„Denn nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt“ (2. Kor 10,18).

Ein weitverbreiteter Missstand – leider auch unter Christen

In der Welt ist es selbstverständlich: Wer Erfolg sucht und weiterkommen will, muss sich selbst verkaufen. Man zeigt, wer man ist und was man kann. Man macht Werbung für sich, sorgt für Präsenz, Reichweite und Wirkung. Ohne eigene Publicity scheint man keinen Erfolg zu haben.

Es stimmt nachdenklich, dass dieses weltlich geprägte Denken häufig nicht ohne Einfluss auf solche bleibt, die für den Herrn arbeiten. Auch in der „christlichen Welt“ ist es üblich geworden, dass man sich selbst verkauft: mit Lebenslauf, Begabungsprofil, professionellen Bildern, gut durchdachten Präsentationen und einem eigenen Auftritt im Netz. Man preist sich selbst an. Prediger, Buchautoren, Seelsorger, Evangelisten und Missionare sind in sozialen Medien unterwegs, haben ihren eigenen Internetauftritt oder zeigen zumindest in ihrem WhatsApp-Status, was gerade angesagt ist. Wenn eine Veranstaltung ansteht, muss man sich selbst „bewerben“, damit man bekannt wird und möglichst viele kommen.

Nun muss das nicht alles grundverkehrt sein. Es spricht zum Beispiel nichts gegen einen eigenen Internetauftritt, solange damit nicht die eigene Person in den Vordergrund rückt. Das Problem beginnt aber spätestens da, wo man seine eigene Sache selbst in die Hand nimmt, sich selbst vermarktet und empfiehlt. Die Gesinnung Jesu Christi, die uns prägen soll, sieht jedenfalls anders aus. Schon Salomo wusste:

„Es rühme dich ein anderer und nicht dein Mund, ein Fremder und nicht deine Lippen“ (Spr 27,2). 

Die Warnung des Paulus – Gott prüft anders als Menschen

Paulus ringt im zweiten Korintherbrief mit Leuten, die sich selbst lobten, ihre Empfehlungen vor sich hertrugen und sich als bedeutende Diener darstellten. Die Leute wussten, wie man Eindruck auf andere macht, wie man sich selbst in den Vordergrund – und dabei oft andere in den Hintergrund – stellt. Paulus konfrontiert sie mit einem sehr klaren Urteil:

„Nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt“ (2. Kor 10,18).

Zwei Dinge sind wichtig:

  1. Die göttliche Beurteilung: Gott misst niemals danach, wie sehr der Diener sich selbst ins Licht stellt. Wer sich selbst lobt oder „anpreist“, muss nicht immer ungute Absichten haben – aber er steht in Gefahr, den Blick für den göttlichen Maßstab zu verlieren. Vor Gott zählt nicht das eigene Auftreten, sondern das Herz. Wir sollten es deshalb besser unterlassen, uns selbst darzustellen und zu empfehlen.

  2. Der Herr empfiehlt: Genau das ist es, was zählt. Der Herr empfiehlt seinen Diener auf seine Weise. Wer sich selbst empfiehlt, greift in das ein, was der Herr tun will. In letzter Konsequenz verhindert er damit möglicherweise sogar sein Wirken. Er tut es auf seine Weise – und die ist anders als weltliche Methoden: Es geht nicht um äußere Effekte, um Lautstärke und um Reichweite.

Ein guter Diener Gottes definiert sich nicht durch Zustimmung der Menschen, durch Applaus und Likes, sondern dadurch, dass er seinem Herrn gefällt. Selbstempfehlung und Selbstdarstellung ersetzen die geistliche Autorität durch menschliche – und zerstören damit letztlich das Werk Gottes.

