Der Bericht, den die Bibel uns über David und Bathseba gibt, stimmt uns einerseits nachdenklich und traurig; andererseits macht er uns Mut, zeigt er doch, wie Gott auf den krummen Lebenslinien eines Menschen immer noch gerade schreiben kann. Gott macht seine Gnade gerade an Bathseba (wie auch an David) besonders groß.

Bathseba war mit Urija, einem Hethiter, verheiratet. Er diente als Offizier in Davids Armee und nahm unter seinen Helden einen besonderen Platz ein (2. Sam 23,39). Nachdem Urija gestorben war, wurde Bathseba Davids Frau und die Mutter des Thronfolgers. So weit, so gut. Doch die Geschichte, wie es dazu kam, ist erschütternd. Der Beginn der Beziehung der beiden war mit Ehebruch, Intrige und Mord verbunden. Konnte aus einer solchen verkorksten Beziehung etwas Gutes hervorkommen? Hören wir, was die Bibel darüber sagt:

„Und es geschah bei der Rückkehr des Jahres, zur Zeit, wenn die Könige ausziehen, da sandte David Joab und seine Knechte mit ihm und ganz Israel; und sie richteten die Kinder Ammon zugrunde und belagerten Rabba. David aber blieb in Jerusalem. Und es geschah zur Abendzeit, als David von seinem Lager aufstand und auf dem Dach des Königshauses umherging, dass er vom Dach herab eine Frau sich baden sah; und die Frau war sehr schön von Aussehen. Und David sandte hin und erkundigte sich nach der Frau; und man sprach: Ist das nicht Bathseba, die Tochter Eliams, die Frau Urijas, des Hethiters? Und David sandte Boten hin und ließ sie holen; und sie kam zu ihm, und er lag bei ihr (sie hatte sich aber gereinigt von ihrer Unreinheit); und sie kehrte in ihr Haus zurück. Und die Frau wurde schwanger; und sie sandte hin und berichtete es David und sprach: Ich bin schwanger“ (2. Sam 11,1–5).

Die Schuld Davids und die Rolle Bathsebas

Viele Ausleger, die über diese Verse schreiben, bleiben bei der Schuld und Sünde Davids stehen. Und das mit Recht. Die Schuld an diesem Ehebruch liegt eindeutig bei David. Er ist der Aktive. In seinem bemerkenswerten Bekenntnis in Psalm 51 erwähnt er Bathseba mit keinem Wort. Hinzu kam, dass er Urija auf eine äußerst unehrenhafte Weise zu Tode brachte. Es wäre ungerecht, Bathseba die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen.

Dennoch ist die Rolle, die Bathseba bei diesem ersten und unseligen Zusammentreffen mit David spielt, nicht unbedeutend. Es ist wahr, dass David den aktiven Part übernahm. Dennoch war Bathseba nicht völlig passiv. Der Text sagt zunächst, dass sie sehr schön war. Das bedeutet nicht einfach, dass sie gut aussah, sondern dass von ihr scheinbar eine gewisse sinnliche Anziehungskraft ausging. Ihr Anblick weckte bei David sündiges Verlangen, was jedoch nicht ihre Schuld war. David hätte seine Augen kontrollieren müssen. Auch die Tatsache, dass sie draußen badete, sollte man ihr nicht anlasten, es sei denn, sie wusste, dass David sie sehen konnte. Wir sollten bedenken, dass David um diese Zeit eigentlich nichts auf seinem Dach zu suchen hatte und Bathseba vermutlich nicht damit rechnen konnte, dass er dort war.

Dann lesen wir jedoch, dass sich Bathseba – nachdem David sie rufen lässt – reinigt und zu ihm geht. Sicher, ein Befehl des Königs ist etwas, dem sie sich kaum widersetzen konnte. Dennoch hätte sie nicht einwilligen dürfen, mit David zu schlafen. Man gewinnt beim Lesen des Textes jedenfalls nicht den Eindruck, dass es sich um eine Art Vergewaltigung handelt (anders als später bei Davids Sohn Amnon). Sie kommt zu David. Er liegt bei ihr, und dann kehrt sie in ihr Haus zurück. So weit die Fakten.

