Nebukadnezar, der König von Babel, war wohl der Herrscher mit der größten Machtfülle, die es je gegeben hat. Doch Gott lässt in seinem Wort keinen Zweifel daran, dass Er es ist, der ihn in diese Position gebracht hatte. Gott hatte wiederholt zum Herz und Gewissen dieses Königs gesprochen, um ihn von seinem falschen Weg abzubringen, und vor allem, um sein Herz zu verändern. Bereits in dem Traum mit dem Standbild in Daniel 2 hatte Er eine Botschaft an den König. Daniel sagte ihm den Traum und die Deutung und dort weist Gott direkt darauf hin, dass Er, der Gott des Himmels, das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre ihm gegeben hat (Dan 2,37). Doch leider sehen wir, dass das keine nachhaltigen Auswirkungen auf Nebukadnezar hatte.

In Daniel 3 lässt er dieses große Standbild zu seiner Ehre aufrichten, ein Götzenbild, und zwingt alle, sich davor niederzuwerfen. Doch die drei Freunde Daniels tun das nicht und kommen dafür in den feurigen Ofen. Dort bewahrt Gott sie auf wunderbare Weise. Unter dem Eindruck des Augenblicks preist Nebukadnezar den Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, aber wir sehen keine wirkliche innere Umkehr bei ihm. Und das wird besonders unterstrichen dadurch, dass Gott in Daniel 4 noch einmal eine persönliche Botschaft an ihn hat und Er den Traum, den kein anderer zu deuten vermag, Daniel mitteilt, der ihm diesem Traum deutet.

Gott ließ ihm sagen, dass das Gericht über ihn kommen werde, bis er erkannt haben würde, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem Er will, und dass die Himmel herrschen. Daniel fordert den König auf: Brich mit deinen Ungerechtigkeiten, mit deinen Sünden, wenn dein Königtum Bestand und Dauer haben soll. Und so kam dann nach Verlauf von zwölf Monaten das Gericht über den König. Als er auf dem Palast umherging, sprach er: „Dies ist das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit.“ Er hatte völlig vergessen oder wollte es nicht wahrhaben, dass er das Königtum von Gott hatte. Und dieses Wort war noch im Mund des Königs – so sagt es uns der Bibeltext in Daniel 4 –, da kam eine Stimme vom Himmel herab und sagte: „Das Königtum ist von dir gewichen.“ Und in demselben Augenblick wurde auch das Gericht ausgeführt. Der Kern war der Hochmut von Nebukadnezar und Gott gibt seine Ehre keinem anderen. Das Gericht, das Er angekündigt hat, lässt Er ausführen. Aber die Langmut Gottes zeigt sich darin, dass Er erstens dem Nebukadnezar wiederholt eine Aufforderung zur Umkehr gibt und dass Er eine Frist gibt, in diesem Fall zwölf Monate, wo es eine Möglichkeit zur Umkehr gab.

Die Liebe Gottes zögert mit der Ausführung des Gerichtes. Das ist seine Langmut. Er gibt Chancen zur Umkehr. Aber seine Gerechtigkeit bewirkt, dass sein Zögern nicht ewig dauert. Es gibt eben einen Punkt, an dem das Gericht kommt und dann kommt es schnell. So wie es damals bei Nebukadnezar war, so wird es auch in Zukunft sein über eine christuslose Christenheit und über die Welt überhaupt.

Aber zum Schluss einen Gedanken, der auch bewegend ist: Wenn Petrus in seinem zweiten Brief sagt: „Er ist langmütig gegen euch“, dann setzt er hier den Schwerpunkt nicht auf die Langmut Gottes gegenüber den Ungläubigen, sondern gegenüber den Gläubigen. Und er will uns damit vielleicht sagen, dass die Langmut Gottes noch Gelegenheit gibt, von Ihm zu zeugen, von dem Retter-Heiland, damit noch möglichst viele umkehren, ja dass alle umkehren und keiner verloren geht. Eine Aufforderung an jeden von uns.