Aufzeichnungen aus der Betrachtung über Johannes 15

Hückeswagen 17.-19.03.2026

Einleitende Gedanken

Der Herr Jesus steht in diesen Kapiteln 13 bis 17 kurz vor seinem Weg zurück zu dem Vater. Kapitel 13 beginnt damit, dass Er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen würde. Aber Er würde seine Jünger nicht für immer verlassen, Er würde wiederkommen; das haben wir in Kapitel 14 gesehen. Durch sein Hingehen zu dem Vater bereitet Er eine Stätte für die Jünger und für alle Glaubenden der Gnadenzeit, damit da, wo Er ist, auch wir sein können. Und Er möchte, dass wir Glaubenden in der Zeit seiner Abwesenheit bis zu seinem Wiederkommen Gemeinschaft mit Ihm haben. Er tut alles dafür, dass wir in dem Genuss dieser Beziehung zu Ihm leben können, indem Er jeden Schmutz, der diese Beziehung trübt, durch die Fußwaschung von uns wegnimmt. In Kapitel 14 haben wir auch gesehen, dass der Herr die Jünger nicht nur eine neue Beziehung zu sich selbst bringt, sondern auch in eine Beziehung zu dem Vater. Es ist Ihm ein besonderes Anliegen, dass die Glaubenden der Gnadenzeit in der Beziehung zu dem Vater leben, wie Er sie auf dieser Erde selbst hatte und noch immer hat.

Dann haben wir in Kapitel 14 auch gesehen, dass der Herr den Jüngern eine neue Beziehung zu dem Heiligen Geist ankündigt. Was für ein gewaltiger Segen, dass dieser „andere Sachwalter“ kommen würde! Aber Er konnte nur kommen, wenn der Herr Jesus verherrlicht im Himmel sein würde (vgl. Joh 7,39). Dieser andere Sachwalter würde sich unserer Belange annehmen, während wir hier in dieser Welt zurückbleiben – und Er würde bei uns bleiben in Ewigkeit (Joh 14,16).

Mit diesen wunderbaren Tröstungen bereitet der Herr die Jünger auf sein Weggehen, sein Hingehen zu dem Vater vor. Seine ganze Liebe und Fürsorge für die Jünger zeigt sich darin, dass Er wiederholt betont, dass Er „dies zu ihnen geredet hatte“, während Er noch bei ihnen war (vgl. Joh 14,25.28.29; 15,11; 16,1.4.6.25.33). Wir sehen darin, welch einen Wert der Herr auf die Vorbereitung seiner Jünger legt. Diese Zeit der Abwesenheit des Herrn, die Gnadenzeit, in der wir leben dürfen, ist besonders durch Glauben gekennzeichnet (Joh 14,29). Eine ganz neue Situation für die Jünger damals.

In Kapitel 14,28 hatte der Herr gesagt: „Ich gehe hin, und ich komme zu euch.“ Er würde zurück zu dem Vater gehen und in der Person des Heiligen Geistes zu ihnen kommen (vgl. Joh 14,18). Damit deutet Er die wunderbare Wirksamkeit des Heiligen Geistes an: Er stellt Christus vor unsere Seele; durch sein Wirken können wir Christus sehen. Die Welt würde den Herrn Jesus nach seinem Weggehen nicht mehr sehen, wir aber können Ihn durch das Wirken des Heiligen Geistes sehen (Joh 14,19).

Die letzten Verse von Kapitel 14 hatten uns noch einmal die Vollkommenheit des Herrn Jesus vorgestellt. Für den Fürsten dieser Welt, den Teufel, gab es in der Person des Herrn Jesus keinen einzigen Anknüpfungspunkt; das betont noch einmal seine vollkommene Sündlosigkeit. Und dann sagt der Herr, dass sein Kreuz und sein Tod nicht das Ergebnis der Macht Satans sein würden, sondern eine Folge der Liebe des Herrn zu seinem Vater. Die Welt wird einmal erkennen, dass der Vater den Sohn liebt (Joh 17,23b); aber hier kann die Welt erkennen, dass der Sohn den Vater liebt. Er war seinem Vater gehorsam aus Liebe – alles in dem Sohn war für den Vater!

