Ruth geht nach der Anweisung der Schwiegermutter Noomi zu Boas. Diese Begegnung wird detailliert beschrieben. Wir können daraus etwas lernen im Blick auf unsere „Begegnung“ und unsere Gemeinschaft mit Christus. Der wahre Boas drängt sich dabei nicht auf; er wartet, bis wir kommen.

1. Das Herz von Boas wurde fröhlich. (Ruth 3,7). Das zeigt die Freude, die der Herr hatte, als er den Willen Gottes ausführte, und das zeigt auch, wie er die Freude auf seinem Weg vor sich hatte (Joh 15,10.11; Heb 12,2). Auch damit beschäftigen wir uns, wenn wir näher zu ihm kommen wollen.

2. Boas schlief dann ein und wachte rasch wieder auf. (Ruth 3,7–9). Der Schlaf ist der Bruder des Todes: Christus starb als derjenige, der eine große Ernte einbringt. Boas wandte sich nach dem Aufwachen direkt Ruth zu. Christus ist aus den Toten auferstanden und er brachte sogleich eine wunderbare Nachricht (für Maria und dann auch für die Jünger). Der Auferstandene ist uns zugewandt.

3. Ruth spricht zu Boas und bezeichnet sich als Magd und ihn als Blutsverwandten bzw. Löser. (Ruth 3,9). Sie weiß, wer sie ist, und sie weiß, wer er ist. Und weil ihr das klar ist, tut sie eins: Sie bittet um die größte Gnade (nämlich der ehelichen Verbindung). Nach allem, was vorher gewesen ist, ist nun der richtige Zeitpunkt für diesen kühnen Schritt gekommen. Es geht ihr nicht um das Erbteil, sondern es geht um ihn selbst (wie es auch bei uns zuerst um die Person Christi geht). Boas wird das mit dem Erbteil ganz von selbst regeln.[1]

4. Boas spricht zu Ruth. (Ruth 3,10–13). Was sie nun aufgrund ihres mutigen Vertrauens zu hören bekommt, ist sehr schön:

  • Er wünscht ihr Segen Gottes. Das wird sich im Lauf ihres Lebens herauskristallisieren.
  • Er anerkennt sie als Tochter und bindet sie damit in die Gemeinschaft des Volkes Gottes ein.
  • Er anerkennt, dass die Liebe, die sich jetzt zeigte, noch größer war als damals, als sie mit der Schwiegermutter ging und ihre Heimat verließ. Der Verzicht war noch deutlicher. Wie sehr schätzt es der Herr, wenn wir für ihn auf etwas verzichtet haben!
  • Er spricht ihr Mut zu. Oft hat dies der Herr zu seinen Jüngern gesagt, und auch uns legt er das aufs Herz, wenn wir ihn aufsuchen.
  • Er sagt, dass er alles tun wird, was sie sagt. Das ist auch heute denen verheißen ist, die im Namen des Herrn bitten (Joh 14,14).
  • Und er anerkennt ferner, dass sie, die sich selbst eine Magd genannt hat, eine tüchtige Frau ist (wir nennen uns „unnütze Knechte“, aber er redet nicht so).
  • Er macht darauf aufmerksam, dass es einen anderen Löser gibt. Aber das ist nicht ihre Sache. Er wird alles regeln, was damit zu tun hat. Wir dürfen Christus still vertrauen und müssen uns nicht mit dem Gesetz herumplagen.
  • Er gibt ihr direkt Nahrung, einen Segen seiner Ernte, mit. Aber es ist noch kein vollkommener Segen, es sind nicht sieben Maß. Wir dürfen uns über den Segen freuen, aber wir müssen auch daran denken, dass er uns noch mehr schenken will![2]

Fußnoten:

  1. Ruth erinnert an die syrophönizische Frau, die sich mit einem Hund vergleichen ließ und auf die Gnade Christi vertraute und von ihm anerkannt wurde. Matthäus 15.
  2. Wenn wir irgendwo und irgendwie gesegnet werden, nehmen wir das gerne als Bestätigung, dass alles richtig ist, oder wir bleiben dabei stehen. Doch die Frage ist, ob es nicht noch mehr gibt.