Im Winter 1942/43 saßen Tausende deutsche Soldaten in den Ruinen von Stalingrad eingeschlossen fest. Bei Tagesrationen von zwei Scheiben Brot und Temperaturen bis minus 40 Grad bestimmten Hunger, Kälte, Verwundungen, Angst und der tägliche Tod von erschöpften Kameraden ihr Leben. Viele wussten, dass sie die Heimat niemals wiedersehen würden. Inmitten dieser ausweglosen Lage schrieb Herbert Sack die Worte des Liedes „Erscheinen meines Gottes Wege“. Es wird berichtet, dass ein Kamerad den Text an sich nahm und 1953 aus der russischen Gefangenschaft nach Deutschland mitbrachte. Herbert Sack selbst kehrte nicht von dort zurück, aber diese Zeilen sind ein stilles Zeugnis eines Glaubens, der selbst im Dunkel daran festhält, „dass Gott nie einen Fehler macht“. Und dieses Zeugnis spricht bis heute.
Erscheinen meines Gottes Wege
mir seltsam, rätselhaft und schwer,
und gehen Wünsche, die ich hege,
still unter in der Sorgen Meer:
Will trüb und schwer der Tag verrinnen,
der mir nur Schmerz und Qual gebracht,
dann darf ich mich auf eins besinnen:
dass Gott nie einen Fehler macht!
Wenn mir zu hoch des Herrn Gedanken,
zu tief die Brunnen seiner Huld,
wenn alle Stützen haltlos wanken,
die Kraft mir fehlt und die Geduld,
wenn gar mein Blick kein Ziel mehr findet,
in banger tränenreicher Nacht –
ein Glaubensfünkchen dennoch kündet:
dass Gott nie einen Fehler macht!
Wenn über ungelösten Fragen
mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,
an Gottes Liebe will verzagen,
weil sich der Unverstand erhebt,
dann darf ich all mein müdes Sehnen
in Gottes Rechte legen sacht
und leise sprechen unter Tränen:
dass Gott nie einen Fehler macht!
Drum still, mein Herz, und lass vergehen,
was irdisch und vergänglich heißt,
im Lichte droben wirst du sehen,
dass gut die Wege, die Er weist.
Und müsstest du dein Liebstes missen,
ja ging’s durch kalte, finstre Nacht,
halt fest an diesem selgen Wissen:
dass Gott nie einen Fehler macht!
