Verse 18–25: In Ihm bleiben, und von der Welt verfolgt werden
Der vorhergehende Abschnitt hatte uns eine Vielzahl von besonderen Segnungen vorgestellt, die wir in unserer Stellung auf der Erde als Reben am Weinstock und als Jünger des Herrn genießen können. Dieser Platz auf der Erde in enger Verbindung mit dem Herrn Jesus ist ein Platz reichen Segens. Am Ende des Abschnitts war es das Bemühen des Herrn Jesus, die Jünger mit der Quelle dieses Segens zu verbinden. Reicher Segen birgt die Gefahr in sich, dass man nur mit dem Segen selbst beschäftigt ist, und nicht mit der Quelle des Segens. Er selbst ist die Quelle all diesen Segens, denn Er hatte sie auserwählt. Deshalb gibt es für uns überhaupt keinen Grund, auf irgendetwas stolz zu sein, denn es ist alles geschenkt. Und dann wissen wir auch, dass je größer der Segen ist, umso wichtiger das Gebet ist, damit wir in dieser Abhängigkeit von Ihm bleiben. Deshalb hatte der Herr Jesus in Vers 16 noch auf die Notwendigkeit, aber auch das Vorrecht hingewiesen, in seinem Namen den Vater bitten zu können.
Zwischen dem vorhergehenden Abschnitt und diesem Abschnitt bestehen große Unterschiede, aber es gibt auch Verbindungen. Eine Verbindung zwischen diesen beiden Abschnitten ist, dass man Dinge miteinander teilt; in Vers 15 haben wir das bei der Freundschaft gesehen. Freunde teilen ihre Gedanken, ihre Interessen miteinander, und so hatte der Herr auch alles mit den Jüngern geteilt. In diesem Abschnitt sehen wir, dass Jünger nicht nur den Segen und die Vorrechte mit ihrem Herrn teilen, sondern auch den Hass und die Feindschaft, die die Welt dem Herrn entgegenbringt. Auch der Gedanke der Auserwählung verbindet diese beiden Abschnitte. Der Herr hatte die Jünger auserwählt und dazu bestimmt, hinzugehen und Frucht zu bringen (Vers 16). In Vers 19 werden wir sehen, dass diese Auserwählung eine Ursache für den Hass der Welt ist.
Weiterhin verbindet die Bruderliebe beide Abschnitte miteinander. Zweimal hatte der Herr die Jünger aufgefordert, einander zu lieben (Vers 12.17). In diesem Abschnitt werden wir sehen, wie nötig die Jünger diese Liebe untereinander haben, weil die Welt ihnen feindlich begegnen würde. Umso notwendiger ist da die Liebe als eine Quelle der Stärkung untereinander in der Familie Gottes.
Die Liebe des Herrn verbindet auch beide Abschnitte miteinander. Er hatte in Vers 9 den Jüngern versichert, dass Er sie mit der gleichen Liebe liebt, die Er selbst als Mensch auf der Erde von seinem Vater genossen hat. Diese Liebe des Herrn zu den Jüngern zeigt sich jetzt in diesem Abschnitt darin, dass Er sie auf das vorbereitet, was ihnen begegnen würde, wenn Er nicht mehr bei ihnen sein würde.
„Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat“ (V. 18).
Was der Herr jetzt sagt, bedeutet einen unvermittelten, krassen Wechsel des Themas. Er spricht auf einmal von dem Hass der Welt. Wie gut, dass Er vorher den Jüngern gezeigt hatte, dass der Platz der unmittelbaren Verbindung und Abhängigkeit zu Ihm ein Platz ist, an dem man seine Liebe genießt. Und Er hatte den Jüngern auch das Gebot gegeben, einander zu lieben. Es ist unausweichlich, dass es in der Welt Hass gibt, sowohl gegen den Herrn selbst als auch gegen seine Jünger; aber was für ein wichtiger Schutzwall gegen diesen Hass ist sowohl die Liebe des Herrn als auch die Liebe der Gläubigen untereinander!
Dadurch, dass der Herr die Jünger auf den Hass der Welt vorbereitet, damit sie auch in der Zeit seiner Abwesenheit von Ihm zeugen können, stärkt Er ihr Vertrauen. Er weiß, dass es genauso kommen wird, und wenn es dann so eintreten wird, werden sie sich daran erinnern, dass Er es ihnen ja schon vorher gesagt hatte. Dieser Hass der Welt ist nichts grundsätzlich Neues. Er hat eine Vorgeschichte, weil er schon Ihn selbst getroffen hat. Der Herr sagt damit: „Denkt doch an mich, wenn die Welt euch hasst; ich bin vor euch gehasst worden.“ Er ist den Jüngern darin vorangegangen, dass Er Hass vonseiten der Welt erlitten hat. Später in Vers 25 zitiert Er aus Psalm 69,5, dass Er ohne Ursache gehasst wurde. In diesem Psalm finden wir einige Verse, die diesen Hass beschreiben, wie der Herr das als Hohn, Schmach, Schande und Schmähungen empfunden hat und wie dieser Hohn sein Herz gebrochen hat. Wie tief hat Er diesen Hass der Welt empfunden!
Wir lernen auch, dass es kein Entweder-oder gibt. Wer den Segen genießen will, den es in Verbindung mit dem Herrn Jesus gibt, muss in Kauf nehmen, dass es Hass von der Welt gibt. Wer den Hass der Welt nicht aushalten will, steht in Gefahr, den Genuss des Segens bei dem Herrn Jesus zu verlieren.
