Als ein Schriftgelehrter den Herrn Jesus einmal nach dem größten Gebot fragte, antwortete Er mit Worten aus 5. Mose 6: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft.“ Das zeigt, dass Gott nicht zuerst fordert, dass wir etwas tun, sondern dass wir Ihn lieben. Es geht nicht zuerst um Leistung, sondern um Liebe.

Doch was bedeutet das konkret? Und woran erkennt man, dass wir Gott lieben?

1. Was es bedeutet, Gott zu lieben

Gott zu lieben, heißt nicht in erster Linie, viel darüber zu reden. Es bedeutet auch nicht, nur Gefühle für Gott zu haben. Gott zu lieben, bedeutet, Ihn höher zu schätzen als alles andere in unserem Leben. Liebe zu Gott verändert unser Inneres: Gott bekommt den ersten Platz. Er ist uns wichtiger als alles, und wir sind bereit, alles andere Ihm zu unterstellen.

Das Zitat aus 5. Mose 6 hilft uns weiter:

  • Von ganzem Herzen: Das Herz ist nicht nur das Zentrum unserer Zuneigungen, sondern auch eine Art „Schaltzentrale“ des Lebens. Dort fallen Entscheidungen (Spr 4,23). Wer Gott liebt, bezieht Ihn in alle Entscheidungen des Lebens ein und fragt, wie Gott über etwas denkt, was wir tun oder lassen. Wird Er geehrt oder bleibt Er außen vor?

  • Aus ganzer Seele: Unsere Zuneigungen gehören Ihm. Er soll nicht nur Retter sein, sondern unser Inneres soll ganz auf Ihn ausgerichtet sein. Es gibt nichts und niemanden, dem wir mehr zugetan sind als unserem Gott und Herrn. 

  • Mit ganzem Verstand: Liebe macht nicht blind und emotional. Wir lieben ganz bewusst. Je mehr wir über Gottes Wesen, seine Heiligkeit, seine Gnade und besonders die Liebe Christi nachdenken, desto mehr wächst unsere Antwort der Liebe. 

  • Mit ganzer Kraft: Das zeigt, dass Liebe etwas kostet. Sie zeigt sich in Hingabe und Energie und – wenn nötig – auch in der Bereitschaft, auf etwas zu verzichten.

Wenn wir Gott lieben, ist Er nicht ein Teil unseres Lebens, sondern der Mittelpunkt. Dabei lieben wir nicht aus Zwang oder krampfhaft, sondern weil Er uns zuerst geliebt hat. Wahre Liebe zu Gott kann nur eine Antwort auf seine Liebe zu uns sein: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh 4,19). Je mehr wir uns in seine Liebe zu uns vertiefen und sie genießen, umso mehr werden wir Ihn von Herzen wiederlieben.

2. Woran man die Liebe zu Gott erkennt

Die Bibel beantwortet die Frage eindeutig. Sie gibt uns mindestens zwei klare Kennzeichen:

  • Liebe zeigt sich im Gehorsam. Der Herr Jesus sagt: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten“ (Joh 14,23). Liebe ist also nicht zuerst ein Bekenntnis, sondern zeigt sich im Alltag. Wir dürfen Gott sagen, dass wir Ihn lieben, es aber nicht dabei bewenden lassen. Wer Gott liebt, möchte zu seiner Freude leben. Wenn wir das tun, fragen wir nicht mehr: „Was ist gerade noch erlaubt?“, oder: „Muss ich das unbedingt tun?“ Die Frage lautet vielmehr: „Was freut Ihn?“ Gehorsam aus Liebe ist keine Last, sondern Ausdruck der Beziehung zu Ihm. Das Ergebnis ist vermehrter Genuss der Liebe des Vaters und Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn (Joh 14,23).

  • Liebe zu Gott zeigt sich in Bruderliebe, das heißt der Liebe zu denen, die seine Kinder sind. „Jeder, der den liebt, der geboren hat, liebt auch den, der aus ihm geboren ist“ (1. Joh 5,1). Hartherzigkeit gegenüber unseren Glaubensgeschwistern passt nicht zu echter Gottesliebe.

Gott sieht das Herz. Äußere Aktivität kann Menschen beeindrucken – doch Er sucht innere Zuneigung. Das musste die Versammlung in Ephesus schmerzlich hören: „Du hast deine erste Liebe verlassen“ (Off 2,4). Es gab noch Bemühung und Aktivität, aber die Triebfeder der Liebe fehlte.

3. Wie wir lernen, Gott zu lieben

Liebe zu Gott entsteht nicht durch Anstrengung, sondern indem wir seine Liebe betrachten und genießen. Wenn wir uns mit seiner Liebe beschäftigen – mit dem Kreuz unseres Herrn, mit der Geduld Gottes in unserem Leben, mit seiner täglichen Fürsorge –, dann wird unser Herz für Ihn erwärmt. Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft mit Ihm sind keine religiösen Pflichten, sondern die Voraussetzung, dass Liebe vorhanden ist. Sie sind sozusagen das Saatbeet, auf dem unsere Liebe zu Ihm wächst.

Und wenn wir merken, dass unsere Liebe langsam erkaltet? Wenn wir die „erste Liebe“ (die beste Liebe) verlassen haben? Der Rückweg ist immer möglich: Wir müssen das Problem erkennen, es vor Gott bekennen und zu Ihm zurückkehren. Wir müssen nicht resignieren, sondern dürfen uns innerlich erneuern lassen.

Fazit

Gott sucht nicht perfekte Menschen, aber Menschen mit einem liebenden Herzen. Wir können Gott nicht durch Größe und Werke beeindrucken, aber durch Liebe erfreuen. Lieben wir Gott wirklich? Regiert Er in meinen und deinen Gedanken und Entscheidungen? Seine Liebe zu uns steht fest. Die Frage lautet, welche Antwort wir Ihm geben wollen.