Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut

Online seit dem 30.01.2021, Bibelstellen: Johannes 1,14

Wenn wir uns mit einem solchen Thema beschäftigen, befinden wir uns in guter Gesellschaft. Schon der Psalmist sagte: „Möge ihm angenehm sein mein Sinnen! Ich, ich werde mich in dem HERRN erfreuen“ (Psalm 104,34). Die Gläubigen des Überrests in Maleachis Tagen werden in dem inspirierten Bericht als solche charakterisiert, „die den HERRN fürchten und die seinen Namen achten“ (Maleachi 3,16). Im Überrest der ersten Tage der Menschwerdung des Herrn gab es eine Anna. Sie „redete von ihm zu allen, die auf Erlösung warteten in Jerusalem“ (Lukas 2,38).

Was für eine gesegnete Beschäftigung! Die zwei Jünger in Johannes 1 fragten: „Lehrer, wo hältst du dich auf?“ (Johannes 1,38). Wie gesegnet ist es, durch Ihn belehrt zu werden, und noch gesegneter ist es, bei Ihm zu bleiben.

Wir dürfen Gott für das Beispiel der Jünger danken, die zu Ihm sagten: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens“ (Johannes 6,68). Wir erinnern uns auch an die samaritische Frau, die verkündete: „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was irgend ich getan habe; dieser ist doch nicht etwa der Christus?“ (Johannes 4,29). Oder der Mann in Johannes 9, der auf die Frage „Glaubst du an den Sohn Gottes?“ ausrief: „Und wer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube?“ (Johannes 9,35.36). Dann sind da noch die Griechen in Johannes 12, die zu Philippus sagen: „Herr, wir möchten Jesus sehen“ (Johannes 12,21). Lasst uns die Worte des bekehrten Pharisäers (Paulus) beachten: „um ihn zu erkennen“ (Philipper 3,10).

Wir wollen uns zu dem einsamen Verbannten auf Patmos gesellen, der, als er den Erstgeborenen der Toten, den Fürsten der Könige der Erde betrachtete, in Lobgesang ausbrach und rief: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blute, und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (Offenbarung 1,5.6). Horcht auf die Frage des heuchlerischen Pharisäers: „Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er?“ (Matthäus 22,42). Lasst uns diese Frage mit Petrus’ Worten beantworten: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matthäus 16,16).

In diesem Geist lasst uns die Seiten des Johannesevangeliums aufschlagen. Wir erinnern uns, dass dieses Evangelium am Ende des ersten Jahrhunderts der Geschichte der Versammlung geschrieben wurde. Können wir uns beinahe sechzig Jahre ohne das Johannesevangelium vorstellen? Ist es wichtig, ob wir diese Darstellung des Herrn annehmen oder nicht? Die Frage wird in 1. Johannes 4,6 beantwortet: „Wir sind aus Gott; wer Gott kennt, hört uns.“ Und dann die ernsten Worte aus dem zweiten Brief: „Jeder, der weitergeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken“ (2. Johannes 9–11). Wie kann ein Mensch die Lehre bringen, wenn er ihr nicht glaubt?

Sofort, wenn wir das Johannesevangelium aufschlagen, werden wir durch den Geist Gottes zurückgeführt vor die Zeit, in der alles begann, was jemals begonnen hat. Er hatte nie einen Anfang! Er steht jenseits aller Schöpfung – erhabener als alles. „Im Anfang war das Wort“ – Seine ewige Existenz; „Das Wort war bei Gott“ – Seine eigene Persönlichkeit; „Das Wort war Gott“ – seine Gottheit. „Dieses war im Anfang bei Gott“ – Er war in aller Ewigkeit eine eigenständige Person. Seine Herrlichkeit ist größer als die der ganzen Schöpfung, weil Er der Schöpfer ist. „Alles wurde durch dasselbe“ – als „das Wort“ ist Er nicht nur der Offenbarer, sondern auch das, was offenbart wird. Als Er gefragt wurde: „Wer bist du“, antwortete Er: „Durchaus das, was ich auch zu euch rede“ (Johannes 8,25). Seine Worte stellten Ihn selbst dar.