Der Abschnitt beginnt: „Wenn die Welt euch hasst“ und er endet: „Sie haben mich ohne Ursache gehasst“. Das unterstreicht noch einmal die Verbindung der Seinen mit Ihm. Bislang hatten die Jünger diesen Hass noch nicht erlebt, denn der Herr Jesus stand vor ihnen. Der ganze Hass der Welt hatte bisher Ihn getroffen. Wenn die religiöse Welt damals gegen die Jünger war, dann kam sie gegen den Herrn Jesus und konfrontierte Ihn mit ihrer Gegnerschaft. Aber das würde sich jetzt ändern, weil der Herr Jesus im Begriff stand, zu dem Vater zu gehen. Dadurch würde der ganze Hass der Welt sich dann direkt gegen die Jünger richten. Der Ausdruck „mich vor euch gehasst hat“ bedeutet übrigens nicht, dass der Hass der Welt gegen den Herrn Jesus jetzt Vergangenheit wäre; die Perfekt-Form drückt aus, dass dieser Hass immer noch andauerte – und das ist der Fall bis heute.
Der Gegenstand des Hasses der Welt würden also die Jünger sein, die auf dieser Erde Christus nachfolgen. Diejenigen, die etwas von dem Herrn Jesus in ihrem Leben darstellen, sind der Gegenstand des Hasses der Welt. Und das wird von Anfang der christlichen Zeit bis zu ihrem Ende so bleiben. Aber das wahre Ziel dieses Hasses ist eben Christus, der in den Seinen zu sehen ist. Für den Fürsten dieser Welt sind wir gewissermaßen Mittel zum Zweck, weil er eigentlich Christus treffen will; sein Angriff ist immer gegen Christus gerichtet. Das verbindet uns mit Ihm, ein Gedanke, der uns Mut machen kann, wenn wir diesen Hass empfinden.
Der Epheser-Brief zeigt uns ganz praktisch und plastisch, dass der Hass Satans und der Welt, den wir in unserem irdischen Leben empfinden mögen, sich eigentlich gegen Christus richtet. Dort wird uns in den ersten Kapiteln gezeigt, was Gott mit uns ehemals toten und schuldigen Menschen gemacht hat, dass Er uns herausgenommen hat aus diesem System und dieser Umgebung, um etwas Wunderbares für sich zu bilden. Und dann bezieht sich der Brief auf unsere horizontalen irdischen Beziehungen und zeigt, dass sie eigentlich nur ein schwaches Abbild von himmlischen Wahrheiten mit Christus als ihrer zentralen Person sind. Die liebevolle Beziehung zwischen Mann und Frau in der Ehe ist nur ein schwaches Bild von der himmlischen Wahrheit von Christus und seiner Versammlung. Wenn ein Mann hier auf der Erde seine Frau liebt und sie pflegt, dann ist das ein Abbild von Christus im Himmel – das hasst Satan, und deshalb will er die Ehen zerstören. Wenn ein Kind seinen Eltern gehorcht, ist das ein Abbild von dem, wie Christus seinem Gott und Vater gehorsam war. Es zeigt, wie Er ein einzigartiges Vater-Sohn-Verhältnis gelebt hat, gehorsam war, sogar bis zum Tod (Phil 2,8), obwohl man Ihm zugerufen hatte, vom Kreuz herabzusteigen (Mk 15,31.32). Das hasst Satan, und deshalb sucht er, in den Herzen der Kinder den Ungehorsam zu nähren. Wenn ein Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber in Treue und nicht in Augendienerei fleißig dient, dann ist das ein Abbild von dem, wie hingegeben und treu der Herr gedient hat und auch in Ewigkeit dienen wird, der gesagt hat: „Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe“ (Lk 22,42) – und das hasst Satan, und er sucht, uns darin zur Unloyalität zu verführen.
Wir haben also in dem, was der Herr Jesus im Machtbereich Satans auf dieser Erde vorgelebt hat, ein vollkommenes Vorbild; und etwas von diesem vollkommenen Vorbild kann und soll jetzt in unserem Leben in diesem Machtbereich Satans sichtbar werden – und das hasst Satan. Wenn wir also so zu leben wagen, müssen wir vorher die Waffenrüstung Gottes angezogen haben, damit wir seinem Widerstand begegnen können. Aber sein eigentlicher Hass ist in seinem Widerstand und Hass ist gegen den Herrn selbst gerichtet!
Die Welt – das System Satans
Diese beiden Verse 18 und 19 stellen eine klare Charakterisierung der Welt vor. Was das Wesen der Welt betrifft, so ist sie ein regelrechtes System, das geprägt ist durch den „Fürsten dieser Welt“ (Joh 14,30). Satan ist der Herrscher dieser Welt, und sie ist sein System. Es ist das, was in geballter Form gemeinschaftlich gegen den Herrn und gegen die Seinen auftritt.
Was die Tätigkeit der Welt betrifft, so hasst sie immer das, was nicht von ihr ist. Wenn es ab Vers 20 um die religiöse Welt geht, dann äußert sich dieser Hass durch Verfolgung. Aber Hass ist nicht nur Verfolgung. Hass ist die Abwesenheit von Liebe. Der Kreis der Seinen ab Vers 9 ist geprägt von Liebe, und die Welt ab Vers 18 ist geprägt durch die Abwesenheit von Liebe. Auch das Lächeln der Welt ist Hass, das Reden gegen die Seinen ist Hass, Brutalität der Welt ist Hass. Welche Form die Aktivität der Welt gegen die Seinen auch einnehmen mag, es ist Hass! So hatte es der Herr Jesus selbst in seinem Leben erfahren: Er kannte provozierende, herausfordernde Fragen, Er kannte die Listen, Er kannte auch die Brutalität, in der sie Ihn steinigen wollte. Aber der Kern von allem ist der Hass der Welt.
Die Welt hat Elemente, sie wird durch gewisse Mechanismen am Laufen gehalten. Johannes spricht in seinem ersten Brief davon: „Alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt“ (1. Joh 2,16). Diese Elemente entsprechen der gefallenen Natur des Menschen, und Satan benutzt sie, um dieses System aufrechtzuerhalten und immer weiter zu intensivieren. In Kolosser 2,8 werden wir gewarnt vor Verführung durch „eitlen Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christus“. Die Elemente der Welt sind unvereinbar mit Christus.
Es gibt also die Welt als das System Satans; und es gibt auch eine andere Welt, die Welt, deren Mittelpunkt Christus ist. Das ist die Welt des Vaters, das ist die Welt, wo der Wille Gottes gilt. Das macht die Fortsetzung im 1.Johannes-Brief deutlich: „Die Welt vergeht und ihre Lust, wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“ (1. Joh 2,17). Völlige
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Gegensätze zwischen der Welt als dem System Satans und der Welt des Vaters. Dort gelten ganz andere Dinge: der Wille Gottes, und der herrliche Mittelpunkt, der Sohn des Vaters.
„Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieb haben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt“ (V. 19).
Der Hass der Welt begründet sich nicht darin, dass wir uns irgendwie falsch verhalten würden, sondern er hat ganz einfach seine Ursache darin, dass wir nicht zu ihr, sondern zu dem Herrn Jesus gehören, wir sind andersartig. Römer 12,2 zeigt uns (und das muss uns nachdenklich machen), dass wir gleichförmig der Welt sein können, obwohl wir andersartig sind.
Hier lernen wir einen weiteren Wesenszug der Welt kennen: sie liebt durchaus auch, nämlich das Ihre. Diese Welt hat den Charakter, dass sie nur das liebt, was ihrem Wesen entspricht. Sie liebt nicht, weil sie eine Quelle von Liebe hat, aber sie liebt, wenn sie etwas sieht, was ihren Vorstellungen und Bestrebungen und ihrem Wesen entspricht. Der Ausdruck „das Ihre“ bedeutet nach der Fußnote auch „das Eigene“; das ist der gleiche Ausdruck, den auch der Herr Jesus für die Jünger gebraucht (z.B. Joh 13,1). Das zeigt uns, dass es nur zwei Gruppen von Menschen gibt; solche, die zu der Welt gehören, und solche, die zu dem Herrn Jesus gehören. Es kann uns eine große Hilfe sein, wenn wir uns angesichts von Verfolgung, Verachtung oder Hass an unsere christliche Stellung erinnern, denn wir sind nicht von der Welt! Wir sind solche, die der Herr „die Seinen“ nennt, die in eine Beziehung zu Ihm gebracht wurden. Und wenn der Herr uns in Beziehungen stellt, dann möchte Er auch immer, dass wir den Segen dieser Beziehungen kennen und darin leben.
In Apostelgeschichte 4 finden wir ein frühes Beispiel davon, wie schnell diese Ankündigung des Herrn im Leben seiner Jünger eingetroffen ist. Auch in dem Geschehen dort wird deutlich, dass Christus der eigentliche Zielpunkt der Verfolgung und des Hasses gegen die Jünger ist. Der Ausgangspunkt war die Verkündigung der Auferstehung des Herrn aus den Toten durch die Apostel, das führte zu ihrer Verhaftung und zu dem anschließenden Verhör vor den Obersten, Ältesten und Schriftgelehrten. In diesem Verhör wurde allen deutlich, dass diese freimütig auftretenden Jünger „mit Jesu gewesen waren“ (Vers 13). Sie lebten und zeugten aus ihrer Beziehung heraus und waren als solche zu erkennen. Dann wurden sie bedroht, doch sie machten deutlich, dass es ihnen unmöglich ist, von dem, was sie gesehen und gehört hatten, nicht zu reden (Vers 20). Als sie entlassen worden waren, kamen sie zu den Ihren (Vers 23) – und das ist wieder das gleiche Wort, das wir hier in Johannes 13,1 und 15,19 haben. Sie kamen zu denen, zu denen sie gehörten und die gemeinsam zu dem Vater und dem Sohn gehörten. Etwas später wird dann von ihnen gesagt, dass sie „voll Freude waren, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden“ (Apg 5,41).
Für die Liebe der Welt wird in diesem Vers ein anderer Ausdruck als sonst in diesem Kapitel gebraucht. Bis jetzt hatte der Herr durchweg agape2 benutzt, wenn Er von Liebe gesprochen hat, aber diese Liebe hat die Welt natürlich nicht. Die Welt hat das lieb, was ihren Charakter trägt und deshalb anziehend oder attraktiv für sie ist.
Dann zeigt der Herr den Jüngern den Grund des Hasses der Welt: Er hatte sie aus der Welt auserwählt. Es gibt auf dieser Erde solche, die durch die souveräne Auserwählung des Herrn aus dieser Welt heraus auserwählt wurden. Es missfällt natürlich der Welt, dass es Menschen gibt, über die sie keinen Einfluss mehr hat, weil sie aus ihr herausgenommen wurden und unter dem Einfluss eines anderen stehen. Im Text dieses Verses ist das „ich“ betont, und das ist wohl auch die eigentliche Speerspitze des Hasses der Welt: Es war der Herr, der die Jünger auserwählt hatte. Warum ist das so gewichtig? Weil Er damit auch gleichzeitig das Systems dieser Welt verurteilt hatte. Wenn Er aus dieser Welt heraus erwählt, dann verurteilt Er sie damit – und das empfindet die Welt.
Der Hass der Welt
Eine ernste Frage an uns heute ist, ob wir die gleichen Empfindungen zu den Wesenszügen dieses Systems haben, und ob wir auch die gleichen Erfahrungen erleben, wie sie der Herr hier den Jüngern ankündigt. Oder haben wir uns innerlich so angepasst, dass wir von diesem Hass der Welt nichts mehr spüren?
Wie merken wir eigentlich, dass die Welt uns hasst? Wir kommen jetzt zu ganz praktischen Fragen aus dem Alltag unseres Lebens im Beruf, in der Nachbarschaft, an der Universität. Wie geben wir uns? Wie reden wir? Beziehen wir klare Stellung in unserem Umfeld? Wie weit zeigen wir, was Gott in seinem Wort sagt? Wie oft haben wir geschwiegen und keine Stellung bezogen? Für dieses Spannungsfeld, für diese große Herausforderung gibt es kein Patentrezept; aber lasst uns einmal hören, was der Herr Jesus in seinem Gebet zu dem Vater in Johannes 17,14 von den Jüngern sagt: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin“. Wir müssen uns jeden Tag neu bewusst machen, dass wir nicht zu diesem System Welt
2 Liebe, die nichts Liebenswertes in dem Gegenstand der Liebe voraussetzt; dieser Ausdruck wird immer für die göttliche Liebe gebraucht 21
gehören. Dieses Sytem hat auch in unserem Land gesetzliche Vorschriften erlassen, die in ihrer Befolgung klar gegen Gottes Willen verstoßen. Denken wir nur an die Bereiche Gender-Mainstreaming und Diversity Management. Wie verhalten wir uns als Christ in einem Unternehmen, das diese Ziele verfolgt? Wenn man öffentlich vertritt, was Gott zu diesen Dingen sagt, muss man mit großen Schwierigkeiten rechnen. Der Herr hat den Vater gebeten, dass Er uns bewahrt vor dem Bösen! Lassen wir uns ganz persönlich von Ihm Gnade und die Weisheit schenken, einen Weg in diesem Spannungsfeld zu finden. Dazu haben wir die Abhängigkeit im persönlichen und im gemeinsamen Gebet nötig.
Wir müssen bei dem Hass der Welt nicht sofort an Verfolgung und Unterdrückung denken, dieser Hass kann sich auch auf weniger drastische Weise äußern. Petrus schreibt von „Leiden um der Gerechtigkeit willen“ (1. Pet 3,14), das ist genau der Punkt. Wenn wir als Familie oder als Arbeitnehmer oder wenn unsere Kinder in der Schule dem Herrn Jesus nachfolgen wollen, dann werden wir schnell ausgegrenzt; und es tut weh, wenn man an die Seite gestellt wird. Etwas später schreibt Petrus davon, dass wir uns freuen sollen, insoweit wir der Leiden des Christus teilhaftig sind (1. Pet 4,13). Das ist genau das, was der Herr Jesus in seinem Leben auf der Erde an Ablehnung erlebt hat; schon das Verhalten als Christ ohne Worte bringt Leiden um der Gerechtigkeit willen. Allein wenn wir bei den Vergnügungen der Welt nicht mitmachen, befremdet es die Welt, und es kann schnell zu Schmähungen im Namen Christi führen (1. Pet 4,4.14). Wenn unsere jungen Geschwister sich keinen Freund oder Freundin nehmen, wie es in der Welt üblich ist, um zu sehen, ob man zueinander passt, dann ist das schon eine deutliche Positionierung, mit der man sich auf die Seite des Herrn Jesus stellt.
Der Hass dieser Welt beginnt, sobald ein Zeugnis abgelegt wird, aus Gott geboren zu sein. Wie viele Menschen haben das erlebt, die aus ungläubigen Elternhäusern durch die Gnade Gottes zum Glauben gekommen sind, und sofort sogar in der eigenen Familie Ablehnung und Widerstand erfahren haben. Das hat übrigens auch der Herr Jesus von seinen leiblichen Brüdern erfahren, solange sie noch nicht zum Glauben gekommen waren. Interessant, dass Er in Johannes 7,7 diesen deutlichen Unterschied zwischen Ihm und seinen Brüdern herausstellt, indem Er von dem Hass der Welt spricht: „Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber hasst sie, weil ich von ihr zeuge, dass ihre Werke böse sind“. Seine Brüder wurden von der Welt nicht gehasst, weil sie noch zu dieser Welt gehörten; Er aber wurde gehasst, weil Er nicht von dieser Welt war und sogar gegen sie zeugte. Er gehörte nicht zu diesem System, seine Brüder aber zu diesem Zeitpunkt noch sehr wohl.
Der Hass dieser Welt wird uns auf die eine oder andere Weise treffen. Johannes schreibt in seinem ersten Brief, dass wir uns nicht wundern sollen, wenn die Welt uns hasst (1. Joh 3,13). Wir haben die Tendenz, uns über den Hass der Welt zu wundern, weil wir damit nicht immer rechnen. Wir empfinden oft ähnlich, wie es allein bei dem Herrn Jesus in Vollkommenheit war, dass wir ohne Ursache gehasst werden (vgl. Ps 69,5). Und dann grübeln wir darüber, warum wir so abgelehnt werden. Aber wir sollen uns nicht darüber wundern, „das Feuer der Verfolgung“ soll uns nicht befremden (1. Pet 3,12), denn es ist etwas, womit wir wirklich rechnen müssen.
Ist es nicht so, dass der Hass dieser Welt dazu führt, dass wir uns nur umso mehr auf unsere geistlichen Realitäten stützen und dadurch dankbarer dafür werden, dass wir nicht zu diesem elenden System gehören? Der Hass der Welt macht klarer und deutlicher, dass wir dem Herrn Jesus angehören und Ihm nachfolgen dürfen. Paulus schreibt an die Philipper, die auch mit Ablehnung und Hass von Seiten der Welt zu tun hatten: „Lasst euch in nichts erschrecken von den Widersachern; was für sie ein Beweis des Verderbens ist, aber eures Heils, und das von Gott“ (Phil 1,28). Der Hass der Welt beweist, dass wir auf der richtigen Seite stehen, und die Welt dem Gericht entgegengeht.
Natürlicherweise schrecken wir vor dem Hass der Welt zurück. Der Herr Jesus sagt in Lukas 12,4: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts weiter zu tun vermögen“. Es könnte sein, dass wir aufgrund dieser Furcht vor dem Hass der Welt eine Maske tragen und uns nicht als Jünger des Herrn zu erkennen geben. Vor diesem Sauerteig der Pharisäer, der Heuchelei ist, warnt der Herr Jesus in Vers 1. Und Er zeigt als Hilfsquelle die Fürsorge des Vaters, der selbst die Haare unseres Hauptes gezählt hat (Vers 7). Und dann ermutigt Er uns damit, dass Er im Himmel von dem sprechen wird, der hier auf der Erde Zeugnis für Ihn ablegt (Vers 8). Anschließend spricht Er von dem Heiligen Geist, der uns in jeder Situation lehren will, was wir sagen sollen (Vers 12). Auch Petrus schreibt unter der Leitung des Heiligen Geistes von besonderen Ermutigungen, die mit dem Ausharren unter dem Hass und der Ablehnung der Welt verbunden sind: Das Wohlgefallen Gottes ruht auf uns (1. Pet 2,20), wir sind auf der Spur unseres Herrn (Vers 21). Was wir hier um seines Namens willen leiden, wird einmal bei seiner Offenbarung wiedergefunden werden zu seiner Verherrlichung (1. Pet 1,7; 4,13).
Joseph von Arimathia und Nikodemus wurden durch das Leiden und Sterben des Heilandes von ihrer Menschenfurcht und Unentschiedenheit befreit, so dass sie sich kühn auf die Seite ihres Herrn stellten (Joh 19,38–42). Sie empfanden, dass der Herr alles für sie gegeben hatte, und das hatte bei ihnen etwas Gutes ausgelöst. Bei uns ist das nicht anders: Wenn wir den Herrn Jesus und sein Opfer vor Augen haben, kann uns das befähigen, auch mit dem Hass der Welt besser umzugehen.
Vor langer Zeit wurde einmal ein Gläubiger vor eine Statue gestellt (ähnlich wie in Daniel 3) und ihm gesagt, dass, wenn er sich vor diesem Götzenbild niederbeugen würde, er nicht getötet werden würde. Und um ihn zu überzeugen, fügten die Bedränger diesen Satz hinzu: „Das Leben ist süß – der Tod ist bitter“. Dieser Gläubige gab folgende Antwort: „Das ewige Leben ist viel süßer – die ewige Verdammnis ist viel bitterer; ich stehe zu Christus“.
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Vielleicht können wir an zwei Gründe denken, wenn wir heute von dem Hass der Welt so wenig spüren, und das sollte uns schon etwas betroffen machen. Der erste Grund ist wohl der, dass wir zu oft Kompromisse mit der Welt machen, wir haben schon zu viel Welt in uns, wir geben zu wenig zu erkennen, dass wir nicht zu ihr gehören. Je mehr wir das zu erkennen geben würden, umso schwieriger würde es für uns werden. Aber wir passen uns oft der Welt zu viel an, und deshalb spüren wir auch relativ wenig von ihrem Hass. „Alle, die gottselig leben wollen, werden verfolgt werden“ (2. Tim 3,12). Davon spüren wir deshalb so wenig, weil wir so wenig gottselig leben.
Und der andere Grund ist wohl der, dass wir uns zu wenig in der Welt des Vaters aufhalten. Das führt uns noch einmal zurück zu dem ersten Teil dieses Kapitels. Je weniger wir in dem Genuss der Liebe des Herrn Jesus sind, je weniger Frucht wir bringen, je weniger wir uns untereinander lieben, umso weniger werden wir von der Welt gehasst werden. Das sollte uns zum Nachdenken bringen!
Wie reagieren wir auf den Hass der Welt? Hassen wir die Welt auch? Das müssen wir mit Ja und Nein beantworten. Wenn wir die Welt als das System Satans sehen, dann müssen wir das komplett ablehnen. Wir sind herausgenommen aus der „gegenwärtigen bösen Welt“ (Gal 1,4) und sollen ihr „nicht gleichförmig“ sein (Röm 12,2), wir sollen die Welt nicht lieben (1. Joh 2,15) und nicht Freunde der Welt sein (Jak 4,4). Zu dem System Welt müssen wir ganz klar Nein sagen! Aber wir müssen bedenken, dass der Hass dieser Welt uns ja durch die Menschen dieser Welt entgegenschlägt. Und die Menschen dieser Welt dürfen wir nicht hassen, wir müssen ihnen in Liebe begegnen. Das ist allerdings eine große Herausforderung. Wir kommen am Ende des Kapitels noch dazu, dass der Herr Jesus seine Jünger Zeugen nennt. Wir haben einen Auftrag in der Welt, auch wenn die Welt uns hasst. Wir sind das Licht der Welt (Mt 5,14) und sollen von unserem Herrn zeugen. Je mehr wir Licht der Welt sind, umso mehr werden wir den Widerstand der Welt zu spüren bekommen; und je weniger wir Licht der Welt sind, umso weniger werden wir das spüren.
