Die „Frau Jesabel“ steht im Sendschreiben an Thyatira als Symbol für ein böses, anmaßendes System, das innerhalb des christlichen Zeugnisses seinen Einfluss geltend macht (Off 2,20). In Pergamus gab es manche, die eine von außen eindringende, verführerische Lehre festhielten. Doch in Thyatira ist es eine „Frau“, die im Innern der Kirche zu einer verführerischen Quelle des Bösen wird. Sie hat (bis heute) „Kinder“, das heißt solche, die durch ihren Einfluss innerhalb der Kirche groß geworden sind, die die bösen Einflüsse selbst übernehmen und weiterverbreiten.
Thyatira steht für die Kirche im Mittelalter (ca. 600 bis 1600 n.Chr.). In der historischen Person Isebels, der Frau Ahabs finden wir bemerkenswerte Parallelen zu der Entwicklung dessen, was sich im Mittelalter Kirche nannte.
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Isebel war eine Heidin, die durch ihre Heirat Zugehörigkeit zum Volk Gottes beanspruchte, aber ihre heidnischen Gedanken nie aufgab (1. Kön 16,31; 21,25). – Unter dem Papsttum fanden viele heidnische Elemente ihren Einzug in die Kirche, die nach Gottes Gedanken in der Versammlung nichts zu suchen haben (Weihrauch, Feiertage, Personenverehrung, Bilderdienst, etc.).
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Isebel beherrschte Ahab nach Belieben und verleitete das ganze Volk zum Götzendienst (1. Kön 21,25). – Die Kirche maßte sich zunehmend politische Autorität und Einmischung an und setzte ihre Lehren notfalls mithilfe weltlicher Regierungen durch.
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Hunderte Propheten Baals aßen an Isebels Tisch (1. Kön 18,19). – Im Sendschreiben an Thyatira wird über die Frau Jesabel gesagt, dass sie sich Prophetin nennt und dass sie „lehrt und verführt“. – Die Kirche, die nach Gottes Gedanken belehrt wird (Eph 4), schwang sich zur Lehrerin mit göttlicher Autorität auf. Sie stellte die kirchliche Tradition und Dogmatik auf eine Stufe mit dem Wort Gottes, gab den Äußerungen des Papstes den Status der Unfehlbarkeit und entzog dem einfachen Volk die Bibel. Irrtum und Verführung waren damit Tür und Tor geöffnet.
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Isebel tötete die Propheten (1. Kön 18,4). – Die Kirche im Mittelalter verfolgte und tötete viele, die sich ihren Lehren widersetzten und treu auf der Seite Gottes standen.
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Isebel setzte zur Befriedigung ihrer Habsucht Lüge und Mord ein, wie es das Ergehen Naboths zeigt (1. Kön 21). – Die Kirche häufte durch Ablasshandel, Fegefeuer und andere Lügen gewaltiges Vermögen an. Soldaten der Kreuzzüge vermachten der Kirche für den Fall ihres Todes ihr Vermögen für ihr Seelenheil, und viele von ihnen starben im Kampf.
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Isebel wird von Jehu sogar der Zauberei bezichtigt (2. Kön 9,22). – Auch die Kirche öffnete sich für Okkultes und Mystisches (Marienerscheinungen, Reliquien, Exorzismus, Schutzpatrone, Transsubstantiation, etc.).
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Isebel wird schließlich mit geschminkten Augen und geschmücktem Haupt von zwei, drei Politikern aus dem Fenster gestürzt und stirbt (2. Kön 9,30–37). – So wird das, was sich schließlich aus Thyatira, der Kirche unter dem Papsttum, entwickelt, in der Offenbarung „Babylon, die große, die Mutter der Huren“ genannt. Auch in Zukunft ist sie immer um die Weltherrschaft bemüht (Off 17,3.5). Aber gerade die Politiker, über die sie Herrschaft beansprucht, werden sich ihrer Gewalt entledigen (Off 17,16). Wie man einen Mühlstein ins Meer wirft, wird sie schließlich „mit Wucht niedergeworfen werden und nie mehr gefunden werden“ (Off 18,21). Danach tritt die wahre Kirche, die Braut des Lammes, in Erscheinung (Off 19,2.7).
Es gibt weitere, sehr bemerkenswerte Parallelen zwischen der Geschichte Isebels und dem Sendschreiben an Thyatira: So wie Gott den Führer in Israel, den König Ahab, verantwortlich macht, den Götzenkult Isebels geduldet zu haben (1. Kön 18,18), so wendet sich Gott an die geistliche Führung Thyatiras, den „Engel der Versammlung“, und wirft ihm vor, die Frau Jesabel zu dulden. Die Knechte Gottes, die aus Angst oder Gleichgültigkeit nicht vom Treiben Jesabels getrennt sind und von ihr verführt werden, obwohl es sich um wahre Gläubige handelt (Off 2,20), finden ihr alttestamentliches Pendant in Obadja. Er war sehr gottesfürchtig und diente doch Ahab und Isebel (1. Kön 18,3–6). Für die „Kinder Jesabels“, die die Machenschaften ihrer Mutter übernehmen und weiterführen, finden wir ein Beispiel in Isebels Sohn Ahasja, von dem es ausdrücklich heißt, dass er auf dem Weg seiner Mutter wandelte. Auch er verfolgte den Propheten Gottes und Gott „warf“ ihn dafür zuerst in das „Bett“ und „tötete“ ihn dann „mit dem Tod“ (1. Kön 22,52–54; 2. Kön 1; Off 2,22.23).
Doch wie Gott in der Zeit Isebels einen Überrest von 7000 hatte, die dadurch gekennzeichnet waren, dass sie „sich nicht vor dem Baal gebeugt haben“ (1. Kön 19,18), so hat Gott in Thyatira auch solche „Übrigen“, von denen Er sagen kann, dass sie „diese Lehre nicht haben“. Und er legt ihnen, die es in dieser bösen Umgebung so schwer haben, keine andere Last auf, als das festzuhalten, was sie haben, bis Er kommt (Off 2,24–25).
