„Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen“ (Psalm 116,15).

Dieser Vers spricht offenbar nicht davon, dass es für Gott kostbar ist, wenn ein Gläubiger stirbt und seine Seele in das Paradies eingeht (so wahr das auch ist). Denn in dem ganzen Psalm geht darum, dass der Fromme vor dem Tod gerettet wird, was auch an vielen anderen Stellen im Alten Testament thematisiert wird.

Der Gedanke scheint hier deshalb zu sein, dass der Tod eines Frommen schwer wiegt in den Augen Gottes. Gott geht mit dem Tod eines Gläubigen so behutsam um wie mit einer Kostbarkeit. Einen ähnlichen Gedanken finden wir in Psalm 72,14: „Von Bedrückung und Gewalttat wird er ihre Seele erlösen, und ihr Blut wird teuer sein in seinen Augen.“

Den Sinn wiedergebend hat deshalb Luther diesen Vers so übersetzt: „Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem HERRN.“

Wenn wir die Heilige Schrift „genau lesen“ wollen, dann gehört dazu auch, dass wir den Kontext einbeziehen. Wir dürfen einen Vers nicht auslegen und anwenden, indem wir ihn einfach isoliert betrachten.