Sünde im Fleisch verurteilt

Online seit dem 14.04.2008, Bibelstellen: Römer 8,2

Der Gegensatz zwischen dem siebten und achten Kapitel des Römerbriefes ist sehr ausgeprägt. In Römer 7 wird der Geist Gottes nicht erwähnt, während Römer 8 immer wieder von Ihm spricht – die ersten 27 Verse sind voll von Ihm. Die Begründung ist ganz klar: intaktes christliches Leben mit entsprechenden Erfahrungen geschieht in der Kraft und Energie des Geistes Gottes.

Römer 8,2 nennt die alte Energie, die uns als Unbekehrte kennzeichnete, „das Gesetz der Sünde und des Todes.” Die eue Energie, die uns als Christen kennzeichnet, wird „das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus“ genannt, und dieser neuen Energie wird die Überlegenheit gegenüber der alten zugesprochen. Wird dem „Geist des Lebens in Christus Jesus“ gestattet, Sein „Gesetz“ oder Seine „Herrschaft“ frei auszuüben, dann ist die Herrschaft der Sünde und des Todes gebrochen. Das höhere Gesetz wirkt dem geringeren entgegen.

Dann zeigt uns Vers 3 die Grundlage für diese neue Herrschaft in dem großen Werk Gottes im Opfer Christi, als Er „die Sünde im Fleisch verurteilte.” „Sünde im Fleisch“ war der alte Tyrann. Wir sprechen bewusst von Tyrann, denn das Gesetz der Sünde und des Todes war wirklich Tyrannei, wie es die elenden Erfahrungen von Römer 7 bezeugen, wo die Wirkungen dieses Gesetzes zu unserer Belehrung näher beschrieben werden. Gott sei Dank gibt es unter dem neuen „Gesetz“ keine Tyrannei, denn es ist das Gesetz eines neuen Lebens – „Leben in Christus Jesus“ – und nicht nur das, sondern das Gesetz des Geistes dieses Lebens.

Hat dann also der Gläubige zwei Leben? Nicht aus der Sicht Gottes. Das neue Leben ist dem Gläubigen auf der Grundlage der Verurteilung des alten durch Gott selbst in dem Opfer Christi geworden. Gott hat die Sünde im Fleisch verurteilt. Das Gesetz hätte das nie tun können. Es konnte nur den Menschen, der durch Sünde im Fleisch bestimmt war, sehr gründlich verurteilen. Aber Gott hat die Sünde im Fleisch – das eigentliche Wesen der adamitischen Natur – verurteilt, und zwar derart, dass das arme Kind Adams, das glaubt, davon befreit wird. Das tat Er, indem Er Seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte. Wir blicken zum Kreuz und sehen im Opfer Christi, der das Gericht über die Sünde trug, die Sünde im Fleisch verurteilt.

Beachte: „Sünde im Fleisch.” Der Herr Jesus wurde Fleisch – heiliges Fleisch. Er kam in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde. Zwar ist die Sünde auch in den Bereich der Engel eingedrungen, aber Sünde in Geistwesen liegt außerhalb dieses Verses.

Beachte auch, dass Sünde im Fleisch nicht vergeben wurde, sondern verurteilt. In der menschlichen Gerichtsbarkeit mag es Vergebung geben, die durch einen Straferlass zum Ausdruck kommt, und dennoch hält das Gesetz seine Verurteilung der gesetzlosen und kriminellen Triebe aufrecht, die zu der in Frage stehenden Straftat geführt haben. So ist es auch in der göttlichen Gerichtsbarkeit, denn die menschliche ist, sofern sie gut und richtig ist, nur eine schwache Wiedergabe der göttlichen. Das Opfer Christi bietet die Grundlage, auf der der Gläubige rechtmäßig Vergebung der Vergehungen erlangen kann. Gleichzeitig macht es die göttliche Abscheu und Verurteilung der verdorbenen Natur deutlich, aus der die Vergehungen entsprangen. „Sünde im Fleisch“ – das eigentliche Wesen und die Natur des Lebens des gefallenen Adam und seiner Rasse – ist verurteilt.

Jetzt sind wir Gläubige „in Christus Jesus”, das ist unsere neue Stellung vor Gott, nicht länger in Adam! Und wir haben nicht nur diesen neuen Platz, diese neue Stellung, sondern wir haben auch „Leben in Christus Jesus“, innerlich gibt es eine neue Quelle des Lebens, so wie es äußerlich eine neue Position gibt. Ja noch mehr, wir besitzen den „Geist des Lebens in Christus Jesus“, und Sein Gesetz oder Seine Herrschaft garantiert, dass wir Kraft haben werden, die Bedürfnisse und Wünsche des neuen Lebens auszuführen, obwohl das Fleisch und die Sünde immer noch in uns sind.

Es ist also nicht verwunderlich, dass die, die „in Christus Jesus” sind, völlig frei von Verdammnis sind. Das Fleisch und die Sünde, die noch in ihnen, d.h. in ihren sterblichen Leibern wohnen, sind in der Tat unverbesserlich böse und verdienen nichts als völlige Verdammnis. Doch in dem Opfer Christi ist die göttliche Verurteilung geschehen und der Gläubige ist nie mehr davon betroffen. Für uns „ist jetzt keine Verdammnis.“ Sie hat sich am Kreuz entladen.

Lasst uns jedoch, während wir Gott dafür loben, nicht den Vers 4 unseres Kapitels übersehen, wo die praktischen Konsequenzen von all diesem gezeigt werden. Die Dinge, die das Gesetz gerechterweise forderte, und nie bekam, sollen jetzt in uns, „die nicht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln“, erfüllt werden.

Ein Christ, der erkannt hat, wie Gott die Sünde im Fleisch am Kreuz verurteilt hat, der das große Werk in seiner eigenen Seele anerkennt und folglich das Fleisch in seinen Handlungen verleugnet, d.h. nicht mehr nach dem Fleisch wandelt, und der auch den Besitz des neuen Lebens in Christus Jesus und den Besitz des Geistes als der Kraft und Energie dieses neuen Lebens genießt und folglich die Handlungen des Geistes zulässt und sich daran freut, d.h. nach dem Geist wandelt, das ist ein Christ, der das erfüllt, was Gott gerechterweise von den Menschen forderte. Das ist ein Christ der sogar über diese Forderungen hinausgehen wird, weil er lernt, zu wandeln wie Christus gewandelt ist – und das ist ein weitaus höherer Standard als das Gesetz Moses.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole