Beim Verfassen der Bibelbücher gebraucht der Heilige Geist verschiedene heilige Männer Gottes unterschiedlichen Charakters. Auch wenn jedes einzelne Wort inspiriert ist, erkennt man doch etwas von der Persönlichkeit der Schreiber. Die Schreiber selbst benutzen in ihren Texten unterschiedliche Stilmittel, um die Botschaft verständlich zu machen. In diesem Artikel geht es um eine mehrfach vorkommende Darstellungsweise im ersten Korintherbrief. Paulus stellt, geleitet durch den Heiligen Geist, einfach verständliche Beispiele vor, um dadurch allgemeingültige Grundsätze zu erklären.

  1. Der Grundsatz der Liebe, die immer Basis sein soll

„Wenn ich mit den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber nicht Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß, und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber nicht Liebe habe, so bin ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile, und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, aber nicht Liebe habe, so nützt es mir nichts“ (1. Kor 13,1–3).

In diesen Versen werden drei außergewöhnliche, extreme Eigenschaften oder Tätigkeiten vorgestellt, die tatsächlich niemand in sich vereinigt:

  • Ich könnte alle menschlichen Sprachen und sogar die der Engel reden.
  • Ich hätte Verständnis für alle Geheimnisse und eine Glaubenskraft, die Berge versetzt.
  • Ich würde meinen ganzen Besitz und sogar meinen Körper für andere hingeben.

Damit wird der Grundsatz erklärt, dass weder Reden noch innerer Besitz noch irgendein Tun für Gott wertvoll ist, wenn nicht die Liebe das Motiv ist.

  1. Der Grundsatz der Trennung von Bösen

„Überhaupt hört man, dass Hurerei unter euch sei, und zwar eine solche Hurerei, die nicht einmal unter den Nationen vorkommt: dass einer seines Vaters Frau hat“ (1. Kor 5,1).

In der Versammlung in Korinth gab es einen Mann, der außergewöhnlich böse lebte. Nicht nur religiöse Juden, sondern sogar gottlose Heiden verurteilten ein intimes Verhältnis eines Mannes mit der Frau seines Vaters. Was würde geschehen, wenn dieser Mann weiterhin inmitten der Gläubigen leben würde? Paulus erklärt das am Beispiel von Sauerteig. „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig“ (1. Kor 5,6). Das unsittliche Verhalten eines Einzelnen würde allmählich jeden moralischen Maßstab senken und zu einer allgemeinen Akzeptanz von Bösem führen. Das stünde im Kontrast zur Heiligkeit Christi, die prägend sein soll. Deshalb soll der Täter aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen werden.

Damit niemand auf die Idee kommt, die notwendige Trennung von Bösen nur auf die in der Versammlung in Korinth vorliegende Situation anzuwenden, nennt Paulus exemplarisch weitere böse Verhaltensweisen, die einen Ausschluss zu Folge haben müssen: Habsucht, Götzendienst, Trunksucht, Raub und Schmähung. Er beendet dieses Thema mit dem Satz: „Tut den Bösen von euch selbst hinaus“ (1. Kor 5,13). Diese Belehrung verhindert eine in die andere Richtung überschießende Verhaltensweise. Nicht jeder, der einmal habsüchtiges Verhalten gezeigt hat, oder einer, der einmal zu viel Alkohol getrunken hat, muss gleich hinausgetan werden. Für den Ausschluss muss die betreffende Person als „Böser“ gekennzeichnet sein.

Mit der Nennung der besonders krassen Form der Hurerei stellt Gottes Wort uns den Grundsatz vor, dass eine vollständige Trennung von Menschen nötig ist, die ein christliches Bekenntnis haben und inmitten der Geschwister der örtlichen Versammlung leben, aber durch böses Verhalten gekennzeichnet sind. 

