„Und der König sandte hin, und man versammelte zu ihm alle Ältesten von Juda und von Jerusalem. Und der König ging in das Haus des HERRN hinauf, und alle Männer von Juda und alle Bewohner von Jerusalem mit ihm, und die Priester und die Propheten, und alles Volk, vom Kleinsten bis zum Größten; und man las vor ihren Ohren alle Worte des Buches des Bundes, das im Haus des HERRN gefunden worden war. Und der König stand auf dem Standort und schloss den Bund vor dem HERRN, dem HERRN nachzuwandeln und seine Gebote und seine Zeugnisse und seine Satzungen zu halten mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, um die Worte dieses Bundes zu erfüllen, die in diesem Buch geschrieben sind. Und das ganze Volk trat in den Bund“ (2. Kön 23,1–3). 

Im Leben des Königs Josia spielt das wiedergefundene Buch des Gesetzes eine zentrale Rolle (2. Chr 34,14). Doch der König möchte nicht nur sein persönliches Leben an diesem Buch neu ausrichten, sondern er bringt das Wort Gottes auch vor das Volk: Er will dessen Beziehung zu Gott erneuern. Um dieses Ziel zu erreichen, versammelt er das gesamte Volk in Jerusalem und lässt es wieder in den Bund mit dem Herrn treten (2. Chr 34,32). Die Grundlage dieses erneuerten Bundes soll das wiedergefundene Buch des Gesetzes sein.

Das ganze Volk

Wenn der Heilige Geist die verschiedenen Personengruppen aufzählt, die Josia im Haus des Herrn versammelte, gebraucht er viermal das Wort „alle“. Unabhängig davon, ob wirklich jeder Einzelne im Tempel anwesend war – was aus Platzmangel sicher nicht möglich war –, dürfen wir dies gewiss als Hinweis verstehen:

Wir alle, ob Bruder oder Schwester, Jung oder Alt, brauchen das Wort Gottes. Kein Gläubiger kommt ohne dieses Wort aus, denn es ist die unerlässliche und einzige Nahrung für unsere neue Natur.

Vor den Ohren aller

Nachdem das ganze Volk versammelt war, las man ihm alle Worte des Gesetzes vor. Die Formulierung „vor ihren Ohren“ erscheint uns im ersten Moment überflüssig, da ein Vorlesen ohnehin hörbar ist. Doch der Heilige Geist will damit wohl ausdrücken, dass die Worte jedem Einzelnen ganz persönlich nahegebracht und zur Beurteilung vorgelegt wurden.

Wir können dem Wort Gottes gegenüber niemals neutral bleiben – eine Reaktion unsererseits ist unumgänglich. Welche Reaktion ruft das Wort Gottes in unseren Herzen hervor? Übrigens ist es auch heute noch eine gute Praxis, das Wort Gottes laut (vor-) zu lesen.

Das ganze Buch

Man las dem versammelten Volk alle Worte des Gesetzes vor. Kein Teil wurde dabei ausgelassen, sondern das gesamte Gesetz wurde vorgelesen, was sicherlich einige Zeit in Anspruch nahm.

Spricht das nicht auch zu uns? Wir benötigen das ganze Wort Gottes und nicht nur Auszüge daraus. Es genügt nicht, bloß Lieblingsabschnitte zu lesen. Jedes Buch der Bibel hat seinen besonderen Platz und ist nützlich für uns (2. Tim 3,16). Wir werden nur dann den vollen Nutzen aus Gottes Wort ziehen, wenn wir es auch regelmäßig und fortlaufend lesen.

Das Wort in die Tat umsetzen

Schließlich schloss Josia einen Bund vor dem Herrn, in den er das ganze Volk einschloss. Sicher war seine Absicht gut, das Volk auf diese Weise dazu zu bewegen, die Worte des Gesetzes zu halten. Doch die Erfahrung aus früheren Bündnissen hätte ihn lehren können, dass das Volk aus sich heraus nicht dazu in der Lage war.

Auch unsere Absicht sollte es sein, das Wort Gottes nicht nur zu kennen, sondern es mit ganzem Herzen in die Tat umzusetzen (Jak 1,22). Dabei sollten wir uns jedoch stets bewusst bleiben, dass wir dies aus eigener Kraft nicht vermögen. Es wird uns nur gelingen, wenn der Heilige Geist uns die nötige Kraft dazu schenkt.