Ungehorsam führt zu Unglück

Online seit dem 09.09.2008, Bibelstellen: 1. Könige 11,1

Als der Apostel Paulus Timotheus daran erinnerte, dass er von Kind auf die heiligen Schriften kannte, bezog er sich natürlich auf den Teil der Bibel, den wir das Alte Testament nennen. Es war fähig, ihn „weise zu machen zur Errettung durch den Glauben der in Christus Jesus ist” (2. Tim 3,15). Wir haben heute das weitaus klarere Licht des Neuen Testaments was die Errettung der Seele betrifft. Aber was die Errettung von den Gefahren der Welt und den Verführungen Satans betrifft, die wir alle so nötig haben, ist auch das Alte Testament voll von Belehrungen, die uns weise machen, wenn wir sie nur beobachten.

Nehmen wir ein bemerkenswertes Beispiel. Es gibt im Alten Testament viele herausragende Persönlichkeiten, aber keine ist strahlender als König Salomo. Wir lesen die Anfangskapitel von 1. Könige und bemerken, dass er in allem begünstigt war. Bei seiner Geburt bekam er einen zweiten Namen, der „Geliebter des Herrn” bedeutet. Er bestieg den Königsthron als der Staat Israel gerade durch seinen Vater David vergrößert und befestigt worden war. Frieden herrschte nach allen Seiten. Als er dann von Gott geprüft wurde, war der Wunsch, den er vorbrachte, sehr wohlgefällig. Er bat um Weisheit und bekam sie und noch vieles darüber hinaus. Seine Kenntnis über Gott war so außergewöhnlich, dass sein Ruf bis weit in die Ferne bekannt war, denn selbst die Königin von Scheba wurde davon angezogen. Sie kam nicht zu Salomo, weil sie von seinen literarischen Fähigkeiten oder seinen umfangreichen naturwissenschaftlichen Kenntnissen gehört hatte, von denen wir in 1. Könige 4 lesen, sondern aufgrund seines Rufs „wegen des Namens des Herrn” (1. Kön 10,1).

Und dann kommen wir nach 1. Könige 11 und finden dort einen fast unglaublichen Bericht. Was? Dieser reich gesegnete, hochbegabte König beendet seine Tage als Anbeter abscheulicher Götzen, errichtet Höhen zu ihren Ehren, bringt sich selbst unter die ernste Züchtigung Gottes und sät die Saat, die schließlich das ganze Volk zerstörte? Diese fast unglaubliche Katastrophe ist in Gottes Wort niedergelegt, und ihre Wurzeln werden offen gelegt, damit wir vor Ähnlichem bewahrt bleiben. Wir sprechen von „Wurzeln”, denn wir mögen eine Vielzahl von Gründen erkennen, die aber alle einem Hauptgrund entspringen. Die Pfahlwurzel der ganzen Katastrophe, wenn wir es so nennen wollen, ist der Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes.

Der erste falsche Schritt, den wir bemerken, wird am Anfang von 1. Könige 3 erwähnt. „Salomo verschwägerte sich mit dem Pharao, dem König von Ägypten” und nahm seine Tochter zur Frau. In den Tagen Moses wurde das Volk ermahnt, keine Töchter heidnischer Völker zu Frauen zu nehmen (vgl. 2. Mo 34,16). Der Herr wusste, welches Übel daraus entstehen würde, und verbot es daher für das ganze Volk. Dachte Salomo etwa, dass er so weit über dem einfachen Volk stand, dass die Gesetze, die für sie galten, nicht für ihn galten? Oder dachte er, dass dieses Gesetz im Verlauf der Zeit seit Mose und durch veränderte Bedingungen veraltet geworden war?

Wenn wir jetzt 5. Mose 17,14–20 lesen, sehen wir, wie Gott voraussah, dass im Land ein Tag kommen würde, an dem Israel einen König begehren würde, und wie Er im Vorgriff darauf spezielle Gesetze erließ, die für den König gelten würden. Der letzte Vers zeigt, dass ein König die Neigung haben würde, sich im Herzen zu erheben und die Gesetzgebung für das Volk nicht auf sich anzuwenden, sodass er die Gesetze für das Volk ignorieren könnte, wie wir es gerade bei Salomo vermutet haben. Aber daneben gab es drei spezielle Gesetze für ihn. Erstens sollte er sich die Pferde nicht mehren, um nicht dadurch das Volk zur Rückkehr nach Ägypten zu verleiten. Zweitens sollte er sich die Frauen nicht mehren, damit sein Herz nicht abgezogen würde. Drittens sollte er sich Silber und Gold nicht mehren. Es ist bemerkenswert, wie hier das Wort „mehren” verwendet wird und dass es beim dritten Mal heißt: „sehr mehren”. In jedem Fall heißt es: „sich mehren”. Außerdem wird der König in spe in diesen Versen gebeten, sich im Gesetz auf dem Laufenden zu halten. Er müsste sich der Mühe unterziehen, dass Gesetz abzuschreiben und dann alle Tage seines Lebens darin zu lesen. War Salomo dieser Anweisung gehorsam? Wir fürchten, dass er es nicht war. Wenn doch, dann behandelte er diese drei Gebote wie tote Buchstaben. 