„Erinnert euch an das Wort, das ich euch gesagt habe: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten.“ (V.°20)
Von diesem Vers an spricht der Herr nicht mehr allgemein von dem Hass der Welt, sondern durch das „sie“ macht Er deutlich, dass Er jetzt speziell von dem Hass und den Verfolgungen der jüdischen oder religiösen Welt spricht. Und wir werden sehen, dass der religiöse Hass der stärkste Hass der Welt ist. Es ist wie bei der Verführung oder Vermischung von Gutem und Schlechtem: die gefährlichste Verführung ist die religiöse Verführung.
Der Herr bezieht sich jetzt auf das Wort, das Er in Johannes 13,16 im Zusammenhang mit der Fußwaschung zu seinen Jüngern gesagt hatte. Jetzt kommt Er noch einmal auf diese Aussage zurück und sagt damit, dass dieser Grundsatz hier auch gilt. In Johannes 13 hatte der Herr den Jüngern ernst vorgestellt, dass sie sich dem Dienst, den Er eben an ihnen getan hatte, untereinander und aneinander nicht entziehen dürfen, sonst würden sie sich über Ihn stellen. Und jetzt sagt Er ihnen, dass, wenn sie sich dem Hass der Welt entziehen würden, sie sich auch über Ihn stellen würden. Da wollen wir doch Knechte des Herrn sein, die sich Ihm unterordnen und die dasselbe erleben dürfen, wie Er es erlebt hat. Paulus spricht in Philipper 3,10 davon, dass er geradezu darauf aus war, die Gemeinschaft Seiner Leiden kennenzulernen. Den Philippern selbst war es „im Blick auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden“ (Phil 1,29).
Dann schließt der Herr zwei Möglichkeiten oder Bedingungen an, die bei ihrem Eintreten auch entsprechende Folgen für die Jünger haben würden. Im ersten Fall spricht Er von Verfolgungen, und es ist ganz offensichtlich, dass Er Verfolgungen erfahren hatte. Deshalb ist die klare Schlussfolgerung, dass die Jünger nicht überrascht sein sollten, wenn auch sie etwas von dieser Verfolgung erleben würden. Das würde sicher eine bittere Erfahrung sein, aber der eigentliche Grund ist doch wieder tröstlich: Sie werden verfolgt werden, weil sie zu Ihm gehören!
Bei der zweiten Möglichkeit spricht der Herr vom Halten seines Wortes. Im Allgemeinen war das sicher nicht der Fall, dass die Menschen das Wort des Herrn gehalten haben, aber Er lässt doch nicht unberücksichtigt, dass es Einzelne gegeben hat, die trotz der Ablehnung der großen Masse des Volkes auf seine Worte gehört haben. Wir dürfen das so positiv verstehen, wie der Herr es hier sagt. Ist das nicht erstaunlich, dass der Herr trotz dieses dunklen Hintergrundes in diesen Versen einen ausgewogenen Blick dafür hat, dass es doch Einzelne gab, die sein Wort gehalten hatten? Denken wir noch einmal an Nikodemus, an Joseph von Arimathia, oder die einzelnen Frauen, die Ihm dienten mit ihrer Habe.
Dann blickt der Herr voraus auf die Zeit seiner Abwesenheit, wenn die Jünger an seiner Statt Zeugen sein würden; und Er verheißt ihnen, dass es solche geben wird, die durch ihr Wort an Ihn glauben werden (Joh 17,20). Nicht die Welt insgesamt, aber Einzelne aus allen folgenden Generationen werden dieses Wort halten. Eine echte Ermutigung auch für uns in unseren letzten Tagen dieser Epoche, noch Zeugen zu sein und Menschen zur Umkehr und zum Halten seines Wortes zu bewegen.
„Aber dies alles werden sie euch tun um meines Namens willen, weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat“ (V. 21).
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Dieser Vers zeigt uns die eigentliche, am tiefsten gehende Ursache für den Hass der Welt: Sie kennt den Vater nicht. Die Unkenntnis über den Vater ist nicht zu entschuldigen, denn der Herr Jesus hat Ihn in Worten und Werken offenbart (Vers 22+24). In den Versen 22 bis 25 spricht der Herr praktisch das Urteil über den alten Weinstock Israel. Denn in diesen Versen zeigt der Herr, wie der alte Weinstock reagiert hat, als der Vater den Sohn gesandt hatte und dieser Sohn ihnen in seinen Worten und Werken den Vater gezeigt hatte. Es war nur Hass und Ablehnung; und das war der Grund, dass Gott einen ganz neuen Anfang mit dem wahrhaftigen Weinstock gemacht hatte.