Dann stehen sie auf und verlassen den Obersaal und gehen hinaus in Richtung Gethsemane. Das markiert einen gewissen Bruch, einen Übergang, der in Kapitel 15 auch in einen neuen Gegenstand der Unterredung des Herrn mit seinen Jüngern mündet. Er zeigt ihnen jetzt, was ihre Stellung in der Welt sein würde. Während Er vorher besonders die Segnungen dieser christlichen Zeit vorgestellt hatte, kommt Er jetzt auf die Verantwortung der Jünger und damit auch auf unsere Verantwortung zu sprechen. Immer wieder spricht Er davon, dass wir in Ihm bleiben müssen und dass wir nur dadurch Frucht bringen können: „Frucht“ (Joh 15,2) – „mehr Frucht“ (Joh 15,2) – „viel Frucht“ (Joh 15,5) – „bleibende Frucht“ (Joh 15,16). Es besteht also ein enger Zusammenhang zwischen Fruchtbringen und in Ihm bleiben.

Wie wir schon zu Beginn von Kapitel 13 gesehen haben, bauen diese Kapitel also aufeinander auf:

  • In Johannes 13 nimmt der Herr Jesus durch den Dienst der Fußwaschung alles das von uns weg, was den Genuss unserer Gemeinschaft mit den Personen der Gottheit beeinträchtigt
  • In Johannes 14 stellt Er uns dann diese neuen himmlischen Beziehungen zu dem Vater, zu dem Sohn und zu dem Heiligen Geist vor
  • In Johannes 15 sehen wir dann, dass wir aus dem Genuss dieser Beziehungen heraus die Kraft haben, auf dieser Erde Frucht zu bringen
  • In Johannes 16 werden wir dann sehen, dass wir in der Kraft dieser neuen Beziehungen trotz der Feindschaft und des Widerstands dieser Welt unseren Weg gehen können

Es gibt noch etwas Weiteres, was diese Kapitel untereinander verbindet, und das geht uns sicher sehr zu Herzen: Der Herr Jesus hatte von seinem Frieden gesprochen, den Er hier auf der Erde in allen seinen Umständen genossen hatte; und diesen seinen Frieden schenkt Er uns (Joh 14,27). Hier in Johannes 15 liegt Ihm daran, dass wir in seiner Liebe bleiben (Joh 15,9), und dann dürfen wir auch erleben, dass seine Freude in uns ist (Joh 15,11). Wunderbare Segnungen, die Er uns wünscht, während wir auf dem Weg durch diese Welt sind!

Wenn wir die Kapitel 14 und 15 weiter miteinander vergleichen, verstehen wir etwas besser, was der besondere Charakter dieses Kapitels 15 ist. Es hängt immer damit zusammen, wie der Herr Jesus vorgestellt wird. In Kapitel 14 haben wir Ihn vor uns als den Sohn des Vaters, der uns Glaubende in himmlische und ewige Beziehungen einführt. Aber hier in Kapitel 15 ist Er der wahre Weinstock. Dieser Weinstock ist Er auf der Erde, es beschreibt Seine Stellung als Mensch auf der Erde. Daher werden die Jünger als solche gesehen, die in ihrem Bekenntnis verbunden sind mit dem Herrn Jesus auf der Erde. Das zieht sich durch das ganze Kapitel hindurch; das ganze Kapitel 15 hat einen irdischen Charakter im Gegensatz zu Kapitel 14, wo wir uns mit dem Himmel, mit dem Vaterhaus, und mit den himmlischen Beziehungen, die zu dem Vater und zu dem Sohn gepflegt werden, beschäftigt haben. Die Jünger und damit auch wir werden hier also nicht gesehen als Glieder des Leibes der Versammlung in ihrer Verbindung mit dem verherrlichten Haupt im Himmel – das ist eine himmlische Beziehung. Hier geht es um diese irdische Beziehung, in die eine Rebe durch ein Bekenntnis zu dem wahren Weinstock kommt.

Zwischen diesen himmlischen Beziehungen und den irdischen Beziehungen bestehen Unterschiede. Die himmlischen Beziehungen sind unveränderlich und haben ewigen Bestand, man kann nicht aus ihnen fallen. Wenn es dagegen um die irdische Beziehung der Rebe zum Weinstock geht, dann ist diese durch ein Bekenntnis charakterisiert; und wenn dieses Bekenntnis nicht echt ist, wenn kein Leben da ist, dann wird man hinausgeworfen. Aber es gibt auch etwas Verbindendes zwischen beiden Beziehungen: Man kann nur aus den gelebten himmlischen Beziehungen heraus auf dieser Erde Frucht bringen. Deshalb steht Kapitel 14 auch vor Kapitel 15, denn nur aus dem Genuss der ewigen sicheren himmlischen Beziehungen heraus ist es möglich, in der irdischen Beziehung zum Weinstock Frucht zu bringen.

