„Und nun vergib doch die Übertretung der Knechte des Gottes deines Vaters! Und Joseph weinte, als sie zu ihm redeten“ (1. Mo 50,17).

Die Botschaft, die seine Brüder an Joseph sandten, zeugt von ihrer völligen Unwissenheit, was sein Herz anging. Es fehlte ihnen an Vertrauen zu ihm. Schlimmer noch: Sie versuchten, ihren Unglauben und ihr Misstrauen im Blick auf Joseph zu verstecken, indem sie vorgaben, dass sie nur den letzten Willen ihres Vaters ausführen wollten (1. Mo 50,16).

Man kann kaum glauben, dass Jakob ihnen solche Worte tatsächlich aufgetragen hatte. Die Brüder hatten völlig vergessen, dass Joseph ihnen längst ihre vergangenen Taten vergeben hatte. Sie versuchten nun erneut, seine Vergebung zu erlangen. Trotz der Barmherzigkeit und der Liebe, die Joseph ihnen erwiesen hatte, brachte ihr schlechtes Gewissen sie dahin, zu glauben, dass Joseph noch etwas gegen sie hatte.

Ähnlich kann es uns ergehen. Wir könnten denken, dass der Herr gegen uns sei, wenn wir nicht nah bei Ihm sind und wenn wir noch nicht wirklich erkannt haben, was in seinem Herzen ist. Die Sünde, unser Versagen oder ein nachlässiger, oberflächlicher Wandel können uns dahin führen, dass wir meinen, Er sei gegen uns wegen etwas, was wir getan haben.

Die Folge von solchem Denken ist, dass wir wie die Brüder von Joseph um Vergebung bitten. Doch egal wie groß das Ausmaß unseres Versagens ist: Die Bibel spricht nie davon, dass ein wahrer Gläubiger um Vergebung bitten muss – denn die Frage der Vergebung ist ein für alle Mal geklärt worden. Die Schrift belehrt uns vielmehr, dass wir unsere Sünden bekennen müssen, damit die praktische Gemeinschaft mit dem Herrn wiederhergestellt werden kann.

Joseph konnte sagen: „Ihr zwar hattet Böses gegen mich im Sinn“, aber er fügte direkt hinzu: „Fürchtet euch nicht“ (1. Mo 50,20.21a). Er sagte gewissermaßen: „Ich kenne das ganze Böse in eurem Herzen, das ihr gegen mich hattet. Aber ihr habt nichts zu befürchten, denn mein Herz ist von Liebe zu euch erfüllt.“ – Und einmal mehr vertrieb er jede Angst der Vergangenheit und jede Furcht vor der Zukunft, indem er sagte: „Ich werde euch und eure Kinder versorgen.“ Diese Worte trösteten sie und redeten zu ihren Herzen (1. Mo 50,21b).

„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus“ (1. Joh 4,18).