Wir hatten bisher in diesem Abschnitt gesehen, dass der Hass der Welt darin begründet war, dass die Jünger nicht mehr zu ihr gehörten, dass sie aus diesem System herausgenommen worden waren und dem Herrn Jesus angehörten. Und in Vers 20 hatten wir gesehen, dass wir als Jünger sowohl die gleiche Stellung als auch das gleiche Verhältnis zur Welt haben wie der Herr Jesus, als Er als Mensch auf dieser Erde war. Die Welt reagiert bei den Jüngern genauso, wie sie bei dem Herrn reagiert hat: sie lehnte den Herrn ab, und sie lehnte auch seine Jünger ab. Es gibt auch nur zwei Möglichkeiten, auf das Zeugnis des Herrn oder jetzt seiner Jünger zu reagieren: entweder wird das Wort abgenommen, oder es wird abgelehnt. Es gibt keine Neutralität, wenn es um die Person des Herrn Jesus geht.
Alles hängt tatsächlich von der Person des Herrn Jesus ab; die Welt tut das alles um seines Namens willen, um alles dessen willen, was diese Person ist und ausmacht. An seiner Person scheiden sich die Geister.
„Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie keinen Vorwand für ihre Sünde“ (V. 22).
Der Herr blickt hier auf die Zeit zurück, in der Er hier unter den Menschen war und zu ihnen geredet hatte; in Vers 24 erwähnt Er dann auch die Werke, die Er unter ihnen getan hatte. Damit zeigt Er, dass sein Kommen in Gnade war. Er ist gekommen und hat Worte der Gnade und der Offenbarung des Vaters geredet, und Er hat Werke der Liebe und der Macht Gottes getan. Das hat die Menschen der Welt zu dieser schwerwiegenden Entscheidung geführt. Das Kommen des Herrn Jesus hat gezeigt, dass die Welt Gott nicht will. Dieses Verwerfen des Herrn Jesus in seinen Worten und Werken ist schon früher in diesem Evangelium deutlich geworden. In Johannes 8,37 sagt der Herr Jesus zu den Juden, dass sein Wort keinen Raum in ihnen findet. In Johannes 10,32 sagt er ihnen: „Viele gute Werke habe ich euch von meinem Vater gezeigt; für welches Werk unter diesen steinigt ihr mich“?
Auch im Gesetz hat Gott zu den Menschen geredet, und da hat sich erwiesen, dass der Mensch nicht zu Gott kommen kann. Aber dann kam der Herr Jesus als die Offenbarung des Vaters und die Offenbarung der Gnade Gottes, und da stellte sich heraus, dass der Mensch nicht zu Gott kommen will. Deshalb hat die Welt keine Entschuldigung, keinen Vorwand mehr für diese Sünde.
Der Herr sagt übrigens nicht, dass sie keine Sünden hätten, sondern keine Sünde. Hier geht es um die Sünde als Zustandsbeschreibung ihrer Haltung dem Herrn Jesus gegenüber, und nicht um Tatsünden. In dem Sohn die Gnade Gottes und die Wahrheit Gottes (Joh 1,17) gesehen, gefühlt, gehört zu haben und Ihn abgelehnt und gekreuzigt zu haben, ist gleichsam die Kardinalsünde, die alles andere in den Schatten stellt. Mehr kann Gott, der Vater, dem Menschen nicht anbieten, und wer diese ultimative Offenbarung in dem Sohn vollständig ablehnt, zeigt, dass er in einem Zustand der Verhärtung der Sünde ist, der nur noch gerichtet werden kann. Das ist letzten Endes die Wegnahme des alten Weinstocks, der durch den wahren Weinstock ersetzt wird.
Als der Herr Jesus als Mensch auf der Erde war, hat Gott gleichsam den Menschen die Hand der Versöhnung entgegengestreckt, „Gott war in Christus, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend“ (2. Kor 5,19). Aber in der Ablehnung des Herrn Jesus hat sich ihr Zustand als Opposition und Widerstand gegen den Vater, der den Sohn gesandt hat, erwiesen. Es hat nie eine Zeit gegeben, in der Gott so geredet hat, als damals in dem Sohn als Mensch auf der Erde (vgl. Heb 1,1.2). Es kommt dabei nicht so sehr auf den Inhalt der gesprochenen Worte an, sondern zunächst einfach auf die Tatsache, dass der Sohn auf der Erde war – das ist schon eine Sprache für sich. Er war gekommen und hatte zu ihnen geredet, und deshalb haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde. Hätten sie Ihn angenommen, hätte das die Versöhnung der Welt bedeutet, aber die Welt in ihrer Ablehnung alles Göttlichen kann nicht versöhnt werden mit Gott. Heute lässt Gott im Evangelium der Gnade nicht mehr der Welt als solcher die Versöhnung anbieten, sondern Er spricht den Einzelnen an. „Er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor 5,19.20).
„Wer mich hasst, hasst auch meinen Vater“ (V. 23).
Den abzulehnen, der die Worte des Vaters hatte, bedeutet, den Vater selbst abzulehnen. Dieser Hass der Juden gegen den Herrn Jesus und gegen den Vater war nicht nur ein punktueller Hass, sondern ein vollständiger, abgeschlossener und verhärteter, unveränderlicher Hass.
In Johannes 9,41 hatte der Herr Jesus ganz ähnliche Worte wie hier in Bezug auf seine Worte und auf seine Werke gebraucht: „Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun aber, da ihr sagt: Wir sehen, bleibt eure Sünde“. Und
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auch da haben wir genau diese beiden Aspekte Worte und Werke; in Johannes 8 war der Herr in seinen Worten verworfen worden, und in Johannes 9 in seinen Werken. Trotzdem hatte Er in seiner Gnade unter ihnen in der Auferweckung des gestorbenen Lazarus noch das größte Zeichen überhaupt gewirkt; aber das Resultat war: „Obwohl er so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn“ (Joh 12,37). Sie haben Ihn in jedem seiner Werke und auch in der Gesamtheit seiner Werke abgelehnt.
