Es ist kein Geheimnis, dass die Ehe, so wie Gott sie gegeben hat, dem Zeitgeist immer weniger entspricht. Es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass der Widersacher Gottes von Anfang an alles versucht, die Institution Ehe immer mehr zu diskreditieren. Ehe nach Gottes Plan zu leben, wird immer mehr zur Ausnahme und damit auch zur Herausforderung.
Seit knapp zehn Jahren ist die „Ehe für alle“ in Deutschland gesetzlich legalisiert. Viele finden das gut, die meisten haben sich zumindest damit arrangiert. Richtig wird es damit nicht. Doch was jetzt auf dem Tisch liegt, geht deutlich weiter. Die Forderung ist radikal – und sie ist vermutlich bewusst provokant formuliert: Die Berliner Jusos wollen die Ehe tatsächlich abschaffen. Ein entsprechender Antrag für den SPD-Landesparteitag sorgte Anfang Mai für Aufsehen. Vor allem wirft er grundlegende Fragen auf:
Was ist Ehe eigentlich? Ein überholtes Machtinstrument – so wie es jetzt behauptet wird? Oder eine von Gott gegebene Ordnung mit bleibender Bedeutung?
Was die Jusos fordern
Der Antrag der Berliner Jungsozialisten stellt die Ehe als Institution grundsätzlich infrage. Sie wird darin als Werkzeug eines „chauvinistischen, kapitalistischen Nationalstaates“ beschrieben, das angeblich frauenfeindliche, queerfeindliche sowie rassistische Strukturen stütze. Die Ehe vertieft nach dieser Sichtweise patriarchale Machtverhältnisse und steht deshalb echter Freiheit und Selbstbestimmung im Weg – insbesondere durch ihren Anspruch auf Dauerhaftigkeit.
Als Alternative schlagen die Jusos sogenannte „Verantwortungsgemeinschaften“ vor, die unabhängig von Geschlecht, Verwandtschaft oder Personenzahl gebildet werden können. Eine solche Gemeinschaft soll lediglich beim Standesamt angezeigt werden und ist so weit wie möglich unverbindlich.
Damit geht es plötzlich nicht mehr – wie bisher – um eine Reform der Institution Ehe oder um andere Inhalte, sondern um ihre grundsätzliche Abschaffung durch ein komplett anderes Modell. Damit liegt die Axt nicht mehr an irgendwelchen Ästen, sondern direkt an der Wurzel. Welche Auswirkungen das für Menschen, die Gottes Ordnungen ernst nehmen, haben könnte, kann man sich leicht ausmalen.
Gesellschaftspolitische Einordnung
Müssen wir Christen uns Sorgen machen? Man kann natürlich argumentieren, dass dieser Vorstoß unabhängig von seiner biblischen Beurteilung erhebliche rechtliche Fragen aufwirft und aktuell schon deshalb keine Aussicht auf Erfolg hat. Die Forderung der Jusos steht im klaren Widerspruch zur geltenden Rechtsordnung in Deutschland. Artikel 6 des Grundgesetzes stellt Ehe und Familie immer noch unter den „besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“. Die Ehe ist damit nicht irgendeine soziale Konstruktion, sondern ein bewusst geschütztes Fundament des Gemeinwesens. Die Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland haben sich 1949 dabei ohne Zweifel etwas gedacht.
Also aufatmen? Ja und Nein. Zum einen muss man erkennen, dass das Verständnis von Ehe und Familie in der Gesellschaft heute zum großen Teil ein anderes ist als 1949. Zum anderen zeigt der Versuch aber, in welche Richtung es vermutlich mittel- und langfristig gehen wird. Insofern sollte man diesen Vorstoß nicht einfach innerlich ad acta legen. Es könnte der Beginn einer Entwicklung sein, biblische Ordnungen noch mehr zu diskreditieren und abzuschaffen. Der Anfang ist zumindest gemacht. Die Position ist erst einmal gesetzt.
Der Vorschlag zeigt zudem einen tiefen kulturellen Trend, der nicht neu ist: Institutionen werden zunehmend als Machtinstrumente interpretiert und nicht mehr als Ordnungen, die dem Menschen dienen und helfen. Freiheit wird dabei vor allem als Überwindung von Bindung verstanden – nicht als die Fähigkeit, sich bewusst und dauerhaft zu binden. Man wird an die Menschen erinnert, von denen Petrus schreibt, dass sie anderen Freiheit versprechen, während sie selbst „Sklaven des Verderbens“ sind (2. Pet 2,19).
