Joseph – der Mann Marias, der rechtliche Vater des Herrn Jesus – ist eine interessante, aber oft wenig beachtete Person in der Bibel. Sein Namensvetter aus dem ersten Buch Mose ist deutlich bekannter. Zudem steht Joseph zumeist ein wenig im Schatten seiner Frau Maria – der Mutter des Menschen Jesus.
Was auffällt, ist die Tatsache, dass die Bibel kein einziges Wort berichtet, das Joseph gesprochen hat. Und doch spricht sein Leben zu uns. Joseph war nicht prominent und laut. Er war ein einfacher Zimmermann, der seiner täglichen Arbeit nachging und sonst nicht viel auffiel. Aber er glaubte Gott, war gerecht und gehorsam und achtete das Gesetz. Gott benutzte ihn, um der Ehemann der Frau zu sein, die den Messias zur Welt brachte.
Wer Joseph betrachtet, sieht niemanden, der in der ersten Reihe steht, sondern jemanden, der still und gerecht ist. Gerade in einer Zeit, in der viele sich selbst verwirklichen wollen, statt Gott zu dienen, ist Joseph ein prägendes Vorbild. Ein Mann nach dem Herzen Gottes.
1. Herkunft und Familie
Joseph stammte aus königlichem Geschlecht. Er war – ebenso wie seine Frau Maria – ein Nachkomme Davids (Mt 1,16). Allerdings wurde er zu einer Zeit geboren, in der damit weder politische Macht noch irdischer Reichtum verbunden war. Joseph stammte zwar aus Bethlehem (wie sein Vorvater David), lebte aber in Nazareth, einer verachteten Stadt in Galiläa (Lk 2,4; Mt 2,23). Sein Name bedeutet „Gott möge hinzufügen“.
2. Beruf und soziale Stellung
Joseph wird in der Bibel als „Zimmermann“ bezeichnet (Mt 13,55). Das entsprechende Wort im Grundtext kann auch allgemein „Handwerker“, „Bauarbeiter“ oder „Tischler“ bedeuten. Joseph war also ein einfacher – wahrscheinlich fleißiger – Mann mit einem Handwerksberuf und einer bescheidenen gesellschaftlichen Stellung. Als der Sohn Gottes geboren wurde, geschah das in ärmlichen Verhältnissen. Als Joseph und Maria ein Schlachtopfer für ihren Erstgeborenen geben sollten, reichte es gerade für ein Paar Tauben (Lk 2,24).
Joseph war kein gebildeter Theologe, aber ein gottesfürchtiger Mann, den wir zu dem gläubigen Überrest zählen können (so wie er z.B. in Mal 3,16 erwähnt wird). Jedenfalls hielt er sich an das Gesetz.
3. Charakter und geistliches Profil
Wenn wir die verschiedenen Stellen anschauen, wo Joseph erwähnt wird, bekommen wir ein Bild dessen, was ihn prägte und worin er uns heute ein Beispiel gibt:
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Joseph war gerecht: Matthäus schreibt sehr schlicht und einfach, wie Gott über Joseph dachte: Er war ein gerechter Mann (Mt 1,19). Joseph war nicht selbstgerecht oder gesetzesgerecht, sondern lebte in Übereinstimmung mit Gott. Es geht um praktische Gerechtigkeit, das heißt um ein Leben, über das Gott sich freut und das Ihn ehrt. Das erinnert an andere Glaubensmänner – wie zum Beispiel Noah, Daniel und Hiob –, die in schwierigen Umständen zur Ehre Gottes lebten und als „gerecht“ bezeichnet werden (vgl. Hes 14,14). Wir lernen für uns: Gottes Urteil über unser Leben zählt mehr als die Zustimmung der Menschen.
