„Wenn wir aber in dem Licht wandeln, wie er in dem Licht ist, [so] haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu [Christi], seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“

Johannes beginnt diesen Vers mit den Worten: „Wenn wir aber …“ Damit weist er einen Gegensatz zum vorherigen Vers auf. Jetzt geht es um Kinder Gottes. Nur von ihnen lässt sich sagen, dass sie im Licht wandeln. Zudem kennzeichnen diese Worte eine Bedingung. Wenn wir in dem Licht wandeln, wie er in dem Licht ist, dann hat das wunderbare Ergebnisse: Wir haben Gemeinschaft miteinander und dürfen die reinigende Kraft des Blutes des Opfers des Herrn Jesus kennen. Johannes lässt offen, ob diese Bedingung erfüllt ist. Wir dürfen aber festhalten: Für Kinder Gottes ist es grundsätzlich wahr: Sie wandeln im Licht. Schauen wir uns genauer an, was das bedeutet.

Im Licht wandeln

Interessanterweise heißt es direkt im Anschluss „wie er [d.h. Gott] in dem Licht ist“. In Vers 5 hatte Johannes geschrieben, dass Gott Licht ist; nun geht es darum, dass Gott in dem Licht ist – eben dort, wo auch wir jetzt wandeln. Offensichtlich gibt es einen Zusammenhang, den wir verstehen müssen. Wenn es darum geht, dass Gott Licht ist, dann hat das mit seinem unveränderlichen Wesen zu tun. Aber nun geht es darum, dass Gott in dem Licht ist – und das war keineswegs immer so.

Der Begriff Licht hat nicht nur eine moralische Bedeutung, sondern auch mit Wissen oder Offenbarung zu tun. Was im Licht ist, ist bekannt, im Gegensatz zu dem, was im Dunkeln liegt (vgl. Joh 3,19–21). Wenn Gott heute, in der Zeit des Neuen Testamentes, „im Licht ist“, so war er vorher „im Dunkeln“. So heißt es in 2. Mose 20,21: „Und das Volk stand von Fern; und Mose nahte dem Dunkel, wo Gott war.“ Diese Verse geben uns nicht lediglich eine Beschreibung der Szene, sondern verdeutlichen, dass Gott tatsächlich noch nicht völlig offenbart war. Doch mit dem Herrn Jesus hat sich alles geändert. Er war „Gott, offenbart im Fleisch“ (1. Tim 3,16; Joh 1,14). Durch sein Leben und Sterben haben wir nun die vollkommene Offenbarung Gottes empfangen. Er ist „der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der [ihn] kundgemacht hat“ (Joh 1,18).

Wenn Johannes schreibt, dass die Kinder Gottes in dem Licht wandeln, wie Gott in dem Licht ist, bedeutet das, dass wir im Licht der vollen Offenbarung Gottes leben. Das ist für jedes Kind Gottes gleichermaßen der Fall. Dabei geht es hier noch gar nicht darum, ob wir praktischerweise dieser Stellung entsprechend leben. Es ist auch keine Ermahnung, die an uns gerichtet wird, sondern die Vorstellung einer Tatsache. Dass wir diesem Licht nicht immer entsprechen, ist wahr, ändert aber nichts daran, dass wir grundsätzlich in dem Licht wandeln.

Ist es uns bewusst, was für ein immenses Vorrecht es ist, dass wir Gott so kennen dürfen? Kein Gläubiger, der jemals vor der Menschwerdung des Sohnes Gottes gelebt hat, hat Gott jemals derart gekannt wie die Kinder Gottes, die nach dem vollbrachten Werk an Kreuz leben. Keiner konnte jemals derartige Segnungen besitzen und genießen, wie wir es heute tun!

Gemeinschaft miteinander

Wenn wir in dem Licht wandeln, wie Gott in dem Licht ist, dann resultiert das darin, dass wir als Kinder Gottes die Gemeinschaft in der Familie Gottes genießen dürfen. Gott zu kennen und genießen zu können, ist eine persönliche Segnung. Aber sie verbindet uns eben auch mit solchen, die das gleiche Teil besitzen. Wir dürfen uns darauf besinnen, was wir gemeinsam besitzen und woran wir gemeinsam Freude haben dürfen.

