Dienen und Erwarten

Online seit dem 28.11.2008, Bibelstellen: 1. Thessalonicher 1,9-10

Diese Verse wurden jungen Christen geschrieben – Bekehrten des ersten Jahrhunderts – von dem Apostel Paulus, dem größten Evangelisten aller Zeiten. Wir, die wir hier versammelt sind, sind größtenteils junge Christen – Bekehrte des 20. Jahrhunderts –, aber was damals wahr war, ist auch für uns heute wahr. Der Apostel ging bis zum Anfang der Dinge zurück, als sie sich von den Götzen zu Gott bekehrten. Am Ende des Verses schaut er nach vorne bis zu dem herrlichen Ende, wenn Gottes Sohn vom Himmel her offenbart werden wird. Aber dazwischen weist er auf Dinge hin, die die Zwischenzeit bei jedem von uns ausfüllen sollen. In der Vergangenheit haben wir uns bekehrt; in der Zukunft werden wir dem Sohn Gottes vom Himmel begegnen; und in der Zwischenzeit sollen wir dem lebendigen und wahren Gott dienen und mit Ausharren warten. Dienen und Erwarten – wenn wir nur das von dieser Zusammenkunft mitnähmen, wäre es zum Nutzen für uns.

„Ihr habt euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt”, das ist die wahre Bedeutung von Bekehrung in ihrer positiven und negativen Seite. Wenn wir uns zu Gott bekehren, müssen wir uns notwendigerweise von den Götzen abwenden, die uns einst bezaubert und unterjocht hatten. Warum bekehrten sich diese Menschen zu Gott? Einige von ihnen waren zweifellos Juden, deren Vorväter sich am Sinai verängstigt von Ihm abgewandt hatten. Sie bekehrten sich zu Ihm, weil Er Ihnen in Jesus Christus, unserem Herrn, offenbart worden war und nicht in den Beben und Donnern des Sinai. Wir haben uns aus dem gleichen Grund zu Ihm bekehrt.

Wir wissen, dass „Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend“, und alles war so vollkommen, dass Jesus selbst sagen konnte: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Gott ist unseren Herzen kostbar geworden. Manche denken irrtümlicherweise, dass Jesus die Verkörperung von Gnade und Güte ist, während Gott so Ehrfurcht gebietend ist, dass sie beim Gedanken an Ihn keinen inneren Frieden haben können. Die Wahrheit ist aber, dass in Jesus Gott offenbart ist. Wir sehen Sein Herz – Seine Liebe und Seine Heiligkeit.

Indem wir uns zu Gott bekehren, wenden wir uns von den Götzen ab. Diese Thessalonicher wandten sich von den Götzen der heidnischen Welt mit all ihren unreinen Bräuchen und Übeln ab. Wie wenden wir uns von Götzen ab? Was ist überhaupt ein Götze? Es ist alles, was im Herzen des Menschen den ersten Platz beansprucht, der allein dem Schöpfer gehört. Vergöttert daher nichts, denn Gott allein sollen eure Herzen geweiht sein. Die Gefahr bei uns ist, dass unsere Herzen erkalten und dass dann die Dinge, die wir vor unserer Bekehrung vergötterten, uns wieder in Besitz nehmen. Viele von uns haben schon mit Kummer auf junge Gläubige geblickt, die vor Jahren einen guten Anfang gemacht haben und dann doch erkaltet sind. Die Liebe zum Heiland flaut ab und die alten Götzen ergreifen mit versklavender Macht Besitz von ihnen. Wir wollen zusehen, dass unsere Bekehrung eine Realität für uns bleibt, und dass die Dinge, die einst unsere Herzen gefangen nahmen – das müssen nicht unbedingt böse Dinge sein – keinen Platz mehr in unseren Herzen und Gedanken haben.

Unsere Reise endet beim Kommen des Sohnes Gottes vom Himmel. Er ist unserer Erretter vom Zorn, der beginnt, wenn Christus offenbart ist. Der Zorn wird kommen. Manche mögen sagen: „Das glaubst du doch nicht, oder?“ Ich muss sagen, wenn ich auf die Erde schaue, wie sie heute ist, kann ich nichts anderes glauben. So schockierend Böses erfüllt die Erde, dass sogar sündige Menschen mit Zorn und Gericht dagegen vorgehen. Ich kann jeden aufrichtigen Menschen verstehen, der sagt: „Wenn es im Universum keine Macht gibt, die eingreift, um das Böse zu unterbinden, dann sollte eine kommen!“ Wir wissen, dass es einen Gott der ewigen Gerechtigkeit und Wahrheit gibt, und dass der Herr Jesus der ernannte Vollstrecker des Zornes Gottes und zur gleichen Zeit der Erretter Seines Volkes ist. Wenn du die Herrlichkeit der Bekehrung von den Götzenbildern zu Gott erlebt hast, hast du auch die Sicherheit, dass Jesus dein Erretter von dem kommenden Zorn ist.

