Wir haben in dem ersten Artikel etwas über den Hochmut von Nebukadnezar und die Gerichtsankündigung Gottes gehört. Das Gericht sollte darin bestehen, dass das Königtum von Nebukadnezar weichen würde.
Und dann sagt Gott: „Man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein, und man wird dir Kraut zu essen geben wie den Rindern und dich vom Tau des Himmels benetzt werden lassen. Und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will“ (Dan 4,29).
Gott sagt also: Das Gericht steht fest, und es hat das Ziel, dass Nebukadnezar erkennen sollte, dass der Höchste, dass Gott selbst herrscht und das Königtum verleiht, wem Er will. Gott setzt Könige ein und er setzt sie ab. Und nach sieben Zeiten, vermutlich sieben Jahren, sollte ihm das Königtum wieder werden, sobald er erkannt haben würde, dass die Himmel herrschen. Dieses Gericht ist schon einzigartig und sehr außergewöhnlich. Er wird von den Menschen ausgestoßen und lebt wie ein Tier. Wohlgemerkt, es heißt: „wie ein Tier“. Er blieb ein Mensch, aber der Verstand war von ihm gewichen und er verhielt sich eben wie ein Tier.
Die geistliche Botschaft ist, dass der Mensch ohne Beziehung zu Gott wie ein Tier ist. Ein Tier blickt zur Erde. Aber der Mensch ist von seinem Wesen her auf eine Beziehung zu Gott angelegt. Wenn er diese Beziehung ablehnt, wenn er sie verneint, wenn er sie aus dem Auge verliert, verhält er sich wie ein Tier und sinkt moralisch auch auf dieses Niveau herab. Ja, noch mehr, er ist moralisch verderbt. Das Neue Testament sagt von Menschen ohne Gott, dass sie verfinstert sind am Verstand (s. Eph 4,18). Der Judasbrief spricht von Menschen, die sich eingeschlichen haben in die Mitte der Gläubigen, obwohl sie kein Leben aus Gott haben. Sie sind im Gegenteil gottlos, halten sich aber in der Mitte des christlichen Bekenntnisses. In Judas 10 lesen wir: „Diese aber lästern, was sie nicht kennen; was irgend sie aber von Natur wie die unvernünftigen Tiere verstehen, darin verderben sie sich.“ Also auch hier benutzt der heilige Schreiber den Vergleich mit unverständigen Tieren. Und in der Zeit, in der wir leben, hat man mehr und mehr den Eindruck, dass das wirklich Praxis ist.
Aber es ist so, dass es bei Nebukadnezar einen Wendepunkt im Leben gab. Wenn es auch Gericht war, so war es damals ein zeitliches Gericht. Ein Gericht, das das Ziel hatte, dass er doch noch umkehren würde. Und bei Nebukadnezar können wir sagen, dass, nachdem er vorher vom Handeln Gottes immer mal wieder äußerlich beeindruckt gewesen war, jetzt wirklich eine Umkehr stattfindet.
In Daniel 4,31 heißt es: „Am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kam mir wieder; und ich pries den Höchsten, und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden.“ Und der Lobpreis Gottes geht da noch weiter. Entscheidend ist hier: In dem Moment, in dem er seine Augen, also seine Blickrichtung, zum Himmel erhebt und damit anerkennt, dass Gott im Regiment sitzt, dass die Himmel herrschen, kam sein Verstand ihm wieder. Sein Königtum wird ihm wieder, und zwar sogar noch umfangreicher oder die Größe noch ausnehmender, als sie vorher gewesen war. Es zeigt etwas von der Langmut und Güte Gottes, aber auch, dass Gott eben über allem steht, dass Er der Höchste ist. Das ist Er heute unverändert und das wird Er bleiben in Ewigkeit.
Aber allein Menschen, die eine Lebensbeziehung zu Gott haben, können wirklich verständig sein. Wir werden im Neuen Testament aufgefordert, „verständig zu sein, was der Wille des Herrn ist“ (Eph 5,17). Der Epheserbrief zeigt uns, dass gläubige Menschen durch die Bekehrung „erleuchtet sind an den Augen ihrer Herzen“ (Eph 1,18). Wir sind in der Lage, die Gedanken Gottes zu verstehen.
Der Herr schenke, dass wir im täglichen Leben wirklich in Gemeinschaft, in einer lebendigen Lebensverbindung mit dem Herrn Jesus und unserem Gott und Vater leben.
