Die Person des Herrn Jesus ist nicht nur der große Gegenstand des Neuen Testaments, sondern auch des Alten Testaments. Als der Herr Jesus mit den Emmausjüngern geht, sagt er unter anderem: „Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lk 24,26). Und Petrus schreibt in seinem ersten Brief im ersten Kapitel von den Leiden, „die auf Christus kommen sollten und von den Herrlichkeiten danach“ (1. Pet 1,11).
Das ist vielleicht eine gute Überschrift über den Kerninhalt des Alten Testaments.
Und es gibt mehrere Abschnitte, die sehr umfassend und sehr intensiv vor allen Dingen von den Leiden des Herrn Jesus sprechen, aber auch mehr oder weniger ausführlich etwas über die Herrlichkeiten danach sagen.
Eine davon finden wir in Psalm 22, der in besonderer Weise die sühnenden Leiden des Herrn Jesus am Kreuz auf Golgatha vor unsere Herzen stellt. Und direkt zu Beginn geht es mit dem Ausspruch „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ auf den tiefsten Punkt. Es war das Gericht vonseiten Gottes in den drei Stunden der Finsternis wegen unserer Schuld und Sünde.
Aber ich möchte zunächst einmal unsere Aufmerksamkeit etwas auf die sehr interessante Überschrift dieses Psalms richten. Sie heißt: „Dem Vorsänger nach Ajjelet Haschachar. Ein Psalm von David.“ Dieser Ausdruck in der Überschrift kann übersetzt werden mit „Hirschkuh der Morgenröte“ oder aber auch mit „Die Opfergabe des Lammes“. Und das zeigt in bewundernswerter Weise die beiden Schwerpunkte dieses Psalms.
In der Überschrift wird das Ergebnis des Werkes des Herrn Jesus vorweg genannt: Hirschkuh der Morgenröte. Darin dürfen wir einen Hinweis auf die Auferstehung des Herrn Jesus sehen. Die Morgenröte zeigt, dass das Licht des neuen Tages anbricht, und es bricht hervor in der Auferstehung des Herrn Jesus. Er ist der Erstgeborene aus den Toten. Seine Auferstehung dokumentiert auf der einen Seite, dass sein Sühnungstod völlig genügt, um Menschen zu rechtfertigen. Zweitens wurde er auferweckt durch die Herrlichkeit des Vaters wegen seiner Frömmigkeit. Gott konnte nicht zulassen, dass sein Frommer die Verwesung sehe (s. Apg 2,27). In unserem Psalm beginnt der zweite Teil des Psalms ab der Mitte von Vers 22 mit: „Ja, du hast mich erhört von den Hörnern der Büffel“ (Ps 22,22). Genau dieses Thema, die Auferstehung des Herrn Jesus und einige der wunderbaren Ergebnisse, die damit verbunden sind, wird dann entfaltet.
Aber diese Überschrift kann eben auch übersetzt werden mit „Opfergabe des Lammes“. Und das ist das Thema des ersten Teiles dieses Psalms bis zum Beginn von Vers 22. Wenn wir an die Auferstehung denken, ist klar: Derjenige muss vorher gestorben sein. David schrieb zwar diesen Psalm und er ging auch durch harte Verfolgungen vonseiten Sauls, aber nie in das Verlassensein von Gott, das hier beschrieben wird.
Dieser Psalm geht bis zu den Tiefen der drei Stunden der Finsternis, und wir können ein wenig von den Empfindungen unseres Heilandes sehen, die er hatte, als er im Gericht Gottes über die Sünden war. Ein Opfer für die Sünden war notwendig und Gott gab dieses Opfer selbst. Der Herr Jesus ist das Lamm Gottes. Er ist gekommen und hat durch sein Werk am Kreuz auf Golgatha Sühnung bewirkt und alle heiligen und gerechten Anforderungen Gottes vollkommen erfüllt. Nur durch seinen Tod dürfen wir jetzt leben.
Dieser Psalm zeigt uns in ergreifender und bewegender Weise, in welche tiefen Leiden der Herr Jesus vonseiten Gottes, aber auch vonseiten der Menschen hineinging, was es ihn gekostet hat, wie tief es ihn getroffen hat und wie schwer es war, diesen Weg zu gehen.
In Ewigkeit dürfen wir ihm Dank und Anbetung dafür bringen, dass er für uns gestorben und auferweckt worden ist.