Die Folgen des Ehebruchs

Es kommt, wie es in solchen Fällen häufig kommt. Der Ehebruch hat Folgen. Bathseba wird schwanger und teilt es David mit. Der gerät in Panik und versucht, seine Sünde mit einer anderen Sünde zu vertuschen. Er greift zur List und will das Kind Urija unterschieben. Als das nicht gelingt, ergreift er eine weitere Maßnahme und lässt Urija auf besonders perfide Weise umbringen. Doch Gott steht über allem und deckt das Übel auf. Er sorgt dafür, dass David die Sache schließlich bereinigt. Ungeschehen machen kann er sie allerdings nicht. Die Folgen kann er auch nicht wegnehmen. Doch David findet in die Gemeinschaft mit seinem Gott zurück.

Und Bathseba? Als sie hörte, dass ihr Mann tot war, „klagte sie um ihren Gatten“ (2. Sam 11,26). Das zeigt, dass sie trotz ihres Ehebruchs mit Urija in Liebe verbunden war. Doch alle Trauer bringt ihren Ehemann nicht zurück. David tut das, was man von ihm erwarten konnte: „Als aber die Trauer vorüber war, sandte David hin und nahm sie in sein Haus; und sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn“ (2. Sam 11,27). Dennoch fügt Gott hinzu: „Aber die Sache, die David getan hatte, war böse in den Augen des Herrn.“ Die Folge ist, dass der Sohn, der geboren wird, sterben muss.

Korrektur

So weit der schlechte Anfang. Einen ungünstigeren Start für eine Ehe kann man sich kaum vorstellen. Was nun? Muss das, was schlecht losgeht, schlecht weitergehen? Muss es schlecht enden? Das Beispiel von Bathseba und David macht allen Mut, die schlecht in eine Beziehung gestartet sind. Gott möchte natürlich nicht, dass wir schlecht starten, doch wenn es geschieht, gibt es keinen Grund zur Resignation. Es gibt immer die Möglichkeit der Umkehr. Keine Sünde ist zu groß, um nicht vergeben werden zu können. Es gibt immer die Möglichkeit, den Weg zu korrigieren und einen Neustart zu wagen.

Bei David und Bathseba gab es eine Korrektur. Nachdem David seine Sache mit Gott bereinigt hatte und das geborene Kind gestorben war, lesen wir einen wichtigen Satz: „Und David tröstete Bathseba, seine Frau, und ging zu ihr ein und lag bei ihr. Und sie gebar einen Sohn, und er gab ihm den Namen Salomo. Und der Herr liebte ihn“ (2. Sam 12,24). Das schafft nur göttliche Gnade. Wie viel liegt in den Worten: „Und David tröstete Bathseba, seine Frau.“ David sah Bathseba als „seine Frau“ an und er kam seiner Verantwortung nach, sie zu trösten. Und Bathseba ließ sich trösten. Offensichtlich war in den Monaten nach dem Ehebruch und dem Tod Urijas eine Beziehung zwischen beiden gewachsen, die das möglich machte. Dann werden vier Söhne geboren (1. Chr 3,5), von denen einer Salomo ist, der spätere Thronfolger Davids. Und nicht nur das. Es heißt ausdrücklich, dass der Herr Salomo liebte. Das lesen wir nicht sehr oft in der Bibel. Bathseba und David werden ihren Sohn geliebt haben. Doch das Größte, was über ein neugeborenes Kind gesagt werden kann, ist das, was über Salomo gesagt wird: Der Herr hatte ihn lieb. Jede Mutter, die ein neugeborenes Kind in den Armen hält, darf diese Zuversicht der göttlichen Liebe haben. Und jeder Vater auch.

Gottes Gnade

David und Bathseba haben viele Jahre unter dem Segen Gottes gelebt. Bathseba hat das Leid ihres Mannes mitgetragen – besonders, als seine eigenen Söhne sich gegen ihn verschworen und ihm den Thron streitig machen wollten. In seiner Gnade benutzt Gott gerade Bathseba, um David im Alter vor der Freveltat seines Sohnes Adonija zu warnen und dafür zu sorgen, dass Salomo, ihr Sohn, nach dem Plan Gottes König wurde.

Das Neue Testament erwähnt Bathseba zwar nicht mit ihrem Namen, doch im Stammbaum des Messias hat sie ihren Platz. Wir lesen dort: „David aber zeugte Salomo von der, die Urias Frau gewesen war“ (Mt 1,6). Ausgerechnet von der Frau, mit der David eine Affäre hatte, wird derjenige geboren, der schließlich ein Vorfahr von Jesus Christus ist. Wenn das kein Denkmal der Gnade ist, was ist es dann? Ja, Gott kann auf den krummen Lebenslinien von Menschen immer noch gerade schreiben.