„Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, [so] lügen wir und tun nicht die Wahrheit.“
Bei der ersten Aussage handelt es sich um solche, die behaupten, mit Gott Gemeinschaft zu haben. Das bedeutet, dass sie sagen, mit Gottes Gedanken und Empfindungen im Einklang zu sein. Nichts weniger als der Besitz des ewigen Lebens ist dazu notwendig. So ein Bekenntnis beinhaltet daher auch (bewusst oder unbewusst), dass man von sich sagt, dass man das ewige Leben besitzt, das heißt „aus Gott geboren“ ist, ein Kind Gottes ist.
Doch während die Neugeburt eine absolute Realität ist, kann ein Bekenntnis echt oder unecht sein. Sollte jemand tatsächlich sagen, dass er Gemeinschaft mit Gott hat, aber gleichzeitig in der Finsternis wandelt, so entlarvt sein Lebenswandel sein Bekenntnis als unecht. Das Bekenntnis, Gemeinschaft zu haben mit dem, der Licht ist, ist unvereinbar mit einem Lebenswandel in der Finsternis und somit eine Lüge. Damit wird auch deutlich, dass es hier nicht um ein Kind Gottes geht, sondern um einen Menschen, der sich rein äußerlich zu Christus bekennt, aber eben kein Leben aus Gott hat.
Ein „Wandel in der Finsternis“ beschreibt dabei nicht ein Kind Gottes, das in Sünde gefallen ist. Es ist vielmehr das, was ein Mensch dieser Welt grundsätzlich, gewohnheitsmäßig und fortwährend tut. Es ist für ihn typisch, zu sündigen, und er ist selbst völlig von der Sünde gekennzeichnet. Er lebt als Sünder in der Sünde. Das ist völlig unabhängig davon, wie gebildet, kultiviert oder wohlhabend er ist. Der Manager eines Hedge-Fonds im feinen Anzug, mit teurem Auto und dem Doktortitel einer angesehenen Universität, der Christus ablehnt, wandelt genauso in der Finsternis wie ein armer, stinkender und verwahrloster Obdachloser. Wie unterschiedlich ihr Leben auch sein mag, hier gibt es keinen.
Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim 2,4). Aber die Menschen dieser Welt kennen weder Gott noch sich selbst. Daher haben sie auch kein Verlangen nach einem Retter. Sie wollen Gott auch gar nicht, merken sie doch, dass dieser Gott sie in ihrem Zustand nur verurteilen kann. Gottes Wort sagt, dass sie am Verstand verfinstert sind, dass sie Finsternis sind und in der Finsternis wandeln (Eph 4,18; 5,8). Ja, sie hassen das Licht, weil ihre Werke böse sind (Joh 3,19). Und doch behaupten sie, mit Gott Gemeinschaft zu haben. Was für eine Lüge!
Johannes zeigt uns hier, woran wir wahre Gläubige und bloße Bekenner erkennen können. Natürlich kann ein Kind Gottes noch sündigen (vgl. 1. Joh 2,1). Aber ein Kind Gottes wandelt im Licht. Das ist kennzeichnend für ein Kind Gottes, während es für einen Ungläubigen kennzeichnend ist, in der Finsternis zu wandeln.
Wir müssen uns an die Ausdrucksweise von Johannes gewöhnen. Er stellt oft das dar, was charakteristisch für eine Person oder Sache ist. Wenn jemand, der das ewige Leben hat, sündigt, ist das eben nicht typisch für ihn. Wasser ist typischerweise durchsichtig. Wenn man nun verschmutztes Wasser findet, ist es dann kein Wasser mehr? Doch! Aber es weist eben nicht die typischen Eigenschaften von Wasser auf. Genauso ist es mit einem Kind Gottes. Leider kann es vorkommen, dass es noch sündigt. Aber das ist nicht typisch und es hört deswegen nicht auf, ein Kind Gottes zu sein.
Ein Leben in der Finsternis bei gleichzeitigem Bekenntnis, mit Gott in Gemeinschaft zu sein, ist ein glatter Widerspruch. „So lügen wir“, schreibt Johannes. Unser Bekenntnis stimmt nicht mit der Realität überein. Er fügt dann aber noch hinzu: „… und tun nicht die Wahrheit.“ Die Lüge mag sich mehr auf das Bekenntnis, mit Gott Gemeinschaft zu haben, beziehen, während das Tun der Wahrheit sich mehr auf den Wandel in der Finsternis bezieht. Es geht darum, dass wir nicht nur etwas sagen, sondern es auch tun. Dass, was wir sagen (bekennen), soll mit dem übereinstimmen, was wir tun. Den Worten müssen die entsprechenden Taten folgen. „Siehe, du hast Gefallen an der Wahrheit im Innern“ (Ps 51,8).
Man mag sich so einen Menschen, wie Johannes ihn hier beschreibt, schwer vorstellen können. Und doch ist die Christenheit voll von ihnen. So jemand kann tief religiös sein. Man sieht sich als Christ, weil man als Kind getauft wurde, ab und an oder gar regelmäßig in die Kirche geht, christliche Werte hochhält und ansonsten ein „anständiges“ Leben führt. Man hofft, in den Himmel zu kommen, weil man sich aufgrund der vermeintlich guten Werke, die man tut, als einen guten Menschen sieht. Weil man sich nicht im Licht Gottes gesehen hat, ist man mit sich im Reinen. Daher fehlen auch Buße und Glaube an den Herrn Jesus. Man sieht keine Notwendigkeit der eigenen Errettung und daher auch keine Notwendigkeit für einen Retter. Egal, wie dick der religiöse Anstrich ist, es ändert nichts daran, dass man Finsternis ist und in der Finsternis wandelt. Man belügt sich selbst und geht so ewig verloren.
