Die Worte, die der Herr Jesus zu der Frau am Jakobsbrunnen bei Sichar spricht (Joh 4), zeigen uns, wie kostbar die Anbetung für das Herz Gottes ist. Der Herr sagt nicht: Der Vater sucht Kinder – obwohl das wahr ist –, sondern Er sagt: Der Vater sucht Anbeter. Die Anbetung wird hier an erste Stelle gesetzt. Es versteht sich von selbst, dass der Mensch kein Anbeter sein kann, bevor er gerettet ist; er muss zuerst an das vollbrachte Werk Christi am Kreuz glauben – erst dann wird er zu einem Anbeter.

Das zeigt uns weitere Gedanken Gottes zu diesem wichtigen Thema. In zweite Mose 25 bis 40 werden die Stiftshütte und ihre Geräte zweimal beschrieben, und zwar stets in einer unveränderten Reihenfolge: Die Beschreibung beginnt im Allerheiligsten und endet beim Vorhof. Mit anderen Worten: Sie geht von Gott zum Menschen. Vom Standpunkt des Menschen aus gesehen verläuft der Weg jedoch entgegengesetzt: Er beginnt im Vorhof und führt zum Heiligtum.

Wir wissen, dass sich unter den Geräten der Stiftshütte auch der Brandopferaltar und das kupferne Becken befanden; sie standen im Vorhof vor dem Eingang zur Stiftshütte. Wenn wir uns die Anordnung der Gegenstände in ihrer Reihenfolge vorstellen, dann sehen wir Folgendes: zuerst das Zelt, dann das kupferne Becken und schließlich den Brandopferaltar. Doch genau diese Reihenfolge wird in den oben erwähnten Kapiteln nicht eingehalten: Dort wird der Altar unmittelbar nach den Geräten des Heiligtums genannt und das eherne Becken zuletzt. Der Heilige Geist will uns dadurch eine wichtige Belehrung geben.

Warum heißt es in 2. Mose 30,18 und 40,7, dass das kupferne Becken zwischen dem Heiligtum und dem Altar aufgestellt werden sollte? – Nun, weil Gott uns zeigen will, dass nichts Unreines ins Heiligtum kommen darf – auch wenn das Opfer des Herrn Jesus am Kreuz uns gereinigt, geheiligt und vollkommen gemacht hat. Wir dürfen dem Heiligtum nahen, doch niemals darf mit dem Heiligtum etwas Unreines verbunden werden.

Wenn wir uns also durch Gedanken, Worte oder sogar durch Taten verunreinigt haben, dann müssen wir – wie damals die Priester, bevor sie ihren Dienst begannen – unsere Hände und Füße waschen. Diese Waschung bedeutet nichts anderes, als dass wir uns selbst prüfen und richten müssen. Erst danach können wir dem Räucheraltar nahen, der ein Hinweis auf die Anbetung ist.

Es ist unmöglich, Gott wahre Anbetung darzubringen, ohne im Selbstgericht zu leben. Wir dürfen keinesfalls glauben, dass unsere Anbetung Gott wohlgefällig ist, nur weil wir am Zusammenkommen zum Brotbrechen teilnahmen. Denn was sagt die Schrift in 1. Korinther 11,28–30? – „Jeder aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch. Denn wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen.“

Anbetung ist eines unserer größten Vorrechte, aber der Gläubige ist berufen, sie mit tiefem Ernst und mit Einsicht in die Gedanken Gottes auszuüben.

| Original: „Adoration et jugement de soi-même“, Messager Évangelique 1938, S. 298ff., bibliquest.org