„Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineinschaut und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird glückselig sein in seinem Tun“ (Jak 1,22–25).
In diesen Versen wird Gottes Wort mit einem Spiegel verglichen: Wenn wir in einen Spiegel schauen, sehen wir unser eigenes Abbild und erkennen sofort, wie wir aussehen. Wir bemerken Flecken oder Unstimmigkeiten, die uns im Alltag vielleicht gar nicht aufgefallen wären. So sehen wir auf einen Blick, ob alles in Ordnung ist.
Genauso verhält es sich mit Gottes Wort: Wenn wir darin lesen, zeigt Gott uns, wie wir vor Ihm dastehen. Es macht uns auf Bereiche aufmerksam, die wir verändern sollten, und hilft uns zu erkennen, wo unser Handeln andere stört oder Gottes Maßstäben widerspricht. So wie es ganz natürlich ist, täglich in den Spiegel zu blicken, sollte es auch sein, sich regelmäßig im „Spiegel“ der Bibel zu betrachten.
Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie reagieren wir auf das, was wir dort sehen? Wie gehen wir damit um, wenn Gott uns durch sein Wort auf Punkte aufmerksam macht, die wir korrigieren oder ändern sollen? Der Bibeltext zeigt uns hier zwei unterschiedliche Wege auf.
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Da ist zunächst jemand, der vielleicht nur flüchtig und oberflächlich in die Bibel schaut. Er tut es aus purer Gewohnheit oder Pflichtgefühl, aber gewiss nicht mit dem Ziel, sein Leben danach auszurichten. Sobald er sich abwendet, hat er schon wieder vergessen, was er kurz zuvor gesehen hat. So jemand ist zwar ein Hörer, aber kein Täter des Wortes.
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Aber da ist ein anderer, für den Gottes Wort eine ganz andere Bedeutung hat. Er liest es mit der festen Absicht, notwendige Änderungen direkt vorzunehmen. Darum setzt er sich eingehend und gründlich damit auseinander. Weil sein Herz darauf ausgerichtet ist, nach Gottes Maßstab zu leben, ist er bereit, die entsprechenden Korrekturen willig umzusetzen. So jemand ist nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Täter des Wortes und wird „glückselig“ genannt.
Für die neue Natur des Gläubigen ist Gottes Wort ein „Gesetz der Freiheit“, denn es fällt ihr überhaupt nicht schwer, sich an ihre Anweisungen zu halten. Im Gegenteil, es bedeutet für sie nichts anderes als „Freiheit“, genau das tun zu müssen, was sie ohnehin tun möchte. Die neue Natur kann gar nicht anders, als den Anweisungen Gottes zu gehorchen. Das vollkommene Beispiel ist der Herr Jesus selbst, der sich jeden Morgen das Ohr öffnen ließ, um sich von seinem Gott und Vater unterweisen zu lassen (Jes 50,4.5). Es war seine tägliche „Speise“, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte, und sein Werk zu vollbringen (Joh 4,34). Sein Beispiel darf auch uns als Ansporn dienen.
