„Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens.“
Johannes beginnt seinen Brief unmittelbar, ohne sich selbst vorzustellen oder die Empfänger zu grüßen. Er selbst tritt in den Hintergrund und kommt sofort auf Christus zu sprechen. Der Brief scheint eine gewisse Dringlichkeit zu haben. Die „letzte Stunde“ (1. Joh 2,18) war angebrochen, und verschiedene zerstörerische Lehren drohten über die Gläubigen hereinzubrechen. Dem musste entgegengewirkt werden.
In Gottes Wort finden wir verschiedene Anfänge: den Anfang der Schöpfung („Im Anfang schuf Gott“; 1. Mo 1,1); dann den „Anfang“ in Verbindung mit dem „Wort“ („Im Anfang war das Wort“; Joh 1,1). Welchen Anfang wir auch nehmen – das Wort, das niemand anderes als der Herr Jesus ist, war bereits. Es ist ewig, ja Gott selbst. Wenden wir uns dem Markusevangelium zu, finden wir den „Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes“ (Mk 1,1). Der Evangelist Lukas berichtet uns von denen, die „von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind“ (Lk 1,2). Wir können diesen Anfang als den Anfang des Dienstes des Herrn Jesus bezeichnen.
Wenn Johannes die Worte „von Anfang an“ in seinen Briefen verwendet, setzt er sie ein, um eine Offenbarung einer Sache oder Person zu zeigen. Da Johannes hier von „dem Wort des Lebens“, also von Christus selbst, redet, können wir zu Recht an Johannes 1,14 denken: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Wir sehen hier die Grundsteinlegung des Christentums: Gott, der Sohn, wird Mensch und wohnte unter uns. Er offenbarte in vollkommener Weise Gott und das ewige Leben. Es ist bemerkenswert, dass Johannes nicht direkt von dem Herrn Jesus spricht, wenn auch niemand anderes gemeint ist. Wenn er vom „Wort des Lebens“ spricht, geht es ihm um das, was durch die Person des Mensch gewordenen Sohnes Gottes vollkommen offenbart worden ist: das göttliche, ewige Leben. Wer wissen möchte, was das ewige Leben ist, muss Christus anschauen.
Wir leben in Zeiten, in denen die Wahrheit des Wortes Gottes wie nie zuvor angegriffen und bekämpft wird. Das geschieht nicht immer offen und frontal. Solche Angriffe sind leicht zu erkennen und lassen sich relativ leicht abwehren. Viel gefährlicher ist es, wenn die Wahrheit erst einmal so stehen gelassen wird, man ihr aber weitere Elemente hinzufügt. Wie viele vermeintliche „Propheten“ gibt es heute, die neue Gedanken, Offenbarungen und Lehren in die Christenheit hineinbringen. Natürlich lässt man die Bibel so stehen. Aber man meint, die Wahrheit müsse „weiterentwickelt“ werden. Doch wenn die Wahrheit des Wortes Gottes weiterentwickelt werden müsste, wie man sagt, dann wäre sie eben nicht die Wahrheit. Wahrheit ist absolut, objektiv und unveränderlich. Wenn der Gläubige solchen vermeintlich neuen Lehren folgt, wird er somit von der göttlichen Wahrheit, wie sie uns in Gottes Wort offenbart wird, abgezogen. Ihm wird der Boden, der seinem Glaubensleben Stabilität verleiht, gleichsam unter den Füßen weggezogen.
Wie kann sich ein Kind Gottes vor solchen hinterlistigen Angriffen schützen? Indem es sich fragt, ob das, was es hört, „von Anfang an war“. Ist es mit der offenbarten Wahrheit, wie wir sie in Gottes Wort finden, in Übereinstimmung oder nicht? Wenn nicht, muss es klar als Lüge abgewiesen werden. „Es steht geschrieben“ – das war auch schon die Antwort des Herrn Jesus, als er von Satan in der Wüste versucht wurde (Mt 4).
Wie wir gesehen haben, geht es Johannes um die Offenbarung des ewigen Lebens, wie es in der Person des Mensch gewordenen Sohnes Gottes vollkommen zum Ausdruck gekommen ist. Damit stellt er gleichsam auch das Thema seines Briefes vor. Wer eignet sich besser als er, um uns dieses Thema vorzustellen? Johannes, wie auch die übrigen Apostel, war mit Christus, dem Wort des Lebens, auf das Innigste vertraut. Sie hatten Christus zugehört, ihn gesehen und angetastet. Das zeugt nicht nur von der Wirklichkeit der Menschwerdung des Sohnes Gottes, sondern auch davon, wie geeignet der Schreiber dafür ist, dieses Thema vorzustellen. Es war ihm kein fremdes, sondern ein sehr vertrautes Thema. Aus dieser Vertrautheit heraus schreibt er nun, damit auch wir diese Person, dieses Leben kennenlernen.
Der erste Brief des Johannes – EinleitungDas Leben offenbart (1. Johannes 1,2)
