. Simsons Achillesferse: sexuelle Lust und Leidenschaft ohne geistliche Reife. Dafür verlor er alles, was er hatte: seine Kraft, sein Augenlicht und seine Weihe.

  • Mose war ein großer Führer. Er war treu und mutig, ein echter Glaubensheld und Überwinder. Aber sogar er hatte seine Achillesferse. Er wurde im Stress manchmal ungeduldig und konnte in seltenen Fällen sogar in Zorn geraten. Das war so in relativ jungen Jahren, als er einen Ägypter erschlug. Und es passierte noch einmal, als das Volk Israel wieder einmal murrte. Wütend schlug er auf einen Felsen, obwohl Gott klar gesagt hatte, er sollte zu dem Felsen reden. Dieser – auf den ersten Blick – kleine, aber doch bedeutende Ungehorsam hatte gravierende Folgen: Mose durfte das von Gott verheißene Land nicht betreten.

  • Petrus war ein begeisterter Jünger Jesu, der seinen Herrn sehr liebte. Doch manchmal überschätzte er sich selbst. Als der Herr von seinem Tod sprach, kündigte Petrus an, dass er sein Leben für Ihn geben würde. Doch als es ernst wurde, verleugnete er seinen Meister gleich dreimal. Die Angst, selbst verhaftet oder verspottet zu werden, war größer als sein Glaube. Petrus’ Achillesferse war Selbstüberschätzung und Menschenfurcht. Das führte ihn in eine äußerst missliche Lage. Doch seine Geschichte zeigt, dass der Herr unsere Fehler nicht nur vergibt, sondern sie in Stärke verwandeln kann. In der Apostelgeschichte sehen wir gerade Petrus als einen mutigen Zeugen seines Herrn.

Diese Männer wussten alle, was richtig gewesen wäre. Und doch scheiterten sie – nicht an einem Mangel an Wissen oder Informationen, sondern an einer Schwachstelle: an einem unbereinigten Punkt in ihrem Herzen.

Ich weiß nicht, was deine Achillesferse ist. Vielleicht ist es bei dir etwas ganz anderes.

  • Vielleicht Stolz und Selbstbewusstsein.
  • Vielleicht willst du nicht eingestehen, dass du Hilfe brauchst.
  • Viellicht fällt es dir schwer, eine Sünde zu bekennen oder sie zu vergeben.
  • Vielleicht hörst du gerne Musik, von der du weiß, dass sie dir schadet.
  • Vielleicht bewegst du dich im Internet auf Seiten, die nicht in Ordnung sind.
  • Vielleicht ist es auch „nur“ Bequemlichkeit – du weißt, du solltest Bibel lesen und beten und dich für den Herrn engagieren, aber Netflix ist dir meistens näher als der Himmel.
  • Oder du trägst eine geheime Sünde mit dir herum, von der niemand weiß und über die du auch nicht sprichst. Du versuchst, sie zu kontrollieren, aber es gelingt dir nicht. Sie frisst dein geistliches Leben Stück für Stück auf.

Was auch immer es ist – deine Achillesferse muss nicht dein Ende sein. Für Herodes und Pilatus gab es ein tragisches Ende. Für Simson eigentlich auch – obwohl er in seinem Tod den größten Sieg überhaupt errang. Mose durfte nicht in das Land, aber Gott zeigte es ihm von einem Berg aus so, wie es nie ein anderer gesehen hat. Petrus wurde wiederhergestellt. Das macht uns Mut.

Der Herr Jesus kennt deine (und meine) Achillesferse. Sprich mit Ihm darüber. Er hilft dir, damit umzugehen.

In 2. Korinther 12,9 sagt der Herr zu Paulus: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.“

Das ist das Geheimnis eines echten Christenlebens: Wir müssen nicht stark tun – wir dürfen ruhig zugeben, eine Achillesferse zu haben. Unser Herr bewahrt uns davor, daran zu zerbrechen.

Mach heute einen wichtigen Schritt: Frag dich ehrlich vor dem Herrn: Was ist meine Achillesferse? Und dann spricht mit Ihm darüber.

Jemand hat einmal gesagt: „Der Herr Jesus ist nicht gekommen, um Helden zu feiern. Sondern um Menschen zu helfen, die ihre eigenen Schwachpunkte kennen und zugeben.“