Am Ende von Johannes 12 sahen wir dann die abschließenden Worte des Herrn in der Öffentlichkeit. Er hatte nicht von sich selbst aus geredet, sondern nur das, was der Vater Ihm zu reden geboten hatte (Vers 49). Aber sie haben alle seine Worte abgelehnt. So war am Ende von Kapitel 12 genau der Punkt erreicht, den der Herr hier in Johannes 15 seinen Jüngern erklärt – eine vollständige Verwerfung der Worte und Werke und damit auch der Person des Herrn Jesus. Und wer Ihn verwarf, wer Ihn hasste, der hasste auch seinen Vater.
Johannes schreibt später in seinem ersten Brief, dass das genau die Sünde des Antichristen ist: den Vater und den Sohn zu leugnen (1. Joh 2,22). Der Antichrist wird sich einmal an die Stelle des Christus setzen und damit sowohl den Herrn Jesus als auch den Vater ablehnen. Das ist das Vollmaß der Sünde.
„Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie gesehen und doch gehasst sowohl mich als auch meinen Vater.“ (V. 24).
Bei seinen Werken fügt der Herr noch die Bemerkung hinzu, dass es Werke gewesen waren, die kein anderer getan hat. Diesen Zusatz hatte Er bei seinen Worten in Vers 22 nicht gemacht. In dem Sinn, wie der Herr in Vers 22 und hier den Ausdruck Sünde gebraucht, spricht Er später in Johannes 16,8.9 noch einmal davon. Durch das Kommen des Heiligen Geistes wird die Welt von Sünde überführt werden. Die Gegenwart des Heiligen Geistes auf der Erde ist die Folge der Verwerfung des Sohnes Gottes. Der Heilige Geist auf der Erde ist der Beweis dafür, dass die Welt von Sünde beherrscht wird, Sein Kommen macht den wahren Charakter der Welt offenbar. Von dieser Welt kann nichts mehr erwartet werden, sie hat in der Verwerfung des Herrn in seiner Person und als die Offenbarung des Vaters in Gnade ihren hoffnungslosen Zustand völlig offenbar gemacht.
Die sündige Natur hatte im Lauf der Zeit oft ihre Früchte offenbart. Aber was bis zum Kommen des Herrn auf diese Erde noch nicht deutlich geworden ist, war, dass sie Gott auch dann hasst, wenn Er sich in Liebe und Gnade offenbart. Das ganze Alte Testament zeigt die Früchte der alten Natur, die Sünde war erwiesenermaßen da; aber hier mit dem Kommen des Herrn Jesus ist es die Ablehnung der höchsten Offenbarung Gottes. Und das beweist, dass diese sündige Natur Gott hasst, selbst wenn Er sich in Liebe und Gnade offenbart.
Was muss das für ein Schmerz für den Herrn Jesus gewesen sein, dass die Welt nicht nur Ihn, sondern sogar auch seinen Vater gehasst hat! Diesen Hass gegen den Vater zu sehen, hat Ihn tief in das Herz getroffen. Deshalb hat die Welt auch keine Verheißung mehr außer Gericht; Einzelne wohl, aber die Welt als solche erwartet das Gericht.
„– Aber damit das Wort erfüllt würde, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: „Sie haben mich ohne Ursache gehasst.“ – (V.°25)
Nach der Begründung, dass sie den Herrn in seinen Worten und in seinen Werken abgelehnt haben, kommt jetzt noch eine dritte Begründung hinzu: sie haben den Herrn Jesus ohne Ursache gehasst. Das Alte Testament hatte genau das vorhergesagt, die angeführte Stelle ist Psalm 69,5 entnommen. Der Ausdruck „Gesetz“ meint nicht immer nur die zehn Gebote oder die fünf Bücher Mose, sondern er steht hier für das ganze Alte Testament. In ihrem eigenen Alten Testament war genau das vorhergesagt, und dennoch erfüllten sie genau dieses Wort.
Genau das war dem Herrn Jesus absolut bewusst. Er kannte natürlich das ganze göttliche Wort, und Er wusste, dass auch dieser Hass ohne Ursache gegen Ihn im Voraus aufgezeichnet war. Es musste sich ereignen, damit die Schrift erfüllt würde.
Es ist interessant, dass dieses Zitat sogar zweimal in den Psalmen vorkommt. In Psalm 35,19 lesen wir: „Lass sich nicht über mich freuen, die mir ohne Grund feind sind, nicht zwinkern mit den Augen, die mich ohne Ursache hassen“! Vers 24 hatte betont, dass die Juden gesehen und doch gehasst haben; und hier haben wir das Zwinkern ihrer Augen und Hass ohne Ursache. Erstaunliche Parallele!
In Psalm 69,5 heißt es: „Mehr als die Haare meines Hauptes sind die, die ohne Ursache mich hassen“. Hier wird gar nichts mehr vom Anschauen oder Sehen gesagt, sondern direkt von dem Hass ohne Ursache gesprochen. Es gab absolut nichts in seiner Person, die diesen Hass hätte hervorrufen können. Ganz im Gegenteil war Er ja in Gnade gekommen, hatte Werke der Gnade vollbracht und Worte der Liebe gesprochen. Von Beginn seines Auftretens bis zu seinem Ende hatte Er nur Gutes gewirkt. Und doch wurde Er gehasst, und dieser Hass gipfelte in der Kreuzigung dieser einzigartigen Person.
