Der Hebräerbrief ist der einzige Brief, der über das Hohepriestertum Christi spricht. Der Brief stellt besonders heraus, wie überragend dieses Priestertum gegenüber dem levitischen Priestertum ist. Die Tätigkeit des Hoherpriesters wird relativ wenig berührt. Aber wir erkennen:

Der Hohepriester hat am Kreuz auf Golgatha die Sühnung für Sünden vollbracht. Das hatte mit dem aaronitischen Priestertum nichts zu tun. Denn das wurde von solchen gebracht, die zum Stamm Levi gehörten, und sie brachten immer wieder neue Opfer dar. Christus (aus dem Stamm Juda kommend) hat einmal ein vollgültiges Opfer gebracht, er hat sich selbst gegeben.[1]

Der Hohepriester Jesus übt heute seinen Priesterdienst im Himmel aus. Er ist der Sohn Gottes, der im Himmel mit seinen ganzen menschlichen Erfahrungen ist. Das versetzt ihn in die Lage, Mitleid zu haben (Heb 4,15), zu helfen (Heb 2,18) und völlig hindurch zu erretten (Heb 7,25). Er steht uns in den Prüfungen und Herausforderungen bei, die es hier auf der Erde für solche gibt, die den Weg des Gehorsams gehen wollen. Er tröstet, warnt uns, stärkt uns und zieht die Blicke auf sich, so dass wir nicht müde werden.

Der Hohepriester tritt aber auch vor Gott, er erscheint vor dem Angesicht Gottes zu unseren Gunsten (Heb 9,24). Er ist dort, um sich für uns zu verwenden (Heb 7,25). Wir sind schwache Menschen, die oft in großer Not sind und die eine schwache Anbetung darbringen. Aber weil unser Priester sich mit unseren Gebeten einsmacht, werden sie angenehm vor Gott. Das gibt uns Freimütigkeit zum Eintritt ins Heiligtum (Heb 4,16 und 10,10). Und selbst, wenn wir nicht zu Gott kommen, verwendet sich der Hohepriester beständig für uns, damit uns Gnade und Barmherzigkeit zuströmt.

Wir sollten dankbarer sein für diesen Priesterdienst im Himmel!


Fußnoten:

  1. Es wird oft gesagt, dass Christus deshalb auf der Erde auf das Kreuz erhöht wurde, weil er auf der Erde kein Priester sein konnte. Das mag einerseits eine bemerkenswerte und schöne Anwendung sein, aber es trifft nicht den Kern von Hebräer 8,4. Dort geht es darum, dass er kein aaronitisches Priestertum auf der Erde ausüben konnte, weil er nicht dem Stamm Levi entsprossen war. Es muss ein Priestertum einer ganz anderen Ordnung sein. Und als solcher Priester hat er am Kreuz Sühnung getan und heute übt er seinen eigentlichen Priesterdienst im Himmel aus, nach der Ordnung Melchisedeks. Und einmal wird er wiederkommen und nach der Weise Melchisedeks seinen Priesterdienst ausüben. (Und bei Melchisedek sehen wir, dass man sehr wohl einen Priesterdienst auf der Erde ausführen kann, wenn man nicht zum Stamm Levi gehört.)