Aber ich möchte mehr auf das hinaus, was die Zwischenzeit ausfüllen soll. Unser Leben soll ein Leben des Dienens und Erwartens sein. Jeder, der einer Sache oder einer Person dient, ist davon gekennzeichnet. Die Menschen der Welt dienen hauptsächlich ihren eigenen Vergnügungen und Lüsten und indem sie das tun, dienen sie in Wirklichkeit dem großen Widersacher selbst. Wir sind berufen, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen, und es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, das zu tun. Wenn wir Gott hingegeben sind, und Sein Wille oberste Priorität bei uns hat, wird Er uns in den Dienst leiten, der Ihm gefällt, während wir unterwegs zur Herrlichkeit sind. Die Welt vergeht und ihre Lust, aber wer den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit. Wir dienen dem lebendigen Gott, der von jedem kleinsten Dienst für Ihn Notiz nimmt und ihn am Ende belohnen wird.

Außerdem warten wir auf das Kommen des Erretters. Tausende von Jahren haben die Menschen versucht, einen Idealzustand in dieser Welt herzustellen, und sie versuchen es immer noch. Sie haben ihn nie erreicht und werden ihn auch nie erreichen. Wir wissen das und beteiligen uns deshalb auch nicht an ihren Planungen und den Auseinandersetzungen und Streitigkeiten, die daraus entstehen. Stattdessen warten wir auf das Kommen des Herrn Jesus. Nur Er hat die Macht, den Teufel zu unterwerfen, der der Urheber der Sünde in Gottes schöner Schöpfung ist. In einer Weise hat Er es schon bei Seinem ersten Kommen durch Seinen Tod und Seine Auferstehung getan. Er wird es auf andere Weise bei Seinem zweiten Kommen tun, wenn Er den Teufel binden und die seufzende Erde befreien wird. Und Seine Versammlung wird Er erretten, indem Er sie in den Himmel nimmt.

Dass Christus kommen wird, ist eine sichere, offenbarte Tatsache. Der Versuch, einen Zeitpunkt anzugeben, ist Verboten und deshalb ein fruchtloses Unterfangen, und doch wage ich zu glauben, dass Sein Kommen sehr nahe bevorsteht. Wir werden manchmal gefragt, ob es für eine solche Vermutung irgendeinen Beweis in der Schrift gibt. Ich will euch darum ganz kurz drei Gründe aus der Schrift zeigen, die meine Vermutung stützen.

Schaut zuerst auf die Worte des Herrn selbst in Lukas 21,29–31. Seine Anspielung auf den Feigenbaum ist bekanntlich ein Gleichnis. Der Feigenbaum ist ein Hinweis auf Israel. „Alle Bäume“, das sind die vielen anderen Völker, die Israel umgeben. Das Wiedererwachen Israels als Land und Volk ist ein Zeichen dafür, dass der Sommer Seiner sichtbaren Gegenwart nahe ist. Dieses Wiedererwachen ist heute ohne Zweifel bereits geschehen.

Dann gibt es noch 2. Timotheus 3,1–5. Die dort beschriebenen Menschen sind keine Atheisten oder Agnostiker, denn sie haben eine Form der Gottseligkeit. Es sind Leute mit christlichem Bekenntnis, die aber in Wirklichkeit sich selbst, das Geld und das Vergnügen lieben. Der Zustand der Christenheit heute hätte nicht akkurater beschrieben werden können, als durch diese Worte. Jeder ist nur auf sich selbst, auf Geld und auf Vergnügen aus. Wir wollen zusehen, dass wir nicht in diese Dingen verwickelt und noch viel weniger von ihnen verschlungen werden. Bedenkt aber, dass dies „in den letzten Tagen“ so sein wird. Folglich sind wir also in den letzen Tagen.

Drittens haben wir noch 2. Petrus 3,3–4. Dort haben wir die Prophezeiung, dass Tage kommen werden, an denen Menschen über die Vorstellung von einem zweiten Kommen spotten werden, mit der Begründung, das nichts Katastrophales je geschehen ist, oder geschehen wird, da sich ja alles durch evolutionäre Veränderungen entwickelt, die zu klein sind, als dass sie bemerkt würden. Ich versuche nur, diese Prophezeiung in die heutige Sprache zu übersetzen. Sie ignorieren bewusst, dass es in der Vergangenheit bereits ein katastrophales Eingreifen Gottes in Form der Sintflut gegeben hat. Wenn man das zugeben würde, würde die ganze Evolutionstheorie mit ihren Entwicklungsstufen, die so unbemerkbar sind, dass sie weder bewiesen noch widerlegt werden können, in sich zusammenfallen. Das zweite Kommen hat die Spötter schon lange gereizt, aber erst im letzten Jahrhundert begann der Spott der Spötter auf der Grundlage der Evolutionstheorie. Und die Zeit, in der so gespottet würde, wird „die letzten Tage“ genannt. Wieder schlussfolgern wir: Wir sind jetzt in den letzten Tagen.

Ihr jungen Leute, verlasst dieses Zusammenkommen in dem ernsten Bewusstsein des Wiederkommens der Herrn Jesus und vergeudet nicht die Zeit, die euch vielleicht noch bleibt. Viele Dinge deuten darauf hin, dass wir uns dem Moment nähern, wo Er erneut in das Geschehen dieser Erde eingreifen wird. Sein Kommen bedeutet für uns Herrlichkeit, aber es bedeutet auch das Ende der Gnadenzeit. Gebe Gott uns, dass wir voller Eifer dem lebendigen und wahren Gott dienen und Seinen Sohn aus den Himmeln erwarten, der uns von dem kommenden Zorn erretten wird, indem Er uns für immer in Seine Gegenwart ruft.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole