Freut Gott sich am Gericht?

Online seit dem 09.03.2009, Bibelstellen: 5. Mose 28,63

Frage: In 5. Mose 28,63 steht: „Und es wird geschehen: So wie der HERR sich freute, euch Gutes zu tun und euch zu mehren, so wird der HERR sich über euch freuen, euch zugrunde zu richten und euch zu vertilgen.“ Wie ist das zu verstehen, dass Gott sich freut, sein Volk Israel zugrunde zu richten?

Auch wenn sich diese Frage gewiss aufdrängt, so ist es doch immer gut, sich zunächst an zwei Dinge zu erinnern:

  • Wir Menschen dürfen das Wort nicht gegen Gott nehmen (Römer 9,20).
  • Eine Bibelstelle darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern dem Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift ist Rechnung zu tragen.

Wir wissen aus der Schrift, dass Gott kein Gefallen am Tod des Gottlosen hat (Hesekiel 33,11). Gott erbarmt sich gern, und es ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut (Jona 4,11; Lukas 15,10).

Das gilt es festzuhalten. Wenn nun in 5. Mose 28,63 von der Freude Gottes in Verbindung mit seinem Gericht die Rede ist, so ist daran zu denken, dass Gott nicht zögern wird, die Strafe zu bringen. Was man etwas mit Freude tun kann, tut man es sofort. Außerdem offenbart sich in der Strafe auch die Gerechtigkeit Gottes – sollte sich Gott nicht darüber freuen, Gerechtigkeit walten zu lassen?  Wenn ein Richter vor Gericht Recht spricht, kann er sich darüber freuen, dass die Gerechtigkeit des Gesetzes noch angewendet werden kann. Das muss keineswegs mit Freude an dem Leid des Schuldigen einhergehen, sondern das kann rein und lauter sein.  

Gott zögert nicht, seine Gerechtigkeit im Gericht zu erweisen, und über die Erweisung der Gerechtigkeit freut er sich. Aber dann bleibt doch etwas von seinem Wesen verborgen: seine Barmherzigkeit und Gnade. Und darum ist es sehr bezeichnend, dass wir lesen, dass Gott mit seinem ganzem Herzen den Segen für Israel austeilten wird: „Und ich werde mich über sie freuen, ihnen Gutes zu tun, und werde sie in diesem Land pflanzen in Wahrheit mit meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Seele“ (Jeremia 32,41).    

Gerrid Setzer