In Verbindung  mit der wunderbaren Offenbarung über die Unterscheidung der Personen der Gottheit werden uns auch die persönlichen Beziehungen bekannt gemacht. Wenn diese Beziehungen persönlich sind, dann sind sie ewig, denn auch die Personen sind ewig. Daher lernen wir, dass das Wort Fleisch wurde (nicht Fleisch gemacht wurde) und voller Gnade und Wahrheit unter uns wohnte (Johannes 1,14). Als Johannes in der Kraft des Heiligen Geistes über das Wunder der Menschwerdung Gottes nachsann, sagte er: „Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater“ (Johannes 1,14). Er war – ja, Er ist für alle Ewigkeit – der einzigartige Sohn. In den Schriften des Johannes lesen wir fünfmal über Ihn als den Eingeborenen. Das ist die Herrlichkeit seiner Beziehung (Johannes 1,18). Dann gehört auch die liebliche Vertrautheit des Schoßes des Vaters zu dieser einzigartigen Beziehung. Unser Herr Jesus ist einzigartig – einzigartig in der Beziehung und ebenso einzigartig in der Liebe, die dieser Beziehung eigen ist. Das ist die Bedeutung des Namens „eingeborener Sohn“. Es ist weder der Gedanke der Geburt noch der Abstammung, das Wort beschreibt uns eine einzigartige Beziehung und Liebe.

Fünfmal wird er im Neuen Testament der Eingeborene genannt. Der Gedanke ist hier weniger die Geburtsreihenfolge, sondern die Rangfolge! In Psalm 89,28 sagt Gott über Seinen gesalbten König David: „So will auch ich ihn zum Erstgeborenen machen, zum Höchsten der Könige der Erde.“ Offensichtlich ist „Erstgeborener“ ein Titel, der eine Auszeichnung im Rang und nicht in der Chronologie der Geburt andeutet.

1) In Römer 8,29 ist Er der „Erstgeborene vieler Brüder“.

2) In Kolosser 1,15 ist Er der „Erstgeborene der Schöpfung“. Wenn Er der Schöpfer aller Dinge ist und dann in Seine eigene Schöpfung eintritt, dann muss Er auch den Vorrang vor allen Dingen haben, die in der Schöpfung sind.

3) In Kolosser 1,18 ist Er der „Erstgeborene aus den Toten“.

4) In Hebräer 1, wenn Er als Erstgeborener in den Erdkreis eingeführt wird, wird den Engelscharen geboten, Ihn anzubeten.

5) In Offenbarung 1,5 ist Er der „Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde“.

Sei es die Schöpfung, die Auferstehung, seien es Seine Brüder, die Engelsheere oder die Könige dieser Erde, Er nimmt immer den höchsten Platz ein, „damit Er in allem den Vorrang habe“.

Daher: Als Erstgeborener ist Er das Haupt, der Höchste im Rang.
Als Eingeborener ist Er der einzigartige Sohn der Liebe des Vaters

Er wurde Fleisch, aber Er wurde nie Sohn. Wenn wir die Herrlichkeit und die Gnade seiner Menschwerdung anschauen, dann wollen wir uns durch das Wort der Wahrheit in der Kraft des Geistes der Wahrheit überzeugen lassen, dass wir hier nicht die Sohnschaft durch Menschwerdung sehen, sondern die Menschwerdung des Sohnes. Daher, als das Wort – und Er ist das ewige Wort – ist Er die Offenbarung Gottes. Als der „Eingeborene“ ist Er der Verkündiger und Offenbarer des Vaters. Er hat die Beziehung in der Gottheit und die ihr eigenen Zuneigungen ans Licht gebracht.

Es sind mindestens drei Dinge in diesem Evangelium, die unsere Aufmerksamkeit erfordern: die Herrlichkeit Seiner Person, die Herrlichkeit Seiner Macht und die Herrlichkeit Seiner Liebe. Die Wunder, die uns in diesem Evangelium berichtet werden, haben den Charakter von Zeichen. Welche heilsgeschichtlichen Merkmale auch darin vor uns kommen – und sie sind reich an derartigen Belehrungen –, lasst uns  immer daran denken, dass es ihr vorrangiges Ziel ist, uns mit der Herrlichkeit des Herrn Jesus zu beschäftigen, indem sie sie offenbaren. „Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend Leben habt in seinem Namen“ (Johannes 20,31).

Wenn wir über Seine Herrlichkeit nachdenken, wollen wir uns daran erinnern, dass sie uns in persönlichen, moralischen und amtlichen Merkmalen vorgestellt wird. Wenn wir von der persönlichen Herrlichkeit sprechen, denken wir daran, wer Er ist. Wenn Seine moralische Herrlichkeit vor uns steht, denken wir an Seinen Charakter, Sein Verhalten, Seine Wege. Wenn wir von amtlicher Herrlichkeit sprechen, denken wir an Seine Ämter, die Er innehat.

Im Verlauf des Evangeliums wird Er uns als der Hirte der Schafe vorgestellt (was auch der Wahrheit über seine Stellung als „Haupt des Leibes“ in den Briefen des Paulus nahekommt): „Es wird eine Herde, ein Hirte sein“ (Johannes 10,16).

Unter den Seinen erschien Er als der Tröster, der sich völlig für sie verwendete (denn Er nannte den kommenden Heiligen Geist „einen anderer Tröster“). Er ist das Brot des Lebens; Er ist die Tür; Er ist der wahre Weinstock; Er ist der Sohn Davids; Er ist der Sohn des Menschen; Er ist der Sohn Gottes; Er ist der, der mit Heiligem Geist tauft; Er ist die Auferstehung und das Leben; Er ist das Licht der Welt; Er ist das Licht des Lebens; Er ist der letzte Adam („Und als er dies gesagt hatte, hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget [den] Heiligen Geist!“; Johannes 20,22); Er ist der, der die Füße wäscht; Er ist der Kommende; Er ist der Verwalter aller Dinge, denn „der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben“ (Johannes 3,35); Er ist der berufene Richter, der Vater hat alles Gericht in Seine Hand gegeben – aus zwei Gründen: erstens „auf dass alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“ (Johannes 5,23); zweitens „weil er des Menschen Sohn ist“ (Johannes 5,27). Er ist der, der die Augen der Blinden öffnet; Er ist der Sieger über Tod und Grab; Er ist der Zufluchtsort für die Seinen in öder Wüste oder im wütenden Sturm; Er ist der, der in den Himmel aufgefahren ist.

In all diesen unterschiedlichen Facetten stellt uns das Evangelium den Herrn vor. Wie auch immer wir ihn anschauen – moralisch oder in seinen Ämtern –, ständig werden wir daran erinnert, dass diese Dinge bereits vorausgesagt wurden über Ihn, der von sich selbst sagte: „Ehe Abraham wurde, bin ich“ (Johannes 8,58).

Er ist Gott in der Herrlichkeit Seiner Person, wie tief Er sich auch immer in Seiner Gnade herabgelassen hat. Wie sonst könnten wir die folgenden Worte verstehen: „Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ (Johannes 3,13)? Er nennt sich hier mit seinem „offiziellen“ Titel, den Er als Mensch trägt, spricht aber gleichzeitig über etwas, was zu Seiner Gottheit gehört. Daher stammt auch die Gefahr, zu versuchen, die Gottheit und die Menschheit unseres gepriesen Herrn Jesus zu trennen. Lasst uns sie unterscheiden, aber niemals trennen, indem wir immer dabei bleiben, dass die eine Person aus beiden Naturen besteht. Er ist Gott, Er ist Mensch, Er ist sowohl Gott als auch Mensch.

Dieses schöne Fazit prägt sich uns ein, wenn wir darüber nachsinnen, wie der Geist Gottes Ihn im ganzen Johannesevangelium vorstellt, und wenn wir ans Ende unserer Betrachtung kommen, werden wir am Ende des Evangeliums noch einmal an drei wunderbare Szenen erinnert:

1) Thomas nimmt, als der Herr Ihn überzeugt hatte, in seinem persönlichen Bekenntnis das Bekenntnis der Nation vorweg: „Mein Herr und mein Gott“ (Johannes 20,28; siehe auch Jesaja 25,9).

2) Der Jünger, den Jesus liebte (Liebe hat ein schnelles Urteilsvermögen), sagt zu Petrus: „Es ist der Herr“ (Johannes 21,7). Eine passende Überschrift über das Evangelium, das er, durch den Geist getrieben, schrieb.

3) Petrus sagte in dem Moment seiner tiefen Demütigung, als der Herr ihn vor seinen Brüdern wiederherstellte: „Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe“ (Johannes 21,17).

Können wir da einstimmen, liebe Brüder, vor unserem herrlichen Herrn, von dem wir lesen: „Da er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende“ (Johannes 13,1)? Können wir Ihm in einem aufrichtigen Bekenntnis sagen: „Herr Jesus, du bist allwissend, und auch wenn Du Deine Allwissenheit benötigst, um unsere vergleichsweise kleine Liebe zu erkennen, bekennen wir dir unsere Liebe frei heraus – wir lieben Dich innig“?

Seine Herrlichkeit steht immer größer vor uns, und anstatt uns abzuschrecken, zieht sie uns an, weil es die Herrlichkeit dessen ist, der uns mit ewiger Liebe liebt, und „wir lieben ihn, weil Er uns zuerst geliebt hat“ (1. Johannes 4,19).

Norman Anderson