„Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“
Zum dritten Mal nimmt Johannes Bezug darauf, was sie gesehen haben (1. Joh 1,1.2.3) und was sie gehört haben (1. Joh 1,1.3.5). Was Johannes und seine Mitapostel erlebt hatten, als der Herr Jesus hier auf der Erde war, das wollten sie jetzt auch anderen bezeugen und verkündigen. Wenn er nun das Ziel ihrer Verkündigung beschreibt, dann beruhte diese nicht auf etwas Vagem und Ungesichertem, sondern auf einem absoluten und gesicherten Wissen.
Zum ersten Mal wird nun in diesem Brief das für das Christentum so charakteristische Wort „Gemeinschaft“ verwendet. Gemeinschaft zu haben, bedeutet nicht, lediglich beieinander zu sein und etwas gemeinsam zu unternehmen. Es ist viel mehr als das. Es bedeutet, in Interessen, Empfindungen und Gedanken übereinzustimmen. Das stimmt sicherlich auch in Bezug auf unsere menschlichen Beziehungen, aber vor allem in Bezug auf Gott. Gemeinschaft mit Gott zu haben, bedeutet, in Übereinstimmung mit seinen Interessen, Empfindungen und Gedanken zu sein.
Natürlich kann ein Sünder keine Gemeinschaft mit Gott haben. Er steht ja Gott mit allem, was er ist und tut, entgegen. Was notwendig ist, um mit göttlichen Personen Gemeinschaft zu haben, ist das ewige Leben. Selbstverständlich musste die Frage unserer Schuld gegenüber Gott geklärt werden. Aber erst die Tatsache, dass Christus unser Leben geworden ist, eröffnet uns die Segnung der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Dadurch, dass Gott uns sein Leben gegeben hat, sind wir grundsätzlich befähigt, dieselben Interessen, Gefühle und Gedanken zu haben wie Gott (ihn zu „erkennen“, vgl. Joh 17,3).
Wenn das prinzipiell auch der Fall ist, ist diese Gemeinschaft dennoch kein Selbstläufer. Bemühen wir uns, Gott besser kennenzulernen – seine Interessen, Empfindungen und Gedanken? Bewegt unser Herz das, was auch sein Herz bewegt? Empfinden wir das, was auch Gott in Bezug auf seinen Sohn, die Versammlung oder diese Welt empfindet? Forschen wir nach Gottes Gedanken, nach seinen Plänen? Es war Davids Wunsch, „die Lieblichkeit des HERRN anzuschauen und nach ihm zu forschen“ (Ps 27,4). Möge das auch vermehrt unser Wunsch sein!
Es mag uns verwundern, warum Johannes zuerst schreibt: „damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt“, und dann erklärt, dass ihre Gemeinschaft „mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ ist. Warum schreibt Johannes nicht direkt: „damit auch ihr mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus Gemeinschaft habt“? Die Apostel leben schon lange nicht mehr, und doch können wir mit ihnen dieselbe Gemeinschaft haben, wie sie damals zu Beginn der Christenheit hatten.
Doch leider gibt es, damals wie heute, Menschen, die die Lehre der Apostel – und damit die Apostel selbst – verwerfen. Gleichzeitig behaupten sie, mit Gott Gemeinschaft zu haben. Doch das ist ein Widerspruch. Gibt es denn unterschiedliche Gemeinschaften? Kann man mit Gott Gemeinschaft haben und gleichzeitig seine Apostel und ihr Zeugnis verwerfen? Das ist unmöglich!
Die Gemeinschaft der Apostel bestand in der Gemeinschaft „mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“. Die Gemeinschaft mit dem Vater einerseits und mit dem Sohn andererseits dürfen wir nicht getrennt voneinander sehen, wollen sie aber doch unterscheiden.
Wir haben Gemeinschaft
- … mit dem Vater in Bezug auf den Sohn
Der Sohn war schon immer in sich der Gegenstand der Liebe des Vaters. Doch dann wurde der Sohn Mensch, und zum allerersten Mal konnte der Vater einen Menschen sehen, der „allezeit das ihm Wohlgefällige“ tat (Joh 8,29). Zweimal sehen wir, wie sich der Himmel über dem Sohn öffnete und der Vater seine Empfindungen über ihn kundtat: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17; vgl. 17,5). „Der Vater hat den Sohn lieb“ (Joh 5,20) und der Sohn gab dem Vater erneut einen Grund, ihn zu lieben, weil er sein Leben lassen würde (vgl. Joh 10,17).
Wir dürfen nun mit dem Vater den Sohn betrachten und gemeinsam mit ihm dieselben Gedanken und Empfindungen in Bezug auf den Sohn haben.
- … mit dem Sohn in Bezug auf den Vater
Es ist der Sohn, der uns den Vater offenbart hat. „Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht“ (Joh 1,18). Er konnte sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Durch den Sohn – und nur durch den Sohn – haben wir die höchste Offenbarung Gottes: „Noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem irgend der Sohn ihn offenbaren will“ (Mt 11,27).
Noch am Auferstehungstag erklärt der Herr Jesus, dass er nicht nur zu seinem Vater auffahren würde, sondern auch zu „eurem Vater“ (vgl. Joh 20,17). Durch den Sohn sind wir in Beziehung zu Gott als unserem Vater gekommen und dürfen durch ihn und mit ihm verstehen, wer der Vater ist.
Das Leben offenbart (1. Johannes 1,2)Völlige Freude (1. Johannes 1,4)
