Drei parallele Linien

Online seit dem 06.04.2008, Bibelstellen: Römer 6,6; Römer 7,4; Römer 8,3

1. Die Linie der Tatsachen – Gottes Tatsachen. Im Kreuz Christi sind bestimmte Dinge vor Gott zu vollendeten Tatsachen geworden.

2. Die Linie der Erfahrung. Jeder Christ macht Erfahrungen, gute, schlechte und neutrale. Es sind verborgene Dinge, unsichtbar für die Augen der Geschwister, aber für den Betreffenden selbst sehr real.

3. Die Linie des Verhaltens. Diese ist mehr oder weniger öffentlich – sichtbar für die Augen aller.

Im Idealfall eines christlichen Lebens verlaufen diese drei Linien genau parallel. In jedem Leben verläuft die dritte annähernd parallel zu der zweiten, das heißt unser Verhalten wird weitestgehend von unserer Erfahrung gesteuert. In unserem öffentlichen Verhalten schreiben wir die verborgene Geschichte unserer Erfahrungen im Innern.

Vielleicht gibt jeder Christ, der diese Zeilen liest, zu, dass unser Leben und Zeugnis für Christus nicht so ist, wie es sein sollte. Wir wünschten, es wäre mehr in Übereinstimmung mit den Tatsachen Gottes – dem Kreuz und seinen Ergebnissen – mehr vom Geist geleitet, mehr ein Duft von Christus. Wie kann das geändert werden?

Niemals wird das durch Beschäftigung mit sich selbst bewirkt, obwohl viele Christen das meinen und Monate und Jahre mit der nutzlosen Mühe zubringen, sich in einen zufriedenstellenderen Zustand hochzuarbeiten. Es wird dir nicht gelingen eine Linie parallel zu einer anderen zu zeichnen, wenn du deine ganze Aufmerksamkeit auf die Linie richtest, die du zeichnen willst. Nein, richte deine Augen auf die Linie, die als Orientierung dienen soll, richte dein Lineal nach dieser Linie aus, und es funktioniert. Um Fortschritte zu machen, müssen wir uns an die göttliche Ordnung halten. Unser Verhalten wird von unserer Erfahrung bestimmt und unsere Erfahrung sollte durch die Kenntnis der göttlich vollendeten Tatsachen bestimmt sein.

Das sechste, siebte und achte Kapitel des Römerbriefes beschäftigen sich größtenteils mit Erfahrung und Verhalten, und doch zieht sich die Linie der Tatsachen wie ein roter Faden durch jedes Kapitel hindurch.

Erlaube mir einmal, mich nach deinem geistlichen Wohlergehen zu erkundigen. Wie kommst du vorwärts? Und findest du in deinem Christentum noch die Freude, die du dir erhofftest, als du an den Herrn gläubig wurdest? Vielleicht nicht. Vielleicht geht es dir wie vielen anderen und du erlebst Niederlage statt Sieg, Traurigkeit statt Freude. Es darf dir jedoch ein Trost sein, dass in Römer 7 jemand von sich selbst Zeugnis ablegt, und tiefer als dieser kannst du kaum sinken. Seine Erfahrung war das Elend selbst. Er fasst es folgendermaßen zusammen: „Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft“ (Rö 7,14). Sein Verhalten war – wie zu erwarten – nicht besser: „Denn nicht das Gute, das ich will, übe ich aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Rö 7,19).

Was half diesem elenden Menschen? Nun, genau das, was auch dir helfen wird – die Kenntnis göttlich vollendeter Tatsachen. In jedem dieser Kapitel gibt es einen Vers, der eine solche Tatsache ausdrückt. Diese Tatsachen sind in keiner Weise von uns abhängig. Mögen unsere Erfahrungen so sein wie sie sind, die Wahrheit dieser Tatsachen bleibt unverändert. Sie lauten wie folgt:

„Unser alter Mensch ist mitgekreuzigt worden” (Rö 6,6).

„Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“ (Rö 7,4).

„Gott, der seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte“ (Rö 8,3).

In einer Sache stimmen diese Verse überein, sie beziehen sich nämlich alle auf etwas, dass Gott für sich selbst am Kreuz unseres Herrn Jesus Christus vollbracht hat. Denn da wurde unser alter Mensch gekreuzigt, wir wurden dem Gesetz getötet und die Sünde wurde im Fleisch verurteilt.

Mach dir diese Tatsachen zu Eigen. Wenn unser alter Mensch – der Apostel personifiziert alles, was wir als Kinder Adams sind – mit Christus gekreuzigt worden ist, dann ist Gott mit ihm fertig, und es gibt keinen Grund, warum du über seine Verdorbenheit noch weiter Trübsal blasen solltest. Wenn wir dem Gesetz getötet sind, dann musst du dich nicht immer, wenn du versagt hast, mit gesetzlichen Skorpionen züchtigen, sondern solltest dich lieber im Licht der Gnade Gottes beurteilen. Wenn die Sünde im Fleisch verurteilt worden ist, dann ist es offensichtlich, dass Gott im Kreuz den Dingen auf den Grund gegangen ist und Sein Gericht über die Sünde, die Wurzel des Übels, ausgeführt hat. Warum verbringst du also deine Zeit nicht mit dem Betrachten der großen Liebe, die in Seinem Tod zum Ausdruck kommt, statt die Sünde zu betrachten, die Sein Tod verurteilt hat? 

Glaube nur nicht, dass die bloße Kenntnis dieser Tatsachen, so wertvoll sie auch ist, an sich etwas bewirken wird. Nein, wenn dich die Kenntnis nicht dahin bringt, dass du jede Hoffnung auf zufriedenstellendere Erfahrungen oder ein besseres Verhalten in dir selbst aufgibst und deine Augen durch die Kraft des Geistes auf Christus richtest, wird sie dir nichts bringen. Wenn du bereit bist, dem Geist Gottes zu gestatten, dein Herz mit der Vortrefflichkeit und Herrlichkeit Christi zu erfüllen, wird sich die Szene ändern, und sowohl die Erfahrung als auch das Verhalten werden auf ein völlig anderes Niveau erhoben.

Eine elektrische Straßenbahn kann das sehr treffend illustrieren. Sie fährt mit Hilfe von drei parallelen Leitungen, zwei untere und eine obere, die unter Strom steht. Von ihrer Existenz hängt alles ab, von der dauerhaften Verbindung zwischen dem langen Stromabnehmer und dem stromführenden Draht darüber. Du beobachtest eine Straßenbahn in einer dunklen Nacht. Wie schleunig sie fährt! Wie hell sie scheint! Doch auf einmal ist sie nicht mehr zu sehen. Was ist passiert? Der Kontakt ist unterbrochen, und wenn der Kontakt unterbrochen ist, fehlt ihr die Antriebskraft und die Lichter gehen aus. So lange, und nur so lange, wie der Geist Gottes uns in Verbindung mit der Linie der göttlichen Tatsachen halten kann, werden wir unseren himmlischen Lauf laufen und hell für Christus leuchten können.

Beachte zum Schluss, dass alle drei Linien in diesen Kapiteln des Römerbriefes zu sehen sind. Wenn wir durch die Gnade Gottes mit Gottes Tatsachen in Verbindung bleiben, werden wir die Schönheit der Erfahrung erleben, die mit den Worten beschrieben wird:

„Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Rö 8,2).

Wir werden die Freiheit eines genossenen Christus atmen, und uns, was unser Verhalten betrifft, an die Aufforderung halten:

„Stellt euch selbst Gott dar als Lebende aus den Toten, und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit“ (Rö 6,13).

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole