Wurzel und Reis

Online seit dem 26.03.2009, Bibelstellen: Jesaja 11,1+10

„Und ein Reis wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen ... der Wurzelspross (das hebräische Wort bedeutet zugleich „Wurzel“ und „Wurzelspross“, Fußnote Elb. Üb.) Isais“ (Jes 11,1+10)

Die Erweckung Davids als König markiert eine besondere Epoche in Gottes Handeln mit Israel. Es war eine außerordentliche Demonstration Seiner Gnade als alles durch die Abtrünnigkeit des Volkes verloren und verwirkt war. Wenn man Psalm 78,56–72 aufmerksam liest, wird das sehr deutlich. Das göttliche Handeln wird mit einem gewaltigen Aufwecken aus dem Schlaf verglichen. Die Arche war von den Philistern entführt worden, aber „er erwählte David, seinen Knecht“, und durch ihn rollte Er die Welle des Unglücks zurück und es gab Sicherheit, Nahrung und Leitung für Sein Volk. Und dieses Eingreifen vor etwa 3000 Jahren ist ein Bild von dem weit größeren Eingreifen Gottes durch Christus, das noch kommen wird.

Natürlich war David ein „Reis” oder „Schössling” aus dem Stamm Isais, und zwar der letzte der acht Schösslinge, die sich im Leben Isais einstellten. Schon bald jedoch wurde er der Hauptschössling seiner Tage und seiner Generation. Er wird durch den Schössling, den Jesaja vorhersagt, gänzlich in den Schatten gestellt.

Als der „Nachkomme Davids nach dem Fleisch” ist unser Herr Jesus „ein Reis aus dem Stumpf Isais“. Er ist der höchste „Schössling aus seinen Wurzeln“, der fruchtbar war zur Herrlichkeit Gottes. Er ist der Mann des göttlichen Ratschlusses, in dem der ganze Wille Gottes zur Ausführung kommt. Wenn wir Jesaja 11,2 bis 9 lesen, wird vor unseren Augen ein schönes Bild der Erde entfaltet, wie sie unter Seiner gerechten und doch gesegneten Regierung im kommenden tausendjährigen Reich sein wird.

Es ist klar, dass er als „Schössling” in Seiner Menschheit gesehen wird. Daher beschreiben die Verse 2 und 3 Ihn in der Kraft der Salbung des Geistes der Herrn, doch hier nicht so sehr „wohltuend und heilend“ (Apg 10,38), denn das stand mit Seinem ersten Kommen in Verbindung. Hier heißt es, dass Er in Gerechtigkeit „richten“, „Recht sprechen“ und sogar „schlagen“ und die Gottlosen „töten“ wird.

Als der höchste Richter ist Er mit dem Geist in Seinem siebenfachen Charakter ausgestattet. Der goldene Leuchter in der Stiftshütte ist ein Vorbild des Geistes in dieser Sichtweise. Es gab den Schaft des Leuchters – „der Geist des HERRN“. Und dann gab es die drei Armpaare – erstens „der Geist der Weisheit und des Verstandes“, zweitens „der Geist des Rates und der Kraft“ und drittens „der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN“. Im Einklang damit steht, dass wir in der Offenbarung, dem Buch des Gerichts, sofort einer ähnlichen Beschreibung des Geistes Gottes begegnen: „den sieben Geistern, die vor seinem Throne sind“ (Off 1,4). Später spricht der Sohn des Menschen, der den richterlichen Platz inmitten der sieben Versammlungen einnimmt, von sich als dem, „der die sieben Geister Gottes hat“ (Off 3,1). Und wenn Er den Platz als Richter über die ganze Erde einnimmt, hat Er, obwohl Er als das „Lamm wie geschlachtet“ dasteht, „sieben Augen, die die sieben Geister Gottes sind, die gesandt sind über die ganze Erde“ (Off 5,6). Allein diese Betrachtungsweise – dass Er der „Reis“ aus dem Stumpf Isais ist, ausgestattet mit dem siebenfachen Geist Gottes – überzeugen uns von der Unvoreingenommenheit und Richtigkeit jeder Handlung und jedes Urteils. Und das Ergebnis der Gerechtigkeit wird Friede sein.

In Jesaja wird die Erde, wie allgemein im Alten Testament, als Schauplatz des gerechten Handelns Gottes gesehen. Daher ist der vorherrschende Gedanke bei dem Kommen des Messias das, was wir gerade angedeutet haben, und was so wunderbar in den ersten neun Versen von Jesaja 11 geschildert wird.