Was das erste betrifft, hatte Salomo „vierzigtausend Stände für Rosse zu seinen Wagen, und zwölftausend Reiter“ (1. Kön 4,26). „Und die Ausfuhr der Rosse für Salomo geschah aus Ägypten“ (1. Kön 10,28). Das war nur zu verständlich, da seine Frau ja aus Ägypten kam und wahrscheinlich mit den niederen Eseln und Maultieren nicht zufrieden war. Es ist zu beachten, dass wir mit Ausnahme der wenigen Pferde, die David gefangen nahm und übrig ließ (2. Sam 8,4) und derjenigen, die Absalom sich anschaffte, als er sich das Königtum aneignen wollte (2. Sam 15,1), keine Erwähnung von Pferden in Israel finden bis zu den Tagen Salomos. Diesen ersten Erlass hat Salomo also schamlos missachtet.

Der zweite Erlass wurde ebenso schamlos missachtet, denn „der König Salomo liebte viele fremde Frauen, und zwar neben der Tochter des Pharao“ (1. Kön 11,1). Diese Übertretung bewirkte nur Chaos in seinem religiösen Leben, und unter dem Einfluss seiner Frauen versank er in traurigem Götzendienst – ein Fehler, der auf ihn und sein Volk das unmittelbare Gericht Gottes herabzog. In jüngeren Tagen und in mittlerem Alter mag er noch die Willensstärke gehabt haben, diesen Tendenzen zu widerstehen, aber „es geschah zur Zeit, als Salomo alt war, da neigten seine Frauen sein Herz anderen Göttern nach“ (1. Kön 11,4). Er säte in früheren Tagen für das Fleisch und erntete Verderben, als er alt war. Mit dem dritten Verbot war es auch nicht anders, wie der letzte Teil von Kapitel 10 bezeugt. Er mehrte sehr Gold und Silber und Elfenbein und nicht nur das, sondern auch Dinge, die nutzlos waren oder nur seiner persönlichen Eitelkeit dienten, wie Affen und Pfauen. Alle diese Dinge mehrte er sich.

Wir mögen einwenden, dass auch sein Vater David große Mengen an Gold und anderen wertvollen Dingen aufhäufte. Ja, aber er tat es für das Haus Gottes, das er selbst nicht bauen durfte. Der Schluss von 1. Chronika 28 berichtet davon. Und das nächste Kapitel berichtet uns, dass er wegen seines Wohlgefallens an dem Haus Gottes aus seinem Privatvermögen nicht weniger als 3.000 Talente Gold und 7.000 Talente Silber gab. David mehrte für den Dienst Gottes, obwohl er die Verwendung des Vermögens nie sehen würde. Salomo verwendete es, und dann mehrte er noch viel mehr für sich selbst.

Diese Dinge sind zu unserer Belehrung und Warnung aufgeschrieben. Reichtum mag ein Fallstrick für Gläubige sein, wie 1. Timotheus 6,9 bezeugt. Aber wir wollen auch an die vielen anderen klaren Anweisungen denken, die für uns im Neuen Testament niedergelegt sind. Nur weil wir nicht unter Gesetz sondern unter Gnade stehen, müssen wir nicht meinen, wir bräuchten keine Gebote zu beobachten. In der Tat mögen manche von uns erstaunt sein, wenn wir die Gelegenheiten zählen würden, wo die Bibel Gebote erwähnt, die für uns Christen gelten, besonders in den Schriften des Apostels Johannes. Wenn wir unter Gesetz ständen, würde unsere Stellung vor Gott davon abhängen, ob wir Seine Gebote halten oder nicht. Wir stehen unter Gnade und unsere Stellung ist in Christus und damit unverlierbar. Doch wenn wir die Gebote des Herrn missachten, verunehren wir Ihn und bringen uns selbst unter Seine Züchtigung.

Es mag viele Bereiche in unserem Leben geben, für die der Herr keine besonderen Gebote gegeben hat, und dort bleibt es uns überlassen, mit einem geübten Gewissen die richtigen Rückschlüsse aus der Schrift zu ziehen. In solchen Fällen mag es Unterschiede in der Beurteilung geben. Aber wenn der Herr etwas geboten hat – und Er hat es getan – dann ist es an uns, einfach zu gehorchen. Er hat Gebote für Angelegenheiten der Versammlung gegeben (vgl. 1. Kor 14,37) und auch für unser persönliches Verhalten. Und wenn wir uns darüber hinwegsetzen, oder sie einfach ignorieren, wird das in irgendeiner Weise zum Unglück führen.

Wenn wir vor dem Richterstuhl des Christus stehen und Er unser ganzes Leben auf der Erde überblickt, wird Er uns zweifellos zeigen, wie viele der Schwierigkeiten und sogar Unglücke geistlicher Art, die wir erleben mussten, wir uns selbst eingebrockt haben durch unseren Ungehorsam gegenüber Seinen Geboten, und gegenüber den ausdrücklichen Belehrungen, die wir in den apostolischen Schriften finden.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole