Mose ist eine der bekanntesten Personen in der Bibel. Zippora, seine Frau, ist weniger bekannt. Sie war die Tochter Jethros, eines Priesters von Midian. Als Mose nach dem verübten Mord an einem Ägypter fliehen musste, kam er in die Wüste nach Midian. Gott führte es so, dass er an einem Brunnen mit den Töchtern Jethros zusammentraf und dieser ihn in sein Haus aufnahm. Mose willigte ein, bei dem Mann zu bleiben und seine Schafe zu hüten. Es kam, wie es kommen musste. Der Bibeltext sagt: „Und Mose willigte ein, bei dem Mann zu bleiben; und er gab Mose Zippora, seine Tochter“ (2. Mo 2,21). Das ist das erste Mal, dass Zippora in der Bibel erwähnt wird. Der Bibeltext fügt nur hinzu: „Und sie gebar einen Sohn, und er gab ihm den Namen Gersom, denn er sprach: Ein Fremder bin ich geworden in fremdem Land“ (2. Mo 2,22). Bis dahin sah alles nach einer relativ normalen ehelichen Beziehung aus. Zwei Menschen heiraten und bekommen Nachwuchs. Ob es allerdings eine Liebesheirat war, wissen wir nicht.
Die eheliche Beziehung zwischen Mose und Zippora scheint jedenfalls nicht ganz gewöhnlich und spannungsfrei gewesen zu sein. Es fällt besonders auf, dass die Bibel über das Familienleben von Mose sehr wenig sagt. Über die 40 Jahre im Haus von Jethro erfahren wir nur, dass Mose und Zippora geheiratet haben und zwei Söhne bekamen. Danach wird Zippora nur noch zweimal erwähnt, nämlich in 2. Mose 4,24–26 und in 2. Mose 18,2. Im weiteren Verlauf der ganzen Reise durch die Wüste wird Zippora nicht mehr genannt. Die beiden angeführten Stellen scheinen darauf hinzuweisen, dass Mose und Zippora nicht immer an einem Strang zogen. Der Grund könnte darin liegen, dass sie über die Erziehung ihrer Kinder unterschiedlich dachten. In 2. Mose 4 lernen wir, dass mindestens einer ihrer Söhne entgegen den Anweisungen Gottes nicht beschnitten worden war, und aus 2. Mose 18 können wir entnehmen, dass Zippora mit ihren Söhnen nicht dabei war, als das Volk Israel aus Ägypten zog. Sie war offensichtlich zwischenzeitlich mit ihren Kindern zu ihrem Vater Jethro zurückgekehrt und traf erst später wieder mit ihrem Mann zusammen, als das Volk Israel längst durch das Rote Meer gezogen und aus Ägypten befreit worden war.
Die Szene in 2. Mose 4 wird so beschrieben: „Und es geschah unterwegs, in der Herberge, da fiel der HERR ihn [das ist Mose] an und suchte ihn zu töten. Da nahm Zippora einen scharfen Stein und schnitt die Vorhaut ihres Sohnes ab und warf sie an seine Füße und sprach: Ein Blutbräutigam bist du mir! Da ließ er von ihm ab. Damals sagte sie ‚Blutbräutigam‘ der Beschneidung wegen“ (2. Mo 4,24–26).
Dass zumindest einer der Söhne Moses nicht beschnitten war, war nicht in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Mose wusste das ganz genau und Zippora muss es ebenfalls gewusst haben. Sonst hätte sie in der Not nicht sofort die richtige – und notwendige – Maßnahme ergriffen. Gott stand im Begriff, seine Bundesverheißung an Abraham zu erfüllen und das Volk Israel aus Ägypten zu erlösen. Das Zeichen dieses Bundes war die Beschneidung (1. Mo 17,1–14). Wer nicht beschnitten wurde, sollte sterben. Das war die klare Anweisung Gottes.
Warum ausgerechnet ein Sohn Moses – des von Gott bestimmten Befreiers des Volkes Israel – nicht beschnitten war, wissen wir nicht. Der Gedanke liegt jedenfalls nahe, dass die Mutter Zippora das bisher verhindert hatte. Sie war ja nicht aus dem Volk Israel, und diese Handlung mochte ihr fremd und grausam erscheinen. Sie wollte – vielleicht in gut gemeinter Absicht – ihrem Sohn die damit verbundenen Schmerzen ersparen. Möglicherweise gehörte sie zu der Spezies von Müttern, die ihren Kindern jeden Stein aus dem Weg räumen wollen, an dem sie sich stoßen könnten.
Wir wissen nicht, welche Diskussionen es über diese Sache zwischen Mose und Zippora gegeben hatte. Vielleicht konnten sie sich nicht einigen. Vielleicht schwiegen sie das Thema einfach tot. Klar ist jedenfalls, dass Mose als Vater die Hauptverantwortung trug.. Deshalb fiel der HERR ihn auch an und suchte ihn zu töten. Wenn es tatsächlich Zippora war, die die Beschneidung verhindert hatte, dann konnte Mose sich nicht dahinter verstecken. Als „Haupt“ trug er die Verantwortung für das, was in seinem Haus passierte. Gott zieht deshalb nicht Zippora, sondern Mose zur Rechenschaft. Dennoch ist es inakzeptabel, wenn eine Ehefrau und Mutter in bestimmten Punkten auf stur schaltet und versucht, göttliche Grundsätze in der Familie zu verhindern. Unter Umständen bringt sie damit ihren Ehemann und ihre Kinder in große Gefahr.
Mütter müssen lernen, dass die Gebote Gottes über allem anderen stehen. Selbst wenn die Erfüllung des Willens Gottes für unsere Kinder manchmal nicht einfach ist, kann es nur fatale Folgen haben, wenn Mütter sich in solchen Situationen schützend vor ihre Kinder stellen und so verhindern, dass den Geboten Gottes Folge geleistet wird. Und noch fataler ist es, wenn Vater und Mutter in solchen Situationen nicht am gleichen Strang ziehen und die Kinder das vielleicht sogar mitbekommen.
Es mag durchaus Situationen im Familienleben geben, in denen Vater und Mutter im Blick auf ihre Kinder unterschiedliche Gedanken haben. Was ist dann zu tun? Es gibt verschiedene Lösungsansätze. Permanenter Streit darüber ist eine Sackgasse. Totschweigen ebenso. Vater und Mutter sollten vielmehr – vorzugsweise ohne dass die Kinder das mitbekommen – den offenen Austausch darüber suchen und mit Gott im Gebet darüber reden. Unter Umständen kann es helfen, externen Rat einzuholen. Wenn beide den Dialog in der richtigen inneren Haltung suchen, wird man in den meisten Fällen eine gute Lösung finden, vor allem eine solche, die den Gedanken Gottes entspricht. In Fällen, in denen die Bibel keine eindeutige Wegweisung gibt, ist die Frau und Mutter im Zweifel gut beraten, ihrem Mann zu folgen, der letztlich die Verantwortung vor Gott trägt.
