Als unser Herr auf der Erde war, sagte Er einmal zu den Juden: „Ihr erforscht die Schriften … und sie sind es, die von mir zeugen“ (Joh 5,39). Wir dürfen – und müssen – also damit rechnen, im Alten Testament Zeugnisse über den Herrn Jesus zu finden.
Auf den ersten Blick scheint das im Buch Jona nicht der Fall zu sein. Es gibt keine direkte Weissagung über Ihn. Doch der Schein trügt. J.N. Darby schreibt: „Wir finden in der Geschichte Jonas eine Darstellung der Geschichte der Juden, … in gewisser Hinsicht sogar derjenigen des Messias, nur dass Christus sich in Gnade in die Stellung eines Zeugens auf dieser Erde begab und sich in dieser Stellung stets als vollkommen erwies“ (J.N. Darby, Synopsis). Dieses Zitat macht deutlich, dass die Geschichte Jonas mehr beinhaltet, als wir vielleicht auf den ersten Blick denken. Sie ist nicht nur historisch zu verstehen und praktisch anzuwenden, sondern sie zeigt prophetisch etwas von der Geschichte Israels und weist zugleich auf Christus selbst hin. Das ist eine besondere Gnade, die diesem untreuen Propheten sozusagen posthum gegeben wird. Der untreue Diener und Prophet Jona lehrt uns etwas über den vollkommenen Diener und Propheten Jesus.
Obwohl es also auf den ersten Blick anders erscheinen mag, lernen wir im Buch Jona tatsächlich etwas über die Herrlichkeit unseres Herrn. Er selbst erklärt das so:
„Denn so wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein“ (Mt 12,40).
Christus bezieht also die drei Tage Jonas im Bauch des Fisches eindeutig auf seinen Tod und seine Auferstehung. Diese Aussage widerspricht nicht dem, was die Evangelien über den zeitlichen Ablauf von Tod und Auferstehung des Herrn sagen. Er wurde am Freitagnachmittag begraben und hat das Grab am Sonntagmorgen siegreich verlassen. Weil die Juden jeden angefangenen Tag als „Tag und Nacht“ zählen, sind das tatsächlich nach ihrem Verständnis „drei Tage“. So wie Jona für einige Tage völlig von der Bildfläche verschwand, so war unser Herr vor seiner Auferstehung in den „unteren Teilen der Erde“ (Eph 4,9).
Der Herr spricht in Verbindung mit seinem Tod und seiner Auferstehung von dem „Zeichen Jonas“ (Mt 12,39). Es schließt ein, dass nach seinem Tod und seiner Auferstehung die Botschaft vom Heiland-Gott allen Nationen verkündigt werden sollte. Sein Tod und seine Auferstehung sind die Grundlage für die Rettung von Nationen und der Juden.
Allerdings weist unser Herr ausdrücklich darauf hin, dass Er mehr als Jona ist. Er sagt ganz deutlich: „Und siehe, mehr als Jona ist hier“ (Mt 12,41; Lk 11,32). Es gibt Parallelen zwischen den beiden, die Kontraste sind allerdings ebenso deutlich sichtbar:
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Jona war am Anfang ein unbrauchbarer Zeuge. Er war ungehorsam und floh vor Gott. Er musste erst von Gott zubereitet werden. Der Herr Jesus war immer gehorsam. Er tat den Willen Gottes von Herzen. Er ist „der treue Zeuge“ (Off 1,5), der immer aus der Gemeinschaft mit Gott heraus handelte.
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Jona hatte eine Botschaft des Gerichts. Unser Herr hatte, als Er auf diese Erde kam, eine Botschaft zum Heil (Joh 3,17). Er wird einmal der Richter sein, doch als Er zum ersten Mal auf die Erde kam, kam Er als Retter. In ihm wird die „herzliche Barmherzigkeit“ sichtbar (Lk 1,78).
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Jona predigte einer einzigen Stadt. Der Herr Jesus kam zu allen, die das Heil Gottes nötig haben (Tit 2,11). Wie die Niniviten waren die Menschen, zu denen Er kam, große Sünder. Jeder dieser Sünder, der die Botschaft annimmt und Buße tut, empfängt Gnade und Barmherzigkeit.
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Jona war unwillig, wenn er an den Segen für die Heiden dachte. Er gönnte ihnen die Gnade nicht. Der Herr Jesus hingegen kam freiwillig, und Er hatte ein Verlangen danach, dass alle Menschen unter den Segen Gottes kommen sollten. Er war – und ist – der „Heiland der Welt“ (Joh 4,42; 1. Joh 4,14).
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Jona „opferte“ sich für andere. Sein vermeintlicher Tod bedeutete tatsächlich die Rettung für die Seeleute. Sein „Opfer“ war allerdings die Folge seiner eigenen Sünde. Er hatte den Tod verdient. Bei unserem Herrn war das völlig anders. Er hat sich als der Unschuldige für solche geopfert, die schuldig waren. Jona war schuldig und starb für Unschuldige. Jesus war unschuldig und starb für Schuldige (1. Pet 3,18).
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Jona starb nicht. Er wurde verschont. Darin gleicht er in einem gewissen Sinn Isaak in 1. Mose 22, für den ein Ersatz gefunden wurde. Unser Herr musste tatsächlich in den Tod gehen. Für Ihn gab es keine Schonung und keinen Ersatz. Er hat den Tod „geschmeckt“ (Heb 2,9).
Wenn wir diese Parallelen – und zugleich die Unterschiede – zwischen Jona und dem Herrn vor Augen haben, verstehen wir gut, dass es legitim ist, Jonas Gebet in Jona 2 auf unseren Herrn anzuwenden. So wie Jona in großer Not war und aus dem „Schoß des Scheols“ zu Gott schrie, so war unser Herr in viel größerer Not. Die Ähnlichkeit von Jona 2 mit verschiedenen Stellen aus den Psalmen ist augenscheinlich.
Petrus schreibt, dass der Heilige Geist durch die Propheten des Alten Testamentes „von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach zuvor zeugte“ (1. Pet 1,11). Das Buch des Propheten Jona macht da keine Ausnahme. Es lohnt sich, das kleine Buch unter diesem Gesichtspunkt noch einmal in Ruhe zu überdenken.