  1. Grundsätze über die Gemeinschaft am Tisch des Herrn

„Ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein und des Dämonen Tisches“ (1. Kor 10,21). Jeder, der dem Herrn Jesus angehört, wird zustimmen, dass es kaum eine größere Diskrepanz in Bezug auf Gemeinschaft geben kann, als am Tisch des Herrn zu sein und dann am Tisch der Dämonen. Es muss eine vollständige Trennung vom Bösen geben.

Als der Heilige Geist Paulus dies niederschreiben ließ, wusste er, dass viele Gläubige in den nachfolgenden Jahrhunderten nie mit einem Dämonen-Tisch zu tun haben würden, so wenig wie die meisten von uns in Europa. Doch benutzt er diese leicht verständliche Darstellung, um grundlegende Hinweise über Gemeinschaft am Tisch des Herrn zu geben.

Im Abschnitt von 1. Korinther 10,14–22 setzt der Schreiber voraus, dass die Leser mit den Opfervorschriften des Friedensopfers in 3. Mose 7 vertraut sind. In der Übertragung auf uns ergibt sich sehr deutlich, dass die Teilnahme am Brotbrechen uns in Verbindung mit dem Herrn und untereinander bringt, da wir ein Leib sind.

Es geht nicht um individuelle Reinheit wie in 1. Korinther 11,28, sondern um die Verbindungen, die wir haben. Das gemeinsame Essen bringt in Gemeinschaft mit dem System oder der Ordnung der Anbetung, denn äußere Gemeinschaft drückt innere Verbindung aus. So wenig, wie es (moralisch gesehen) möglich ist, mit einem Götzenopfer zu tun zu haben, so wenig ist Gemeinschaft am Tisch des Herrn mit jemandem möglich, der Systemen mit unbiblischen Regeln anhängt.

Paulus nimmt also das einfach verständliche Beispiel des Essens von Götzenopfern und dem Tisch der Dämonen, um aufzuzeigen, dass Gemeinschaft am Tisch des Herrn mit solchen Gläubigen grundsätzlich unmöglich ist, die eine Art von Gemeinschaft praktizieren, die im Widerspruch zu Gottes Wort steht.

  1. Grundsätze beim Reden zur Erbauung der Versammlung

Im 1. Korinther 14 wird viel über das Reden in Sprachen erklärt. Das war ein aktuelles Problem in der Versammlung in Korinth und bedurfte einer Klärung. Doch der Brief ist nicht nur an diese eine Versammlung gerichtet, sondern an „alle, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen“, und damit auch an uns heute. Dabei wusste Gott der Heilige Geist, dass das Reden in Sprachen nur eine Wunderwirkung der Anfangszeit des Christentums sein und erlöschen würde. Die wesentliche Belehrung dieses Kapitels ist also nicht die Besonderheit des Redens in fremden Sprachen, sondern eine grundsätzliche Erklärung über das Zusammenkommen der Gläubigen. „Alles geschehe zur Erbauung“ (1. Kor 14,26). Am Beispiel des Redens in Sprachen werden Hinweise gegeben, wie dieses Ziel, die Erbauung der Versammlung, erreicht wird.

  • Die Rede muss verständlich sein (1. Kor 14,9). Die Masse der Zuhörer muss sowohl die Sprache als auch den Inhalt akustisch und inhaltlich verstehen können.
  • Alles muss für den Verstand nachvollziehbar sein (1. Kor 14,14–19).
  • Es gibt kein Durcheinander, sondern es geschieht in Frieden (1. Kor 14,26–33).
  • Die Frauen nehmen ihren gottgegebenen Platz ein und schweigen (1. Kor 14,34–36).

In diesem Kapitel wird am Beispiel des Redens in Sprachen aufgezeigt, wie jede Äußerung in den Zusammenkünften zur Erbauung der Versammlung sein soll.

Diese Hinweise erheben nicht den Anspruch einer Auslegung der genannten Kapitel. Sie sollen das Augenmerk auf den besonderen Schreibstil richten und dazu anregen, die aufgezeigten Themen in ihrem Zusammenhang zu lesen und über die praktische Anwendung in unserem Glaubensleben nachzudenken.