Daniel 6 schildert eine ernste Krise im Leben des alten Propheten. Jahrzehntelang hatte Daniel Gott treu gedient – zuerst unter Nebukadnezar, dann unter weiteren Herrschern und schließlich unter Darius. Daniel ist in der geschilderten Situation vermutlich über achtzig Jahre alt. Doch gerade jetzt gerät er noch einmal in den Mittelpunkt einer geistlichen Herausforderung. Heidnische Beamte sind neidisch auf Daniel und bringen König Darius dazu, ein Gesetz zu erlassen, das jedes Gebet zu einem anderen als zum König verbietet. Wieder einmal ist Daniel gefordert und muss eine Entscheidung treffen: entweder seinen Glauben verleugnen oder die Löwengrube riskieren.
Bemerkenswert ist, dass Daniel in dieser Situation drei Zeugnisse erhält. Das erste stammt von König Darius, das zweite ist ein Selbstzeugnis und das dritte Zeugnis gibt Gott selbst.
1. Das Zeugnis des Königs
Darius sagt zweimal über Daniel: „dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst“ (Dan 6,17.21). Der heidnische König wusste, wie treu und zuverlässig Daniel als politischer Beamter war. Und doch war ihm klar, dass da mehr war. Darius erkannte, dass Daniels Glaube nicht aufgesetzt war. Es war keine (gelegentliche) religiöse Form, sondern ein beständiges Leben mit Gott und für Gott. Daniel diente seinem Gott „ohne Unterlass“ – im Alltag, im Beruf, in der Verantwortung und in der Krise.
Die Frage stellt sich für jeden von uns: Wem dienen wir eigentlich? Wem gehört unser Leben? Und erkennen Menschen an unserem Leben, dass unser Leben Gott zur Verfügung steht? Oder sind wir nur am Sonntag Christen? Daniel war konsequent. Sein Leben hinterließ Eindruck. Von ihm lernen wir, dass wir mit beiden Beinen im (Berufs-)Leben stehen und doch gleichzeitig Gott ohne Unterlass dienen können.
2. Das Zeugnis Daniels selbst
Nachdem Gott ihn bewahrt hat, sagt Daniel: „… weil vor ihm Unschuld an mir gefunden wurde; und auch vor dir, o König, habe ich kein Verbrechen begangen“ (Dan 6,23). Daniel lebte in zwei Richtungen verantwortlich: vor Gott und vor Menschen. Sein Gewissen war vor Gott aufrichtig. Er wusste, dass Gott sein Leben und sein Inneres sah. Zugleich hatte er sich auch gegenüber dem König nichts zuschulden kommen lassen. Er war kein Rebell, kein Aufrührer und kein untreuer Beamter. Nur da, wo menschliche Forderungen Gottes Gedanken widersprachen, blieb er Gott treu.
Auch wir sollen „ein gutes Gewissen“ haben – gegenüber Gott und Menschen (Apg 24,16). Ein glaubwürdiges Christenleben zeigt sich nicht nur in Worten, sondern wenn wir ehrlich, zuverlässig und lauter im Alltag sind. Dabei geht das, was Gott sieht, weiter als das, was Menschen sehen. Menschen hören unsere Worte und sehen unsere Taten. Gott sieht das Herz. Ob jemand anderen gegenüber schuldig wird oder nicht, können Menschen beurteilen. Ob wir tatsächlich praktisch unschuldig sind, kann letztlich nur Gott beurteilen.
3. Das Zeugnis Gottes
Schließlich gibt Gott selbst das höchste Zeugnis über Daniel. Der Bibeltext sagt: „Keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte“ (Dan 6,24). Das eigentliche Geheimnis Daniels war sein Vertrauen (sein Glaube) auf Gott. Nicht seine Weisheit, nicht seine Erfahrung und nicht sein Alter retteten ihn, sondern sein Glaube. Daniel vertraute Gott in einer Lage, in der menschlich gesehen alles verloren schien. Und neben der Tatsache, dass Gott ihn bewahrte, war es dieser Glaube, der den Rachen der Löwen verschloss (Heb 11,33).
Genau das möchte Gott auch heute sehen: Männer und Frauen, die Ihm vertrauen – nicht nur in ruhigen Tagen, sondern gerade dann, wenn Treue etwas kostet. Petrus ermutigt die Gläubigen und schreibt: „Die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zur Errettung“ (1. Pet 1,5). Es ist nicht anders, als es bei Daniel war. Gottes Macht bewahrt uns – das ist seine Seite. Auf unserer Seite gilt es, Gott zu vertrauen.
Fazit
Daniels Leben zeigt uns, dass ein treuer Gläubiger – ob in jungen Jahren oder im Alter – ein starkes Zeugnis vor der Welt und ein gutes Gewissen vor Gott haben kann und schließlich Gottes eigenes Wohlgefallen findet. Welch ein Ziel für unser Leben!
