Frage: Ich bitte um eine einfache Erklärung, was der Ausdruck in 1. Korinther 11,14 bedeutet, dass die „Natur“ etwas über die Haarlänge von Männern und Frauen lehrt. Was ist mit „Natur“ gemeint? In der Tierwelt finde ich jedenfalls nicht, dass männliche Tiere kürzere Haare hätten als die Weiblichen. Bitte auch erklären, was „Ehre“ und „Unehre“ bedeutet.

Vielen Dank für diese Frage. Sie wird immer mal wieder gestellt. Ich versuche, sie auf der Basis des Wortes Gottes zu beantworten:

Zunächst der Wortlaut von 1. Korinther 11,14.15: „Lehrt euch nicht auch die Natur selbst, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Unehre für ihn ist? Wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist, weil das Haar ihr anstatt eines Schleiers gegeben ist.“

Die Natur

Das Wort „Natur“ bedeutet im Grundtext so viel wie „die natürliche Beschaffenheit“, „die Wesensart“ oder „die Ordnung der Dinge“. Es geht um etwas, was von Natur aus, also ohne menschliche „Vereinbarungen“, so gegeben ist. „Natur“ meint hier nicht die Tier- oder Pflanzenwelt. Der Vergleich mit der Tierwelt hilft nicht weiter. Das ist nicht der Gedanke.

Im Neuen Testament kann „Natur“ die „Schöpfungsordnung“ Gottes meinen (z.B. Röm 1,26.27) oder auch die „natürliche Veranlagung“ bzw. das „natürliche Empfinden“. Der Bibellehrer und Kenner der Originalsprache W. Kelly spricht hier von einem „eingepflanzten Bewusstsein“. Das „Lehren der Natur“ ist keine intellektuelle Belehrung. Es geht vielmehr um ein allgemein empfundenes, natürliches (naturgegebenes) Wissen. Man könnte es auch ein „instinktives Wissen“ nennen, also etwas, was wir Menschen auch ohne besondere göttliche Offenbarung (z.B. im Gesetz oder in seinem Wort) wissen.

Wenn ein Mann langes Haar trägt, wirkt das „unpassend“ – und entspricht nicht dem Wesen des Mannes. Bei einer Frau ist es umgekehrt. Ihr langes Haar ist „passend“ und entspricht ihrem Wesen. So wird es jedenfalls im Allgemeinen von den Menschen wahrgenommen. Das momentane kulturelle Modeempfinden in einem Land oder einer Region mag anders sein. Das liegt aber vor allem daran, dass Menschen, die sich zunehmend von Gott entfernen, das natürliche Empfinden mehr und mehr verlieren.[1]

Gott hat Männer und Frauen unterschiedlich geschaffen, und Er möchte, dass das sichtbar wird. Ein Faktor dabei ist die Haarlänge. In der Tat erkennen Menschen in fast allen Kulturen traditionell an, dass lange Haare eher zu einer Frau passen und ihr zur Ehre gereichen.

Wir gehen wohl nicht zu weit, wenn wir sagen, dass Paulus in diesem Vers an den gesunden Menschenverstand appelliert, um deutlich zu machen, dass es für einen Mann eine Schande ist, die Haare wie eine Frau zu tragen, und dass es eine Frau ehrt, wenn sie lange Haare hat.

Die Begriffe „Unehre“ und „Ehre“

Noch kurz zu den Begriffen „Unehre“ und „Ehre“.

  • „Unehre“ setzt sich aus einem verneinenden Wort und dem Wort „Ehre, Würde“ zusammen. Gemeint ist Ehrlosigkeit oder Schande. Es wäre zu wenig, das Wort nur mit „nicht so angesehen“ zu übersetzen. Es meint wirklich schändlich oder erniedrigend.
  • „Ehre“ wird an vielen Stellen mit „Herrlichkeit“ übersetzt (der Glanz), besonders – aber nicht nur – wenn es um Gott und den Herrn Jesus geht (z.B. Joh 1,14). Gemeint ist eine Würde oder Auszeichnung. Ehre unterstreicht und betont das Schöne am Wesen einer Person.

Ein Mann, der langes Haar trägt, entehrt sich selbst. Es macht ihn unwürdig, weil er das äußere Kennzeichen der Ehre einer Frau übernimmt. Das möchte Gott nicht. Das lange Haar der Frau hingegen ist ihr Schmuck und ihre Herrlichkeit. Es unterstreicht die Weiblichkeit, die Schönheit und die der Frau von Gott gegebene Rolle. Es ist ein sichtbares Zeichen ihrer Würde als Frau.

Fazit

Die Frage der Haarlänge von Männern und Frauen ist für Menschen, die Gottes Wort ernst nehmen, keine Frage von „Geschmack“, „Mode“ oder „Kultur“. Es geht um den Wert und die Würde, die Gott Mann und Frau natürlicherweise gibt – und auch um ihre Stellung.


Fußnoten:

  1. Es ist klar, dass wir hier von normalen Verhältnissen sprechen und nicht etwa von krankheits- oder therapiebedingtem Haarausfall. Dennoch fällt es auf, dass fast alle Frauen, deren Haare durch eine Krankheit oder Behandlung ausgefallen sind, sich ohne Haare oder mit extrem kurzen Haaren deutlich unwohler fühlen als ein Mann. Das zeigt, das Gott etwas davon „in die Natur“ (die Schöpfung) gelegt hat.