Es mag sein, dass wir, wenn es um die Gemeinschaft am Tisch des Herrn geht, nicht mit jedem Gemeinschaft haben können. Das ist leider eine traurige Tatsache. Aber Johannes geht es hier nicht um das Haus Gottes oder den Leib Christi, sondern um die Familie Gottes. Bei all dem, was es heute in der Christenheit an Trennendem gibt, wollen wir uns dennoch immer wieder bewusst machen, dass es die Gemeinschaft der Familie Gottes gibt.

Das Blut Jesu Christi

An den Gedanken der Gemeinschaft fügt Johannes, durch ein einfaches „und“ verbunden, einen nächsten Geschichte an: „… und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“ Wenn es um die Frage der Sünde geht, so legt Gott diese schonungslos und unerbittlich offen. Er kann sie nicht übergehen und muss seinem Wesen treu bleiben. Wenn wir in dem Licht wandeln, zeigt uns das Licht auch, was wir von Natur aus sind: Sünder. Aber in dem Licht dürfen wir auch den Wert des Mittels erkennen, das allein imstande ist, unsere Sünden wegzunehmen: „das Blut Jesu Christi, seines Sohnes“. Dieses Blut, das uns auf den Sühnungstod des Herrn Jesus hinweist, ist beständig vor Gott. Er sieht es; er kennt seinen Wert. Das gibt uns Sicherheit und tiefen Frieden. Gott hat aufgrund des ein für alle Mal dargebrachten Opfers des Herrn Jesus alle unsere Sünden von uns entfernt und wir stehen nun ohne Sünde vor Gott.

Es ist das „Blut Jesu Christi“, das uns reinigt. Das stellt uns den Herrn Jesus als wahren Menschen vor, denn nur als Mensch konnte er sein Blut als eine Sühnung für unsere Sünden geben. Er hat sich selbst ohne Flecken durch den ewigen Geist Gottes geopfert (Heb 9,14). Und doch fügt Johannes hinzu: „seines Sohnes“. Der, der sich hier geopfert hat, ist eben viel mehr als nur ein Mensch. Er ist gleichzeitig der ewige Sohn Gottes, der in einer ewigen Beziehung zu Gott, dem Vater, steht. Mögen die einen seine wahre Menschheit und die anderen seine vollkommene Gottheit leugnen – es bleibt bestehen, dass er beides ist.

Wenn es heißt, dass das Blut Jesu reinigt, haben wir damit ein weiteres Beispiel für die abstrakte Ausdrucksweise, die Johannes so oft in seinem Brief verwendet. Es geht ihm nicht darum, wann diese Reinigung geschieht, sondern darum, das Mittel vorzustellen, durch das allein die Reinigung von Sünden bewirkt werden kann. Es ist charakteristisch für das Blut, das es reinigt – und zwar ausnahmslos von jeder Sünde. Die Anwendung des Blutes erfolgt einmalig und muss nicht wiederholt werden. Zweifelsohne kennt die Schrift auch eine wiederholende, fortwährende Reinigung von Sünden. Doch diese Reinigung geschieht durch das Wasser, als Symbol des Wortes Gottes (vgl. Joh 13). Da wir leider immer noch sündigen können, wird sie so lange notwendig sein, wie wir auf dieser Erde leben. Dass wir leider auch als Kinder Gottes sündigen, greift Johannes aber erst ab Kapitel 2, Vers 1, auf. Hier aber geht es um die sühnende Reinigung durch das Blut des Herrn Jesus, die lediglich einmal geschieht. Für jedes Kind Gottes bedeutet das tiefes Glück und Freude. Wir dürfen wissen, dass wir, reingewaschen durch das Blut des Herrn Jesus, nun ohne Sünde vor Gott stehen. Er selbst hat sie weggenommen. Was dazu nötig war, beruht nicht auf uns, sondern allein auf dem sühnenden Opfer des Herrn Jesus.