Das biblische Bild der Ehe
Aus biblischer Sicht muss man den Vorstoß kaum kommentieren. Wer die Bibel ernst nimmt, weiß, dass die Ehe mehr als ein gesellschaftliches Modell ist. Sie ist eine von Gott selbst eingesetzte Ordnung, die bereits vor dem Sündenfall existierte. Schon in 1. Mose 2,24 legt Gott das Fundament der Ehe: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.“ Diesen Vers könnte man als eine Art „Magna Charta“ der Ehe bezeichnen. Die Ehe ist nicht Ergebnis menschlicher Ideen und Bemühungen, sondern Teil der Schöpfungsordnung Gottes. Wer die Ehe antastet, tastet die Ordnung Gottes an.
Das Neue Testament bestätigt und vertieft diese Linie. In Epheser 5 wird die christliche Ehe auf das höchstmögliche Niveau gehoben. Gott benutzt die irdische und zeitliche Beziehung der Ehe als eine Illustration der himmlischen und ewigen Beziehung zwischen Christus und seiner Versammlung. Damit erhält die Ehe eine geistliche Dimension, die weit über jede gesellschaftliche Zweckmäßigkeit und Ordnung hinausgeht.
Zentrale Kennzeichen der biblischen Ehe sind:
- Einheit nach Geist, Seele und Körper – nicht in Uniformität, sondern in Unterschiedlichkeit gelebt
- Verbindlichkeit – nicht als Einschränkung zu verstehen, sondern als Schutzraum
- Treue – kein Ausdruck von Zwang, sondern ein Ausdruck tiefer Liebe.
- Ergänzung von Mann und Frau – nicht als Machtstruktur, sondern in gegenseitiger Liebe und Hingabe
- Verantwortung – nicht als Last und Bürde, sondern zum Nutzen des Ehepartners (und der Kinder)
Es ist schlichtweg falsch, zu behaupten, dass die Ehe ein Mittel der Unterdrückung sei. Wer die Ehe dazu gebraucht, hat das Konzept Gottes missverstanden. Das Gegenteil ist wahr: Ehe nach Gottes Plan ist mit Liebe, Hingabe, Schutz und gegenseitigem Dienst verbunden.
Der Zeitgeist – und seine geistliche Dimension
Auffällig ist, dass die Kritik der Jusos sich besonders gegen zwei Elemente richtet: einerseits die Dauerhaftigkeit und andererseits die Ordnung. Genau diese Elemente sind jedoch elementar für das biblische Verständnis von Ehe.
Wenn Bindung grundsätzlich infrage gestellt wird und wenn natürliche Ordnungen aufgelöst und durch beliebige menschliche Konstruktionen ersetzt werden sollen, dann berührt das einen Kernpunkt des menschlichen Miteinanders, das seinen tiefsten Ausdruck in der Ehe findet. Dass aber Ordnungen gekippt werden sollen, die eigentlich als Basis einer funktionierenden Gesellschaft erkennbar sind, muss uns nicht sonderlich wundern.
Wie der Zeitgeist sich entwickelt hat – und sich weiter entwickeln wird – kann man in 2. Timotheus 3,1–4 nachlesen. Es ist der Zeitgeist, der sich von Gottes Gedanken löst und sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Dieser Zeitgeist ist alles andere als neutral. Er trägt Züge dessen, was die Bibel den „Geist des Antichristen“ nennt (1. Joh 2,18; 4,3). Dieser Geist ist eine Haltung, die sich bewusst gegen alle von Gott gegebenen Ordnungen stellt. Im Kern geht es dabei um mehr als um einzelne politische Forderungen. Es geht um eine grundsätzliche Verschiebung göttlicher Ordnungen. Die Forderung der Jusos ist nicht mehr als die Spitze eines Eisberges, der sich mehr und mehr zeigen wird. Der Mensch setzt sich mehr und mehr selbst an die Stelle Gottes und definiert neu, was angeblich gut und richtig ist.
Fazit
Die Forderung nach Abschaffung der Ehe ist mehr als ein politischer Vorstoß am Rand einer ehemaligen Bürgerpartei. Sie ist ein Symptom des tiefgreifenden kulturellen Wandels, der längst eingesetzt hat. Während die einen in der Auflösung der Ehe einen Schritt zu mehr Freiheit sehen, erkennen andere darin den Verlust eines tragenden Fundaments der Gesellschaft. Christen sehen tiefer: Es ist ein weiterer Frontalangriff gegen Gottes Ordnung. Für bibeltreue Christen ist die Ehe keine veraltete Institution, sondern eine von Gott gegebene Ordnung. Sie ist gut, erfüllend und schützend.
Gerade in einer Zeit, in der diese Ordnung zunehmend infrage gestellt wird, sind wir herausgefordert, Ehe so zu leben, wie Gott es sich gedacht hat – in Liebe, in Treue und in Verbindlichkeit. Auf diese Weise können wir immer noch „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ sein (Mt 5,13.14). Und schließlich gilt es, unseren Kindern und jungen Leuten durch Beispiel und Belehrung zu zeigen, dass Gottes Gedanken besser sind als der Zeitgeist.
