„Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände. Sie werden untergehen, du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Gewand, und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht vergehen“ (Heb 1,10–12).

Diese Verse sind ein Zitat aus Psalm 102. Ihr werdet euch daran erinnern, dass der gesamte erste Teil dieses Psalms von den Leiden in Gethsemane durchdrungen ist. Man hört den Schrei des Bedrängten, während Er Seine Seele vor Gott ausschüttet – eines Menschen in tiefer Not, der sich in den Tiefen seelischer Qual befindet und im Begriff ist, aus dem Land der Lebenden ausgerottet zu werden. Man hört Ihn zu Gott flehen: „Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage.“

Und welche Antwort gibt Gott? Hätte nicht der Geist Gottes selbst diese Worte auf Christus bezogen, hätten wir gedacht, sie seien Teil der Worte, die unser Herr an Gott richtet. Wenn wir sie so lesen würden, klänge es dann nicht so, als würde der Herr sagen: „Nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage! Von Geschlecht zu Geschlecht sind deine Jahre. Du hast einst die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk“?

Doch hier wird uns gesagt, dass es Gott ist, der zu Seinem Sohn spricht. Man sieht den Sohn, wie Er in Gethsemane Seine Seele in lautem Schreien und unter Tränen ausschüttet: „Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage“; und dann wartet Er auf eine Antwort. Welche Antwort wird der Ewige Dem geben, der dort den Platz des Gehorsamen einnimmt und Seinen Willen sucht? Dem, der sich bis in den Staub des Todes erniedrigt hat und den Kelch annimmt, den Er in Kürze bis zum letzten Tropfen trinken wird? Ach, Gott redet Ihn als Gott an: „Du, Herr.“ Denkt darüber nach, Geliebte, wie Gott zu Dem spricht, der dort in tiefer Erniedrigung vor Ihm niedergebeugt ist: „Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk Deiner Hände.“

O Wunder über Wunder! Den Seufzenden in Gethsemane, den Sohn Gottes an Seinem Platz der Demut spricht Gott als Schöpfer von Himmel und Erde an! Wenn alles um uns herum zu nichts zerfallen wird, wird Er in Seiner ewigen Macht und Herrlichkeit bestehen bleiben. Könnt ihr euch zwei größere Extreme vorstellen oder miteinander in Einklang bringen – äußerste Not und Hilflosigkeit, das Klagen eines Menschen, der in Schwachheit zu Gott schreit, und die Antwort, die vom Thron Gottes selbst kommt und diesen Bittenden als Gott über alles, gepriesen in Ewigkeit, anspricht?

Ach, wollen wir uns nicht mit ehrfürchtigem Herzen auch an diesen Herrlichen wenden und Ihn mit solchen Worten ansprechen? Wenn du an Ihn in Seiner demütigen Gestalt denkst, verborgen vor dem Auge des Unglaubens, mit einer Herrlichkeit, die nur für den Glauben sichtbar ist; wenn du Ihn siehst, wie Er sozusagen in Seekuhfellen gekleidet umhergeht und Seine innere Herrlichkeit vor den Blicken verbirgt – hast du dann nicht das Bedürfnis zu sagen: „Mein Herr und mein Gott!“?