Wir gehen in die Zeit des ersten Richters Othniels (Richter 3,5–11), als das Volk zum ersten Mal in eine Spirale geriet, die sich später wiederholte: Sie sündigten, Gott sandte Strafe, sie schrien zu ihm, er sandte einen Retter und sie hatten Ruhe. Danach ging es wieder von vorn los.
Das Problem entsteht
Wie es zu der ersten Misere des Volkes kam und wie sie sich äußerte, zeigen die oben angeführten Verse. Einzeln aufgezählt könnte das so aussehen:
- Die Kinder Israel eroberten nicht konsequent das Land und wohnten unter den Kanaanitern (die Gott dann auch nicht mehr austrieb).
- Es kam zu verbotenen ehelichen Verbindungen mit den Einwohnern Kanaans.
- Die Kinder Israel begannen, den Götzen der Kanaaniter zu dienen (die Kanaaniter fingen nicht an, Jahwe zu dienen).
- Die Israeliten taten verschiedene böse Dinge.
- Sie vergaßen den Gott Israels.
- Der Zorn Gottes glühte gegen sein Volk Israel.
- Der König von Mesopotamien griff daraufhin die Israeliten an.[1]
- Die Israeliten dienten Kuschan-Rischataim („finstere Doppel-Bosheit“) acht Jahre.
- Die Israeliten schrien zu Gott wegen der Bedrückung durch den Feind.
Der Retter-Richter
Als das Volk endlich schrie, sandte Gott einen Retter. Dieser Mann war geeignet für diesen Dienst und diesen Kampf, wie Richter 1,12–15 zeigt:
- Othniel fand sich nicht damit ab, dass die Kanaaniter im Land waren: Er eroberte Kirjath-Sepher. Er nahm das verheißene Land ein.
- Er ließ sich dazu von einem Mann Gottes, von Kaleb, motivieren. Er war bereit, sich gut zureden zu lassen.
- Er tat es, weil er Aksa haben wollte. Eine Ehe mit einer Kanaaniterin kam für ihn gar nicht infrage.
- Es zeigte sich deutlich, dass er die Frau von Herzen liebte; das war für ihn die Grundlage einer Beziehung.
- Er nannte Kirjath-Sepher (Stadt des Buches) in Debir (heilige Aussprüche) um. Das zeigt, dass er die Stadt dauerhaft kontrollierte.[2]
- Die Frau zeigte genauso ein Interesse an dem Erbteil Gottes und war genauso voll heiliger Energie wie er. Diese Ehe war gesegnet und stand im Gegensatz zu den unheiligen Verbindungen des Volkes mit den Götzendienern. Kein Wunder, dass Othniel zum Richter über das Böse im Volk und dann zum Retter wird.
Die Rettung des Volkes
Wie Gott die Rettung des Volkes bewirkt und was die Folge war:
- Gott erweckt einen Retter. Das ist sein Handeln. Auch wenn Othniel geeignet war, ist es doch auch die Souveränität.
- Der Geist Gottes kam über Othniel. Er handelte nicht einfach in eigener Kraft und Überzeugung, sondern wurde durch Gottes Geist bewegt. Dann bewegt sich auch was.
- Bevor er gegen den Feind kämpfte, richtete er das Volk Gottes: Das Böse wurde inmitten des Volkes weggetan, bevor sie vom Bösen befreit wurden.
- Othniel zog aus zum Kampf gegen den Feind. Er packte es auch konkret an, als es ernst wurde, er begnügte sich nicht mit einem Richter-Status. Der erste Schritt in Richtung Feind kann sehr schwer sein.
- Er zog nicht nur aus, sondern er ging auch in den Kampf hinein und errang den Sieg (den Gott ihm natürlich gewährte).
- Die Hand Othniels wurde stark, er ließ es nicht bei einem einmaligen Schlag gegen den Feind bewenden, sondern kämpfte kraftvoll weiter: Von dem Feind hören wir später nichts mehr.
- Das Land hatte vierzig Jahre eine gedeihliche und segensreiche Ruhe. Eine lange und gute Zeit (bis es wieder zum Ungehorsam kam).
Mögen wir uns bewahren lassen vor den Verbindungen der Welt. Und wenn es doch dazu gekommen ist, benötigen wir den Dienst eines Othniels, um das Problem wieder loszuwerden. Othniel ist ein Mann, der das Erbteil Gottes wertschätzt, der seinem Gott vertraut und der den Geboten Gottes Folge leistet. So werden wir auch in unserem Bereich zum Segen sein können und für Befreiung sorgen.
Fußnoten:
- Abraham wurde aus Mesopotamien herausgeführt, als er durch die Herrlichkeit Gottes berufen wurde; Mesopotamien ist somit ein Bild der Welt. Wir bekommen es mit der unterdrückenden Bosheit der Welt zu tun, wenn wir mit ihnen den Götzen dienen.
- Die Bedeutung der Namen ist interessant: Othniel heißt „Gott ist meine Stärke“; Aksa heißt „Fußschmuck“. Wer kraftvoll auf Gottes Weg geht und dabei Schönheit offenbart (vgl. Spr 12,19), der wird die intellektuelle Hochburg der Welt einnehmen und die geistliche Führung des Volkes unter das Buch der Aussprüche Gottes stellen.