Das perfekte Beispiel – der stille, verborgene Weg des Herrn Jesus

Wer verstehen will, was Dienst für den Herrn wirklich ist und wie er getan wird, muss von sich selbst weg auf den Herrn Jesus schauen. Er ist der vollkommene Diener – und gerade Er hat nie für eigene Publicity gesorgt. Die Kontraste sind auffällig:

  • Der Herr suchte die Stille, nicht die Bühne. Immer wieder finden wir Ihn in der Stille im Gebet.
  • Der Herr vermied Menschenruhm. Er zog sich gerade dann zurück, wenn Er merkte, dass Menschen Ihn „feiern“ wollten.
  • Oft verbot Er Menschen, denen Er geholfen hatte, davon zu sprechen.
  • Er drängte sich nie auf, sondern hielt sich im Hintergrund.
  • Er wusste sich einzig von seinem Vater gesandt und wartete auf dessen Zeit.
  • Er sprach nicht von sich, sondern von dem Vater.
  • Er suchte nicht eigene Ehre, sondern die Herrlichkeit des Vaters.

Wenn jemand echte geistliche Autorität besaß, dann war es unser Herr. Und doch ging Er seinen Weg so verborgen wie möglich. Der vollkommene Diener empfahl sich nie selbst. Er wurde vom Vater empfohlen: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17).

Der Spiegel des Wortes – was lernen wir für uns?

  • Ein guter Diener Gottes wird sich nicht selbst vermarkten. Er wird so wenig wie möglich über sich selbst reden. Er wird dienen, ohne dabei unnötig selbst gesehen zu werden. In der Welt gilt immer mehr: „Mehr Schein als Sein.“ Für einen Diener Gottes gilt: „Mehr Sein als Schein.“ Viele adlige Familien in Europa führten früher den Spruch in ihrem Wappen: „Esse quam videri“ – „Sein, statt zu scheinen.“ Gute Diener Gottes wirken zuerst vor den Augen ihres Dienstherrn, nicht vor den Augen der Menschen.

  • Ein guter Diener Gottes wird sich selbst nicht erhöhen, sondern Christus groß machen. Der Diener ist nur Werkzeug und Bote, nicht die Botschaft. Wo der Diener groß wird, wird Christus klein. „Wer aber sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden“ (Mt 23,12).

  • Ein guter Diener Gottes wird sich nicht von Menschen abhängig machen. Paulus fragt einmal: „Suche ich jetzt Menschen zufriedenzustellen oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht“ (Gal 1,10). Paulus wusste, vor wem er stand und vor wem nicht. Menschen loben schnell – und vergessen ebenso schnell. Was zählt, ist die Anerkennung des Herrn.

  • Ein guter Diener Gottes wird sich nicht im Wettbewerb mit anderen sehen. Es geht nicht um Konkurrenz, sondern um ein gemeinsames Werk – das Werk des Herrn. Diener Gottes sind keine „Marken“, die um ihre „Marktanteile“ kämpfen. Sie sind „Mitarbeiter“. Selbstempfehlung zerstört letztlich die Gemeinschaft, während Demut sie aufbaut.

Unser Herr möchte seine Gesinnung in uns prägen. Keine Selbstdarstellung und kein Ruhmsuchen – sondern die Gesinnung des Kreuzes. Das Kreuz hat die Welt für uns gekreuzigt. Das bedeutet, dass auch das Streben, dass andere uns ständig wahrnehmen, am Kreuz gestorben ist. Es ist letztlich fleischliches Streben, das nicht vom Geist Gottes kommt.

Fazit – die einzige Empfehlung, die zählt

Am Ende stellt Paulus den Korinthern eine Frage, die wir uns selbst stellen und beantworten müssen: Für wen arbeite ich eigentlich? Für Menschen – oder für den Herrn? Wer für Menschen arbeitet, wird alles tun, um sich selbst zu empfehlen. Wer für den Herrn arbeitet, weiß: Der Meister sieht alles – und sein Urteil genügt. Und Er wird einmal öffentlich belohnen, was heute verborgen geschieht.