Und doch werden wir auch im Alten Testament nicht im Unklaren darüber gelassen, dass im Hintergrund größere Ratschlüsse Gottes liegen, und dass mit dieser wunderbaren Person, die zu ihrer Zeit als Messias erscheinen wird, noch tiefere und vielseitigere Gedanken verbunden sind. Das zeigt Vers 10 dieses Kapitels. Als der Reis aus dem Stumpf Isais ist Er der wahre König Israels. Als die Wurzel Isais ist Er das Panier für die Sammlung der Völker, sogar der Nationen, und Seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein.

Als die Wurzel Isais ist Er der, von dem David abstammt. Er ist nicht das Erzeugnis, sondern der Erzeuger. Und das nicht aufgrund Seiner Menschheit, sondern aufgrund Seiner Gottheit.

Von Ihm konnte wirklich gesagt werden, dass Er „aus dem Samen Davids gekommen ist dem Fleisch nach“ (Rö 1,3). Doch über wen wird das gesagt? „Über seinen Sohn“, wie der gleiche Vers feststellt. Weil es der Sohn Gottes war, der kam, war Er „die Wurzel“.

Wir bitten unsere Leser, diese Wahrheit gut in ihre Herzen und Seelen eindringen zu lassen. Es kann nicht stark genug betont werden, wenn man an die irrigen philosophischen Auffassungen unserer Tage denkt, die den Anspruch erheben, die tiefere Wahrheit zu sein, die nur wenigen Auserwählten und Geistlichen vorbehalten ist. Und wenn man noch so sehr darauf drängt – und mit vielen philosophischen Argumenten untermauert –, dass es richtiger wäre, zu sagen, dass eine göttliche Person, namenlos und von der Masse der Menschen nicht identifizierbar, zum Sohn wurde, als sie aus dem Samen Davids kam, sagt die Schrift doch einfach von dem „Evangelium Gottes … „über seinen Sohn, der aus dem Samen Davids gekommen ist dem Fleisch nach.“ Wir haben nicht die geringsten Zweifel: Er wurde nicht Sohn als Er Fleisch wurde, sondern Er wurde der Nachkomme Davids als Er Fleisch wurde. Die Bibel hat Recht und die philosophischen Argumentationen sind falsch.

Im letzten Kapitel der Offenbarung wird der Faden von Jesaja 11 wieder aufgenommen: „Ich, Jesus … bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern“ (Vers 16). Der Begriff „Geschlecht“ bedeutet praktisch dasselbe wie „Reis“. Doch beachte, dass die Reihenfolge der zwei Gedanken genau umgekehrt ist. Im Alten Testament kommt der „Reis“ zuerst. Das Hauptthema ist der kommende König aus der Linie Davids, in dem alle Ratschlüsse Gottes in Bezug auf Israel und die Erde ausgeführt werden. Die Tatsache, dass Er auch die Wurzel ist, aus der alle Macht, aller Erfolg und alle Herrlichkeit Davids entsprungen sind, wird zwar erwähnt aber nicht entwickelt.

Im neuen Testament finden wir eine viel umfassendere Sicht. Wir sollen nicht vergessen, dass Jesus der Nachkomme Davids ist, und folglich selbst als Mensch alle königlichen Rechte auf der Erde besitzt. Doch der Tatsache, dass Er die Wurzel Davids ist, kommt die weit größere Bedeutung zu. Aus Ihm ist David hervorgegangen. Alles, was David war, verdankte er Ihm. Er hat David und alles, was er für Israel bedeutete, eingeführt. Und Der, der das tat, kann sowohl für die Himmel als auch für die Erde Segen bewirken und einführen. Wohlgemerkt, nicht nur für die Erde, sondern auch für den Himmel.

Er ist auch der glänzende Morgenstern. Wir sehen auf zum Himmel, um Ihn zu sehen. In den Himmeln ist Sein Sitz und aus den Himmeln erwarten wir Ihn, bevor Er als Sonne der Gerechtigkeit hervorstrahlt. Auch auf der Erde gab es Himmelslichter. Ein Mose, ein Elia, ein Paulus, sie alle strahlten zu ihrer Zeit wie ein Leuchtturm in die Dunkelheit. Doch Jesus, und Jesus allein, ist der glänzende Morgenstern.

Und der Morgenstern ist als „Geschlecht Davids” der kommende König, der Reis aus dem Stumpf Isais. Er ist auch die Wurzel sowohl von David als auch von Isai – der Ursprung ihrer Macht und Herrlichkeit, der Ursprung aller Herrlichkeit und Segnung für Himmel und Erde. Deshalb: „Wer es hört, spreche komm!“

F.B. Hole