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Joseph war schweigsam und blieb im Hintergrund: Wie bereits erwähnt, überliefert der Bibeltext kein einziges Wort, das Joseph gesprochen hat. Doch Schweigen ist nicht gleich Untätigkeit. Noah wird „Prediger der Gerechtigkeit“ genannt (2. Pet 2,5) und auch von ihm wird nichts darüber gesagt, was er gepredigt hat. Josephs Leben spricht durch andere Qualitäten: durch Gehorsam und Treue. Er lehrt uns, dass man Gott treu dienen kann, ohne ein „Lautsprecher“ zu sein und im Rampenlicht zu stehen. Gott gebraucht auch die, die leise und treu ihren Platz ausfüllen.
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Joseph war rücksichtsvoll und barmherzig: Als Joseph erfährt, dass seine Verlobte Maria schwanger ist, weiß er, dass das Kind nicht von ihm sein kann. Er hätte – nach damaligem Recht – die Verbindung annullieren oder sogar auf eine öffentliche Strafe drängen können (5. Mo 22,23.24). Doch er wollte sie nicht bloßstellen, sondern plante, sie „heimlich zu entlassen“ (Mt 1,19). Er wollte sie nicht gesellschaftlich ächten und ihr rechtliche Konsequenzen ersparen.
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Joseph war voll Vertrauen: Er glaubte Gott. Das ist mehr, als zu wissen, dass Gott existierte. Joseph glaubte – und handelte entsprechend. Sein Glaube zeigte sich in Gehorsam. Als der Engel ihm im Traum erscheint, stellt er keine Rückfragen (vgl. Mt 1,20–24). Keine „Was, wenn, wie, warum …?“ Kein Zögern und Abwägen. Im Gegenteil: Joseph hört und gehorcht. Sein Glaube ist tief und praktisch. Er gibt damit ein Beispiel für einen Glauben, der nicht diskutiert, sondern Gott gehorcht. Glauben zeigt sich nicht in Worten, sondern in Entscheidungen.
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Joseph war gesetzestreu: Als der Sohn Gottes in der Fülle der Zeit geboren wurde, geschah dies „unter Gesetz“ (Gal 4,4). Joseph war an dieses Gesetz gebunden und hielt sich daran – zusammen mit Maria. Lukas 2 berichtet, wie sie alles taten, was das Gesetz vorschrieb, obwohl es mit erheblichem Aufwand verbunden war. Doch es gab kein Zögern, das zu tun, was Gott gesagt hatte. Ihr Gehorsam führt dazu, dass sie im Tempel die Weissagung des Simeon hörten (Lk 2,21–35). Für Joseph (und Maria) war das eine besondere Offenbarung. Wir leben nicht mehr in der Zeit des Gesetzes, sondern „unter Gnade“. Und dennoch lernen wir von Joseph, dass es sich lohnt, den Anweisungen Gottes zu folgen.
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Joseph war fürsorglich und liebend, ein Diener seiner Familie: Joseph ist oft der Übersehene an der Krippe. Aber Gott hat gerade ihn ausgesucht, um den Menschen Jesus Christus großzuziehen. Das ist sicher kein Zufall! Joseph schützt, er führt und er versorgt. Er führt Maria sicher nach Bethlehem. Er steht ihr bei in der Not der Geburt. Er flieht mit ihr nach Ägypten und er sichert die Rückkehr nach Hause. Er lehrt den Sohn seiner Frau das Zimmermannshandwerk und kümmert sich um ihn. Das alles geschieht im Hintergrund. Joseph ist ein stiller Diener seiner Familie. Wir lernen, dass Liebe und Fürsorge sich nicht so sehr in großen Worten zeigen, sondern in treuem Dienen. Von ihm können Ehemänner, Väter und Diener im Volk Gottes lernen, was gute Fürsorge beinhaltet.
4. Seine Rolle im Leben von Jesus Christus
Die Menschen gingen davon aus, dass Joseph der biologische Vater von Jesus Christus war (Lk 3,23; Joh 1,45; 6,42). Tatsächlich war Er aber nicht von Joseph, sondern vom Heiligen Geist gezeugt. Joseph wusste das (Mt 1,20). Dennoch galt er als der gesetzliche Vater des Sohnes der Maria. Maria bezeichnet ihn selbst so (Lk 2,48) und auch der Heilige Geist tut das (Lk 2,33). In dieser Funktion trug er die Verantwortung und hatte die Aufgabe, dem Gesetz entsprechend mit Jesus zu handeln. So ging er mit Maria und dem Kind zum Tempel nach Jerusalem (Lk 2,22). Der gleiche Text sagt uns, dass nicht nur Maria nach ihrem Sohn suchte, als er in Jerusalem geblieben war, sondern auch Joseph (Lk 2,44). Wenig später lesen wir, dass das Kind (der Knabe) seinen Eltern untertan war (Lk 2,51). Es ist außerdem anzunehmen, dass Joseph seinem Erstgeborenen das Handwerk des Zimmermanns beibrachte (Mt 13,55). Unser Herr wuchs somit in einer echten Familie auf, in der Joseph in jeder Hinsicht Lehrer und Vorbild für den war, der zugleich der Sohn Gottes ist.
5. Joseph und Maria
Joseph war mit Maria verlobt, bevor sie schwanger wurde. Als er davon erfuhr, wollte er sich „heimlich von ihr trennen“, um sie nicht öffentlich bloßzustellen (Mt 1,19). Doch ein Engel erklärte ihm im Traum, dass das Kind vom Heiligen Geist gezeugt worden war (Mt 1,20–21). Joseph gehorchte dem Ruf Gottes, nahm Maria zur Frau, lebte jedoch zunächst keine eheliche Beziehung mit ihr (Mt 1,25). Später hatte das Paar offenbar weitere Kinder (vgl. Mt 13,55–56). Damit irrt die kirchliche Tradition, die besagt, dass Maria immer Jungfrau geblieben ist. Beide werden ein paarmal zusammen erwähnt und man gewinnt den Eindruck, dass sie eine gute Ehe miteinander führten und gemeinsam Verantwortung für ihre Kinder übernahmen.
6. Späteres Leben und Tod
Die Evangelien berichten nichts weiter über Joseph, als was mit der Geburt und Kindheit des Herrn Jesus verbunden ist. Der letzte historische Bericht steht in Lukas 2, wo der Knabe Jesus zwölf Jahre alt ist. Danach wird nichts mehr über ihn berichtet, außer der Tatsache, dass die Juden wussten, wie sein vermeintlicher Vater hieß (Joh 6,42). Daraus kann man schließen, dass Joseph nicht mehr lebte, als unser Herr öffentlich auftrat und seinen Dienst begann (Lk 3,23). Die Frage aus Markus 6,3, ob dieser nicht „der Zimmermann“ ist „der Sohn der Maria und ein Bruder von Jakobus und Joses und Judas und Simon“, deutet in die gleiche Richtung. Von Joseph ist dort keine Rede mehr. Gleiches gilt für die Tatsache, dass bei der Kreuzigung nur Maria erwähnt wird, Joseph hingegen nicht. Warum sollte Maria der Fürsorge des Johannes befohlen werden, wenn ihr Ehemann noch lebte (Joh 19,26–27)? Es gibt keine biblischen Angaben über den Ort oder die Umstände seines Todes. Die existierenden außerbiblischen Überlieferungen sind mehr als spekulativ.
Fazit
Joseph ist ein Vorbild für stille Glaubenshelden. Er war kein König, kein Prophet und kein Apostel. Er stand nicht in der ersten Reihe. Aber er war ein Mann, der gottesfürchtig und gerecht war, ein Mann, der Gott vertraute, für seine Frau da war und dem Kind Jesus ein Zuhause gab. Er scheint kein Mann großer Worte gewesen zu sein, aber ein Mann großer Taten im Kleinen. Aber Gott sucht auch nicht die Lautesten, die Bekanntesten und die Einflussreichsten. Er sucht die Treuen. Joseph setzt ein Zeichen, und das umso mehr in einer Zeit, in der viele Menschen – auch Christen – nach Aufmerksamkeit, Erfolg oder Bedeutung streben.
Gottes Urteil über ihn lautet: Der Mann von Maria war gerecht (Mt 1,19).
Ein einfacher Satz – und doch prägt er das Leben dieses Mannes.
