In der Schrift gibt es mehrere Ich-Kapitel. Damit sind Abschnitte gemeint, in denen es besonders stark um die eigene Person geht und die Ich-Pronomina dicht gedrängt vorkommen.
Einige Kapitel sind dafür besonders markant. Die folgende Übersicht zeigt vier auffällige Beispiele auf Basis der gezählten Ich-Referenzen in der Elberfelder Übersetzung.
Prediger 2: 72
Hiob 29: 50
Römer 7: 50
Philipper 3: 25
Römer 7: Das Ich und die Niederlagen
In Römer 7 begegnet uns ein Mensch, der mit sich selbst beschäftigt ist. Er denkt ständig daran, wie er den Kampf gegen die Sünde verliert und immer tiefer in den Strom des Versagens hineingezogen wird. Er tut das, was er nicht will, und erlebt sich als Sklaven der Sünde. Darum ruft er aus: „Ich elender Mensch!“
Ist das nicht die Erfahrung, die gerade jüngere Menschen machen?
Prediger 2: Das Ich und die Ernüchterung
In Prediger 2 erscheint Salomo als einer, der detailliert aufzählt, was er alles unternommen und erreicht hat. Doch am Ende muss er feststellen, dass ihn das alles innerlich nicht ausfüllt und keinen bleibenden Gewinn bringt. Die ernüchternde Schlussfolgerung lautet, dass alles Eitelkeit und ein Haschen nach Wind ist.
Ist das nicht eine Erfahrung, die viele Menschen in der Mitte des Lebens machen?
Hiob 29: Das Ich und die Enttäuschung
In Hiob 29 steht ein Mensch vor uns, der wehmütig auf die Vergangenheit zurückblickt. Er zählt auf, was er einst genießen durfte und was er nun verloren hat. In Hiob 30 schlägt die Erinnerung in Bitterkeit um, und der frühere Glanz wird vom gegenwärtigen Elend überschattet.
Ist das nicht etwas, das gerade ältere Menschen oft beschäftigt?
Philipper 3: Vom Ich zu Christus
Paulus hatte eine beeindruckende Vergangenheit aufzuweisen: Abstammung, religiöse Prägung, Eifer und einen untadeligen Wandel nach dem Gesetz. Dennoch erklärt er diese Vorzüge für Verlust und sogar für „Dreck“ gegenüber der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu. Das ist keine Ernüchterung über irdische Dinge und kein Wehmut über deren Verlust. Das ist kein Ringen mit dem eigenen Ich. Es ist die Freude eines Menschen, der etwas gefunden hat, das sein Herz wirklich erfüllt: Christus.
Ist das nicht eine Erfahrung, die wir alle machen können?
