Seelsorge konkret (3) - Gebet ist keine religiöse Pflicht

Online seit dem 12.03.2008, Bibelstellen: 1. Samuel 13,12

Es ist eine gute Gewohnheit, wenn wir möglichst alles mit und unter Gebet machen möchten. Als Nehemia von dem König aufgefordert wurde, eine Bitte auszusprechen, da betete er zuerst, bevor er seinen Mund aufmachte (Nehemia 2,4). Das ist sehr nachahmenswert! Das zeigt seine Abhängigkeit von Gott und sein Vertrauen auf Gott.

Aber beachten wir auch, dass so etwas zu einer formalen Sache abstumpfen kann. Ja, wir können sogar dahin kommen zu glauben, dass in dem Gebet selbst Kraft liegen würde. Wir meinen dann vielleicht, nicht handeln zu können, wenn wir nicht gebetet haben und vergessen dabei, dass Gott auf das Herz sieht und dass es zuerst auf die innere Haltung ankommt. Selbstverständlich will Gott „gebeten“ sein, aber wenn wir einmal nicht daran gedacht oder einfach keine Gelegenheit gefunden haben – dann dürfen wir doch vertrauensvoll eine Sache angehen. Und es ist auch nicht gut, wenn ein Unglück passiert ist, zu sagen: „Das liegt daran, weil ich nicht genug gebetet habe!“ Dieser Gedanke scheint mir ziemlich weit verbreitet zu sein, aber es macht aus dem Gebet eine religiöse Pflicht, die ein strenger Gott von uns fordert, und dabei sollte es doch unsere Freude sein, zu Gott zu beten. Ja, Gott ist auch streng, aber er ist auch gütig. „Sieh nun die Güte und Strenge Gottes“ (Römer 11,22).

Ein Beispiel, dass man dem Gebet eine falsche Bedeutung beimessen kann, mag angebracht sein. Hören wir, was der ungehorsame Saul zu Samuel sagte: „Jetzt werden die Philister zu mir nach Gilgal herabkommen, und ich habe den HERRN nicht angefleht! Und ich überwand mich und opferte das Brandopfer“ (1. Samuel 13,12).  

Saul war ein religiöser Mann, der aber Gott nicht wirklich kannte. Um eine äußere Form einzuhalten, tat er etwas, was gegen Gottes Wille war. Er meinte, dass man Gott nur einfach anflehen müsse und dass es nicht auf den Zustand des Herzens ankomme. Das war natürlich eine spezielle Sache für sich - aber wir sehen doch, dass er dem Gebet eine Kraft zumaß, die nur Gott zukommt. In dem Gebet selbst liegt keine Kraft, sondern in dem gnädigen Gott, der auf das Gebet des Gerechten eine Antwort gibt. Dieser Gott ist es auch, der unsere Herzen kennt und unsere Beweggründe beurteilt.    

Gerrid Setzer