Jetzt werden die Jünger also gesehen in ihrer Verbindung zu dem Herrn Jesus auf der Erde, in einer Beziehung, die durch ein Bekenntnis geprägt ist. Sie müssen auch lernen, dass sie jetzt als Reben in einer Beziehung zu dem wahren Weinstock stehen und nicht mehr als Reben an dem Weinstock Israel Frucht für Gott bringen können. Sie werden praktisch gelöst von ihrer Beziehung zu Israel.

Wir können in diesem Kapitel drei aufeinander aufbauende Gedanken erkennen:

  • Vers 1–8: In Ihm bleiben, um Frucht für den Vater zu bringen und wahre Nachfolger des Herrn Jesus zu sein; die Bezeichnung des Herrn für seine Jünger in diesem Abschnitt: Reben und Jünger. Als Reben bringen sie aus der Gemeinschaft mit dem Herrn Frucht für den Vater, und als Jünger folgen sie Ihm nach und lernen in seiner Schule von Ihm. Das vollkommene Beispiel dafür ist der Herr Jesus, der allezeit Frucht für den Vater gebracht hat.
  • Vers 9–17: In Ihm bleiben, um in Liebe untereinander mit denen verbunden zu sein, die auch in Christus bleiben, und um zugleich eine bleibende Frucht zu bringen; die Bezeichnung des Herrn für seine Jünger in diesem Zusammenhang: Freunde. Als seine Freunde bekommen sie Einsicht in seine Gedanken, ein ganz hohes Vorrecht. Auch für diese Liebe untereinander ist der Herr Jesus das vollkommene Vorbild, denn wir sollen einander lieben, wie Er uns geliebt hat.
  • Vers 18–25: In Ihm bleiben, und deshalb von der Welt ganz allgemein (Vers 18–19) und der jüdischen oder religiösen Welt (Vers 20–25) gehasst und verfolgt zu werden, aber es verbindet die Glaubenden auch mit dem, der damals ebenfalls von der Welt gehasst wurde; die Bezeichnung des Herrn für seine Jünger in diesem Zusammenhang: Knechte. Dadurch, dass die Knechte den Willen ihres Herrn erfüllen, erfahren sie die gleiche Feindschaft der Welt, wie auch Er. Er war der treue Zeuge und wurde für sein Zeugnis gehasst.

Die Verse 26 und 27 sind dann ein gewisser Übergang, der uns zeigt, dass der Strom der Gnade trotz des Hasses der Welt und der Sünde der Menschen nicht aufgehalten wird; der Heilige Geist würde die Hilfsquelle sein, um auch in diesen Umständen in dem Herrn Jesus zu bleiben und von Ihm zu zeugen. Und das ist auch in diesem Übergang zu Kapitel 16 die Bezeichnung des Herrn für seine Jünger: Zeugen. Sie sind Zeugen für den Herrn und sie zeugen von dem Herrn.

Also Reben, Jünger, Freunde, Knechte und Zeugen – alles Aspekte, die bestätigen, dass es hier in diesem Kapitel um die Verantwortung der Glaubenden auf der Erde geht und nicht um die himmlischen Beziehungen wie in Kapitel 14.

Die Verse 1 bis 3 zeigen allgemeine Aussagen des Herrn Jesus zu diesem Thema, grundsätzliche Gedanken darüber, dass Er der Weinstock ist, dass sein Vater der Weingärtner ist, und dass es Reben gibt, die Frucht bringen, und solche, die keine Frucht bringen. Ab Vers 4 wird es nach diesen ganz grundsätzlichen Gedanken dann praktisch und Er spricht darüber, wie es gelingen kann, dass Frucht in unserem Leben entstehen kann. Eine sehr auffällige Unterscheidung zwischen diesen grundlegenden Gedanken in den ersten drei Versen und der dann folgenden Praxis ab Vers 4.