Warum starb Christus für uns (Teil 1)?

Online seit dem 18.10.2008, Bibelstellen: 1. Petrus 3,18; Galater 1,3-4; 2. Korinther 5,15; Titus 2,13-14

Eins muss ich bei euch allen voraussetzen: dass sich alle schon im Glauben an unseren Herrn Jesus Christus als den großen Heiland gewandt haben, der für uns gestorben ist. In der Sprache der vier Bibelstellen, die wir vor uns haben, können wir sagen: Christus hat „einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten.“ Jeder von uns sollte sagen können: „Obwohl ich zu den Ungerechten gehörte, weiß ich doch, dass Christus, der Gerechte, für mich und für meine Sünden gelitten hat.“

Ich weiß nicht, was in euren Herzen war, als ihr an den Heiland gläubig wurdet. Soweit ich mich erinnern kann, war ich damals voll von Ängsten und Befürchtungen. Ich hatte Angst, in die Hölle zu kommen. Ich weiß, dass das altmodisch ist, aber die Hölle ist eine schreckliche Wirklichkeit. Ich hatte Angst davor. Ich fürchtete die Kraft meiner Sünden, und das trieb mich zu Ihm. Seitdem habe ich entdeckt, dass Er, als ich zu Ihm kam, Gedanken über mich in Seinem Herzen hatte. Er hatte bestimmte Ziele, und seit langem ist es ein herrlicher Gedanke für mich, dass mein Heiland, als Er für meine Sünden am Kreuz litt und starb, Absichten mit mir im Herzen hatte, da ich einer der Seinen bin. Jetzt sagt mein Herz: „Wenn der Herr Jesus Christus bestimmte Ziele im Auge hatte, als Er für mich starb, und wenn Er mich in die Geheimnisse Seiner Wünsche und Absichten eingeweiht hat, dann will ich auch durch Seine Gnade Seine Ziele zu meinen Zielen machen.

Nun zeigt uns jede der gelesenen Stellen ein Ziel, dass der Herr Jesus im Auge hatte, als Er für unsere Sünden starb. Wir beginnen mit Christus der sich selbst für unsere Sünden gab; das möchte ich die Basis für unsere Operationen nennen. Wir werden zu dieser Basis zurückkommen müssen. Wir werden Exkursionen in diese und in jene Richtung vornehmen, aber ihr werdet merken, dass wir immer wieder zu der Basis zurückkehren. 

… damit Er uns zu Gott führe

Die erste Exkursion führt uns in folgende Richtung: Er starb, „damit (das kleine Wörtchen „damit“ kommt in jeder unserer Stellen vor) er uns zu Gott führe.“ Das wirft sofort eine Frage auf, die ich gerne den jungen Gläubigen stellen möchte. Seid ihr in euren Herzen, in eurem innersten Bewusstsein froh, zu Gott geführt zu sein? Kennt und liebt ihr Gott? Ist Er einer, dem ihr vertraut sodass dadurch, dass ihr in Seine Nähe gebracht seid, der Abstand, der zwischen euch und Gott bestand, für immer beseitigt ist? Es muss Menschen geben, die wirklich ernsthaft an den Herrn Jesus glauben, und die doch, wenn sie einmal ehrlich ausdrücken, was in ihren Herzen ist, etwa folgendermaßen antworten würden: „Das ist eine ziemlich schwierige Frage. Wen du mich gefragt hättest, ob ich zu Jesus gebracht bin – ja, tausendmal ja! Jesus ist mein herrlicher Erretter, Er starb für mich. Aber Gott! Gott stellt für mich Ehrfurcht, Größe, Majestät, Heiligkeit dar und ich bin froh, dass Jesus zwischen mir und Gott steht.” Jesus verkörpert für viele Barmherzigkeit und Gnade und Freundlichkeit und Mitgefühl, Gott dagegen Größe, Ehrfurcht, Heiligkeit, Unendlichkeit und ehrlich gesagt eher etwas Beängstigendes.

Wenn du solche Gedanken hast, stimmt irgendwo etwas nicht, denn Christus hat „einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe.” Es mag jemand sagen: „Ja, natürlich wird Er das tun. Wir kommen alle in den Himmel.“ Und wenn du in den Himmel eintrittst, wirst du dann auch dieses ehrfurchtsvolle Gefühl haben? Wirst du sagen: „Bringt mich nicht zu nahe. Ich habe Angst. Bringt mich zu Jesus, aber nicht zu Gott”? Ich bin sicher, du sagst sofort: „Nein, so werde ich nicht empfinden.” Aber warum empfindest du es jetzt so? Welchen Unterschied gibt es zwischen jetzt und dann in Bezug auf das, was Christus getan hat? Überhaupt keinen. Er machte in dem Werk, das Er tat, als Er sich als der Gerechte für die Ungerechten gab, keine Unterscheidung.

Tatsache ist, dass der Herr Jesus Christus kam, damit wir Gott kennen lernen. Das ist gemeint, wenn wir von Offenbarung sprechen. Er kam auch, um dann das mächtige Erlösungswerk für uns zu vollbringen. Er gab sich selbst für unsere Sünden. Das Wunderbare dabei ist, dass Sein Erlösungswerk der Ort der höchsten Offenbarung Gottes ist. Sein Tod hat die Liebe Gottes aufs Höchste unter Beweis gestellt, durch ihn wurde das Erlösungswerk vollbracht und in der Kraft Seines Todes wurde alles entfernt, was zwischen Gott und uns stand, und Er kam im Auferstehungsleben und im Triumph aus dem Tod hervor, damit Er uns zu Gott führe. Es wird zwar hier nicht gesagt, doch wir wissen aus anderen Stellen, dass Er uns in einer neuen Beziehung zu Gott geführt hat. Er hat uns in einer neuen Weise vor Gott hingestellt. Wir alle waren Geschöpfe Gottes, aber jetzt sind wir in die Beziehung und Nähe und Gunst von Söhnen gebracht. Und als Christen wissen wir, dass das die Grundlage unserer geistlichen Zuneigungen und unseres Glücks ist. Wir denken an Seine unendliche Heiligkeit, aber fürchten sie nicht, sondern rühmen sie. Gott ist gerecht. Ja, aber das erfüllt mich nicht mit Furcht, sondern mit Sicherheit.

Das Evangelium besagt nicht, dass die Gerechtigkeit mit einem großen flammenden Schwert vor mir steht und nur darauf erpicht ist, mich zu schlagen, und dass die Barmherzigkeit dann in Güte einschreitet, um den Zorn der Gerechtigkeit zu beschwichtigen, sodass diese sich abwendet und mich unbeachtet lässt, wie Nelson in der Schlacht von Kopenhagen mit seinem blinden Auge. Das ist nicht das Evangelium. Das Evangelium ist nicht Barmherzigkeit auf Kosten von Gerechtigkeit, dessen könnt ihr sicher sein. Ist dann das Evangelium, dass das große flammende Schwert der Gerechtigkeit in das Herz unseres Heilands gestoßen wird, sodass die Gerechtigkeit zu der Barmherzigkeit sagen kann: „Meine Ansprüche sind befriedigt. Mehr will ich nicht. Barmherzigkeit, du hast freie Hand, tue was dir gefällt. Umhülle jene wertlosen Sünder mit Güte, bedecke sie mit Küssen, wenn du willst. Ich habe nichts mehr zu sagen.“ Ist das nicht besser? Ja, aber es ist nicht das volle Evangelium. Was ist dann aber das Evangelium? In der Tat sagt es uns, dass das Schwert der Gerechtigkeit sozusagen in die Scheide des Todes unseres geliebten Heilands gesteckt wurde, aber auch dass Sein Tod und Seine Auferstehung dieses flammende Schwert sozusagen in ein hellen und strahlenden Schild des Schutzes für den Gläubigen verwandelt hat. Die Gerechtigkeit wird nicht aus der ganzen Fragestellung entlassen, so als ob sie dazu nichts mehr zu sagen hätte. Die Gerechtigkeit hat sehr wohl etwas zu sagen. Sie trotzt allen Angreifern. Sie sagt: „Jeder, der diesen Sünder anrührt, muss den Schild meiner Gerechtigkeit durchstoßen.“ Die Gerechtigkeit steht genauso auf unserer Seite wie die Barmherzigkeit. In Gerechtigkeit sind wir zu Gott gebracht. Wir kennen Gott. Wir rühmen uns in Ihm. Seine Herrlichkeit und Gerechtigkeit sind genauso unser Ruhm wie Seine Güte und Barmherzigkeit.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole