Ruth genoss den Segen von Boas und lernte ihn auch näher kennen (Rt 2). Sie merkte etwas von seiner Gnade. Aber noch kannte sie ihn nicht sehr gut, noch hatte sie ein eigenes Erbteil. Sie war auch kinderlos. Das sollte sich ändern: Ruth sollte die Frau von Boas werden.

Es ist gut, wenn wir den Herrn Jesus, den wahren Boas, kennen, der gnädig für uns sorgt. Aber wir sollen mehr von seiner Liebe verstehen, sollen von der Gabe zum Geber kommen. Auch dürfen wir verwirklichen lernen, dass wir Anteil am Erbe der Heiligen im Licht haben (Kol 1,12). Zudem sollen wir „viel Frucht“ für den Vater bringen (Joh 15,5.8).

Damit wir das himmlische Erbteil genießen und Frucht bringen können, muss uns aber auch klar werden, wie wir nicht dahin kommen können. An sich meinen wir zunächst nämlich immer, es käme nur auf unsere Willenskraft und unsere Anstrengung an. Wir bräuchten nur klare Regeln und dann liefe es! Aber das ist nicht so!

Nun, nach dem Gesetz gab es einen anderen Löser für Ruth als Boas (Rt 3,12). Und dieser Mann, der nicht mit Namen genannt wird, ist ein treffendes Bild von diesem Gesetz. Für Ruth stehen zwei Männer zur Auswahl: der Namenlose (das Gesetz, es ist keine Person) sowie Boas (das ist Christus). Ruth muss bei dem ganzen Prozedere im Stadttor nur zusehen (Ruth 4,1–12). Sie erkennt und lernt: Der Gesetzesmann, der zunächst einfach vorübergegangen ist (Ruth 4,1; vgl. Lk 10,31.32), ist zwar schon berechtigt, zu helfen, und auch fähig, aber weil ich so bin, wie ich bin, kann er mich nicht heiraten und es kann keine Frucht (keine Nachkommenschaft) durch ihn geben (Ruth 4,5.6).

Das Gesetz ist berechtigt, den Menschen den Weg zu Gott zu weisen und Segen zu bringen. Denn das Gesetz stammt von Gott. Es ist das Gesetz Gottes. Und den reichen Jüngling, der wissen wollte, was er zu tun habe, verwies Christus selbst auf das Gesetz (Mt 19,7). Das Gesetz würde auch Leben geben, Segen und Erbteil (Röm 7,10). Das Gesetz ist willig. Aber doch bringt es nichts zustande, weil es durch das Fleisch kraftlos ist (Röm 8,3). Das Gesetz kann nicht verändert werden, denn ansonsten würde es zerstört werden und seinen Charakter verlieren. Wir haben deshalb mit diesem Mann, diesem Löser nichts zu tun. Wir kennen aber den, in dem die Sünde verurteilt wurde (Röm 8,3); und wir sind mit dem aus dem Toten Auferweckten verbunden (bildlich dargestellt in dem aufgewachten Boas, Rt 3,8–13) und können Gott Frucht bringen (Röm 7,4).

Wir verstehen: Boas ist berechtigt, willig und fähig, uns den vollen Genuss des Erbteils und die Ruhe des Herzens und den Segen zu geben. Deshalb leben wir mit ihm und suchen seine Nähe Tag und Nacht. Wenn wir das aber nicht tun und uns doch lieber auf unsere Vorsätze, unsere Kraft und unsere To-do-Liste verlassen, dann werden wir die traurigen Erfahrungen machen, die ab Römer 7,7 beschrieben werden (das geht allerdings über das Buch Ruth hinaus, denn Ruth sieht nur zu und hat nichts mit Sünde und irgendwelchen Kämpfen zu tun).

Das Gesetz kann nichts dagegen sagen, dass Christus der Erlöser ist und uns auf dem Weg des Lebens führt. Durch den Glauben bestätigen wir, dass das Gesetz mit der Verurteilung des Sünders recht hat (Röm 3,31). Und wenn ich jetzt nach dem Geist lebe, gibt es kein Gesetz, was etwas dagegen zu sagen hat (Gal 5,25). Und deswegen sagen die zehn Ältesten (das erinnert an die zehn Gebote) nichts gegen die Heirat, sondern bestätigen sie (Rt 4,2.11).

Jetzt wird Ruth, die noch in Moab unfruchtbar gewesen war, Mutter: Sie gebiert Obed, was „Diener“ oder „Anbeter“ heißt. Das geht aus der Verbindung mit Boas hervor. Und das wird auch heute die Folge der Gemeinschaft mit Christus sein.